Dienstag, 7. Juni 2016

Buchempfehlung | Einweihung - Elisabeth Haich (PDF)


Auszüge aus dem Buch von Elisabeth Haich, das ihre eigene Autobiografie ist das sie aber in Romanform verfaßt hat, es ist in der Tat eine Einweihung in die Mysterien des Lebens und des Weltalls... Ich habe es unter dem Blog verlinkt. Allerdings fehlen die Seiten 232, 233, 332 und 333!:

DER BAUM DER ERKENNTNIS DES GUTEN UND BÖSEN

Wie ich so weit bin, daß ich das Schweigen ziemlich beherrsche, stehe ich eines Abends wieder vor Ptahhotep (der Hoheprister-Sohn Gottes, mein Onkel) und Er fragt: «Was hast du während deiner Kämpfe mit dem Schweigen erfahren? Hast du nur über das Schweigen Herr zu sein gelernt?» «Nein, Vater, das war einfach unmöglich. Während ich mit dem Schweigen kämpfte, mußte ich gleichzeitig auch mit dem Reden kämpfen. In dem Grade, wie ich Herr über das Schweigen wurde, bin ich auch Herr über das Reden geworden. Denn schweigen bedeutet nicht reden — und reden bedeutet nicht schweigen. Ich konnte diese zwei Dinge nicht voneinander trennen. Ich habe entdeckt, daß, gleich der Münze, die zwei Seiten hat und doch eine Einheit ist, auch das Zwillingspaar Schweigen und Reden die zwei Seiten einer einzigen Einheit sind.» «Richtig», sagt Ptahhotep, dann steht er auf und führt mich zu einer der großen weißen Steinquadern, aus welchen die Wände des Raumes bestehen. Er zeigt auf die glatte weiße Fläche des Steins und fragt: «Was siehst du auf dieser weißen Fläche?» «Nichts», antworte ich. «Und was könnte ich darauf zeichnen?» «Alles.» «Nun», sagt Ptahhotep, «dieses Nichts enthält also in sich das All. In diesem Zustand bilden beide eine vollkommene Einheit. Aus der Einheit kann also etwas nur erkennbar werden, wenn dieses Etwas sich von der Einheit trennt, sich absondert und aus ihr heraushebt. Schau, ich zeichne jetzt auf diese Fläche mit grüner Farbe ein Kleeblatt. Dies Kleeblatt befand sich auch früher da, auf dieser Steinplatte, du hast es aber nicht erkennen können, da die positive Form des Blattes und die negative Natur des Hintergrundes noch ineinander ruhten. Sie waren vollkommen identisch. Die Form des Kleeblattes war vom All, das in diesem Nichts enthalten ist, noch nicht getrennt. Dadurch, daß das Kleeblatt in einer grünen Farbe erschien, trennte es sich vom All und wurde erkennbar. Bedenke jetzt etwas sehr Wichtiges: Wenn dies Blatt auf dieser weißen Fläche in grüner Farbe erscheint, so bedeutet dies, daß es seine Form in der ergänzenden Farbe, also in diesem Falle rot, im All als sein unsichtbares, negatives Bild zurückgelassen hat. Wisse: Was immer du siehst, es ist nur darum erkennbar, weil es sich von seiner Ergänzungshälfte getrennt hat und diese im Unsichtbaren, Ungeoffenbarten zurückgeblieben ist! Erkenntnis erlangst du nur durch Vergleichen der voneinander getrennten zwei Seiten — der positiven und der negativen. Solange diese zwei Seiten als Einheit verschmolzen ineinander ruhen, kannst du nichts wahrnehmen, nichts erkennen. Beobachte die sichtbare Welt! Sie ist nur darum erkennbar, weil sie sich von der Einheit, wo das Nichts und das All noch ineinander ruhen, also von der absoluten Einheit, die wir Gott nennen, getrennt hat. Nur dadurch, daß das Positive vom Negativen getrennt erscheint und wir die beiden miteinander vergleichen können, ist die Schöpfung erkennbar. Ohne daß sich die Einheit in zwei Hälften spaltet — in eine geoffenbarte und in deren Spiegelbild, die nicht-geoffenbarte —, wodurch beide durch Vergleich erkennbar werden, gibt es keine Erkenntnis! Jetzt folge mir.» Ptahhotep führt mich in einen anderen Raum, wo er auf einen großen Tisch vor der weißen Wand eine kleine Figur stellt. Dann stellt er hinter die Figur, rechts und links, je ein Lämpchen, so daß die Figur nach rechts und links einen Schatten wirft. Dann nimmt Ptahhotep eine durchsichtige rote Scheibe und hält sie vor das rechte Lämpchen. Zu meiner größten Überraschung erscheint jetzt an der Wand rechts ein roter Schatten, links aber ein grellgrüner! «Wie kommt das, Vater meiner Seele?» frage ich erstaunt. «Denk nach, und du wirst die Erklärung selber finden», sagt Ptahhotep. Ich bleibe eine Weile stumm und konzentriere mich, bis ich die Lösung erlebe. Dann erkläre ich: «Die Figur hält von dem rot gewordenen Licht die rote Farbe zurück und läßt nur die Ergänzungsfarbe an der Wand erscheinen. Daher der grüne Schatten auf der anderen Seite. Dagegen hält die Figur das ganze Licht der anderen Lampe zurück, und so scheint der andere Schatten auf dieser Seite der Wand rot geworden zu sein.» «Sehr richtig», sagt Ptahhotep, «du siehst, die zwei Farben können ohne einander nicht existieren, ebensowenig wie das Schweigen ohne das Reden. Was immer du in der Welt der Erkenntnis offenbar machst, das ergänzende Gegenteil bleibt im Ungeoffenbarten. Wenn du redest, bleibt im Ungeoffenbarten die negative Seite des Redens: das Schweigen. Und wenn du schweigst, bleibt die positive Seite des Schweigens im Ungeoffenbarten: das Reden. Wenn ein Berg entsteht, muß als sein negatives Bild ein Tal entstehen. Wie wäre ein Berg ohne Tal und ein Tal ohne Berg möglich? Es kann sich nie etwas offenbaren, erkennbar machen, ohne daß der Gegensatz — das ergänzende Gegenteil — gleichzeitig im Ungeoffenbarten gegenwärtig wäre! Wenn sich etwas Positives offenbart, bleibt das Negative im Ungeoffenbarten, und umgekehrt, wenn sich das Negative offenbart, bleibt das Positive ungeoffenbart. Wo der eine erscheint, muß sein ergänzender Teil auch dabei sein, wenn auch nur in einem ungeoffenbarten Zustand. Ihre Zusammengehörigkeit bindet sie ewig aneinander. Die Trennung ist also nur scheinbar, weil die zwei Ergänzungshälften, wenn sie auch getrennt und aus der All-Einheit gefallen sind, sich voneinander dennoch nicht entfernen und einander nie verlassen können. Die untrennbare, göttliche Einheit offenbart sich also immer und überall, denn auch in dieser scheinbaren Trennung wirkt sie weiter als die überall gegenwärtige Anziehungskraft zwischen Positivem und Negativem. Sie streben in ihren ursprünglichen Zustand zurück, in die göttliche Einheit. Wenn auch etwas in der sichtbaren Welt erscheint, von der göttlichen Einheit kann es sich nicht endgültig abspalten; irgend einmal, früher oder später, wird es, sich mit seiner Ergänzungshälfte wiedervereinigend, in die göttliche Einheit zurückfinden. Die Kraft aber, die, allem Existierenden innewohnend, alles in die Einheit zurückzwingt, nennen wir Gott. Die Schöpfung — die erkennbare Welt — ist gleich einem Baum: rechts trägt er positiv-gute und links negativ-böse Früchte. Aber beide Seiten stammen aus demselben Stamm, aus derselben Einheit. Nur durch diese Spaltung entstanden aus der Einheit — die weder gut noch böse, sondern göttlich ist — das Gute und das Böse. Nur durch die Spaltung wurde Erkenntnis möglich. Folglich muß die erkennbare Welt aus Gutem und Bösem bestehen, sonst wäre sie nicht erkennbar und überhaupt nicht möglich. Die ganze Schöpfung ist der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen! Der Schöpfer — Gott — ist aber keine aus der Einheit herausgefallene und von ihr getrennte, folglich erkennbare Hälfte der Einheit, sondern Gott ist die Einheit selbst. Er steht über allem Geschaffenen, aus der Einheit Herausgefallenen und ruht in sich in vollkommener Einheit. Er ist das Nichts, dem das All entsteigt und sich offenbart, aber in Ihm sind Nichts und All ungetrennte, göttliche Einheit! Schöpfung bedeutet immer nur die eine aus der Einheit herausgefallene, durch das Vergleichen erkennbar gewordene Hälfte der Ganzheit, deren Ergänzungshälfte im Ungeoffenbarten geblieben ist. Darum kannst du Gott — den Schöpfer — in der Welt der Schöpfung nie finden, nie erkennen, weil Gott keine ergänzende Hälfte hat, mit der man Ihn vergleichen könnte. Es gibt überhaupt keine Möglichkeit, Ihn mit etwas zu vergleichen, folglich gibt es auch keine Möglichkeit, Ihn zu erkennen — Gott kannst du nur sein! Höre, mein Kind: Es gibt nur ein ewiges Sein — nur einen Gott. In allem, was lebt, lebt dieses eine, einzige Sein — lebt dieser eine, einzige Gott. Gott ist die unteilbare Einheit, Er ist überall gegenwärtig, Er erfüllt das ganze Universum. Das ganze Weltall lebt, weil Gott es mit seinem eigenen, ewigen Sein belebt! Gott ist also wie ein Baum aus Leben — ein Lebensbaum —, der sein eigenes Wesen der geschaffenen, erkennbaren, von ihrer Ergänzungshälfte abgespaltenen Welt — also dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen — hingibt und ihn belebt. Der Erkenntnisbaum — die geschaffene Welt — lebt überhaupt nur dadurch, daß der Baum des Lebens — Gott — sein eigenes Leben in seine Adern einflößt, in ihm lebt! Die materielle Welt ist gleich einem Todesbaum: der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen und der ihm innewohnende Gott ist der Lebensbaum, der in allem, was geschaffen ist, lebt. Gott ist nur einer. Dieser eine, einzige Gott ist das Selbst, das innerste Wesen aller Lebewesen. Gott ist überall gegenwärtig, und da sich an demselben Orte zwei Dinge nicht gleichzeitig befinden können und nichts Gott an irgendeiner Stelle des Weltalls verdrängen kann, kann auch überall und in allen Erscheinungen nur ein und derselbe Gott als das Selbst gegenwärtig sein. Gott ist unteilbare Einheit. Alle Lebewesen, alle Pflanzen, Tiere, der Mensch selbst, sind Früchte am Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen, darum lebendig, weil der Lebensstrom des Lebensbaumes durch ihre Adern strömt, weil der Lebensbaum in ihnen lebt. Auch in mir, meine kleine Tochter! — Dein Körper ist auch eine Frucht am Todesbaum, am Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen und hat kein eigenes Leben. Auch in dir lebt der Lebensbaum, weil dein Selbst auch ein Zweiglein vom großen Lebensbaume Gottes ist, und du lebst nur darum, weil Gott als dein Selbst in dir lebt und deinen Körper, deine Person lebendig erhält. Dadurch, daß du in einen Körper hineingeboren bist, bist du ein erkennbares Wesen geworden. Du hast dein Bewußtsein vom Nichts-All — von Gott, von deinem wahren Selbst — getrennt. Du bist aus dem göttlichen, paradiesischen Urzustand, wo alle Offenbarungsmöglichkeiten, also alle Pflanzen, alle Tiere und der Mensch selbst, noch in einer All-Einheit sind, in die Vielheit, in die Differenzierung, hinausgefallen. Du bist eine Offenbarung, ein Geschaffenes geworden. Folglich ist alles, was du hier auf der irdischen Ebene bist, nur die erkennbare, aus Gutem und Bösem gemischte Offenbarungshälfte der Einheit. Und da dein Bewußtsein in deinen Körper versetzt ist, bist du in diesem Körper erwacht, das heißt, dein Bewußtsein wurde mit dem Körper identisch. Von etwas ,essen' bedeutet ,identisch werden'. Denn was du issest, daraus wirst du bestehen, das wirst du sein. Dadurch, daß sich dein Bewußtsein mit dem Körper identifizierte, hast du — symbolisch ausgedrückt — von den Früchten des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen gegessen und bist zugleich dem Reich des Todes verfallen. Höre aber: Dein Körper ist die Folge und das Resultat der Trennung, er ist nur die sichtbare Hälfte deines wahren Selbst. Die andere Hälfte ist im ungeoffenbarten, unbewußten Teil deines Wesens geblieben. Wenn du diese zwei Ergänzungshälften miteinander vereinigst, kannst du in die göttliche Einheit zurückfinden! Es ist ganz unmöglich, die Einheit körperlich zu erleben: deine unsichtbare und unbewußte Hälfte auch sichtbar, körperlich zu machen und beide miteinander zu vereinigen. Denn ein Bewußtsein kann nicht zwei Körper beleben; wenn du das Wesen deiner Ergänzungshälfte in deinem Körper erleben wolltest, würde das den Tod bedeuten. Wenn er eben dadurch sichtbar geworden ist, daß er sich von seiner Ergänzungshälfte getrennt hat, so müßte die Wiedervereinigung die Vernichtung des Körpers nach sich ziehen. Du kannst aber die göttliche Einheit mit deiner Ergänzungshälfte dennoch im Körper erleben: in einem Bewußtseinszustand! Du kannst dein Bewußtsein ausdehnen, erweitern, bis du dein Unbewußtes vollkommen bewußt machst, deine ungeoffenbarte und unsichtbare Hälfte bewußt erlebst und so die göttliche Einheit in deinem Bewußtsein verwirklichst. Du kannst dein Bewußtsein, während dein Körper in der sichtbar geschaffenen Welt weilt, wieder mit deinem wahren Selbst, aus welchem du herausgefallen bist, zur vollkommenen Einheit verschmelzen und schon im körperlichen Dasein die Seligkeit — Gott erleben — Gott sein. Dies Streben nach Wiedervereinigung liegt in allem, was geschaffen wurde. Jedes Lebewesen sucht seine andere Offenbarungshälfte, um sich mit ihr wieder zu vereinigen. Die positiven Erscheinungen — die männlichen — suchen die negativ-weiblichen und umgekehrt. Dies Streben der positiven und negativen Kraft bildet sogar die tiefste Struktur der Materie, besser gesagt: es gäbe überhaupt keine Materie ohne dieses Streben. Denn dies Streben nach der Einheit — nach dem Zustand: Gott zu sein — macht die Anziehungskraft zwischen den positiven und negativen Kräften aus, und die ganze Welt ist auf diesem Streben nach dem göttlichen Urzustand aufgebaut. Die Quelle aller Kräfte in der geoffenbarten Welt ist eben dieses Streben. Die Natur benützt es, und in den Körper projeziert, entsteht daraus die sexuelle Kraft. Solange aber ein Lebewesen seine andere Hälfte außerhalb sucht, in der geschaffenen, erkennbaren Welt, wird es die Einheit nie finden, weil seine ergänzende Hälfte eben nicht draußen, im Geoffenbarten, von ihm getrennt, sondern ungetrennt von ihm im eigenen Ungeoffenbarten, im Unbewußten, ist. Kein Lebewesen könnte da sein, wenn es eine andere Hälfte nicht im Ungeoffenbarten hätte. Schau, meine Tochter, dich selbst an: Der Gegensatz all dessen, was du in deinem bewußten Teil bist und offenbar machst, ist in deinem unbewußten Teil enthalten, der aber dennoch auch zu dir gehört, der auch du bist. Du findest deinen ergänzenden Teil nicht außerhalb — auch du nicht in einem Manne aus Fleisch und Blut —, sondern nur im unbewußten Teil deines eigenen Selbst. Wenn du diese zwei Hälften deines Selbst im Bewußtsein vereinigst, hast du wieder in das Nichts-All zurückgefunden, bist wieder mit Gott identisch geworden! Und da in dieser Vereinigung, die sich in deinem Bewußtsein abspielt, die ewige Sehnsucht deines geoffenbarten Wesens aufhört, da es seine Ergänzung gefunden hat und mit ihr zu einer Einheit verschmolzen ist, hört auch der sexuelle Wunsch deines Körpers ein für allemal auf. Du wirst in dir vollendet, du erlebst schon im körperlichen Dasein den göttlichen Zustand: die Unsterblichkeit, die Seligkeit — es ist vollbracht! Und da in jedem Lebewesen dasselbe eine, einzige Sein lebt, wirst du gleichzeitig mit dem wahren Selbst jedes Lebewesens identisch, wenn du in deinem wahren Selbst erwachst. Du wirst die Einheit mit Gott, aber gleichzeitig auch die Einheit mit dem ganzen Weltall erlangen. Du wirst dein Bewußtsein aus deinem Körper, aus deinem persönlichen Wesen hinausheben und das kosmische All-Bewußtsein erleben. Du wirst dich in jedem Lebewesen, im ganzen Weltall — in Gott — als "Ich" fühlen. Das bedeutet: Du issest wieder von den Früchten des Lebensbaumes! Dann bist du aus der Welt der Wirkungen in die Welt der Ursachen, aus dem Vergänglichen in das Unvergängliche, aus dem Geschaffenen in das Schöpferische gelangt und aus dem Reiche des Todes im Reich des Lebens, im ewigen Sein, auferstanden. Und das ist Einweihung!» Ptahhotep hört auf zu sprechen. Aber ich sehe diese göttliche Einheit verwirklicht in der unergründlichen Tiefe seiner himmlischen Augen. Unendliches Glück, Ruhe und Frieden strömt aus diesen Augen in meine Seele über. Ich sehe in seinem Blick die Erfüllung der Wahrheit. Dann segnet Er mich, und ich gehe.

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Den Bewußtseinsgrad der nächsthöheren Schwingungsoktave nennt die menschliche Sprache: Prophet. Er offenbart alle vorhergehenden Stufen, aber er ist auch noch auf der nächsten Ebene bewußt: auf der Ebene der göttlichen Weisheit und der universellen Liebe. Nie darf man aber diese universelle Liebe, die der sechsten Stufe entspricht und eine vollkommen geistige Kraft ist, mit der ,Liebe' des dritten, tierischen Grades, die die Offenbarung der tierischen Triebe ist, verwechseln. Jene ,Liebe' ist eine um drei Grade tiefer transformierte Schwingung, deren Quelle der Arterhaltungstrieb ist. Solche ,Liebe' ist Besitzgier und will immer nur den Körper. Sie zwingt einen Menschen, dem geliebten anderen Wesen nahe zu kommen, es zu umarmen, zu küssen, es an sich zu drücken, mit einem Worte: es zu besitzen. Wer dieser Liebe untenan ist, lebt in seinem Bewußtsein noch im Zustand der Spaltung und sucht seine körperliche Ergänzungshälfte, um Befriedigung zu finden. Diese Liebe will immer nehmen, etwas haben, besitzen. Die Liebe im sechsten Offenbarungsgrad, die Liebe der Propheten, stammt nicht aus der Spaltung, sondern aus dem Urzustand der göttlichen Einheit! Deshalb ist diese Liebe universell, immer gebend, nie. nehmend, braucht keine Ergänzung mehr, keine körperliche Offenbarung, sondern sie strahlt aus dem Bewußtsein der göttlichen All-Einheit. Die Menschen, die auf dieser Stufe bewußt sind, wollen niemanden besitzen, sie fühlen sich eins mit dem All: sie sind All-ein.

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Wenn das Bewußtsein sich mit dem Gesetz der Materie identifiziert und wenn das Denken, Worte und Taten nicht dem göttlichen Gesetz, sondern dem Gesetz der Materie dient, dann belebt der Mensch Satan: dadurch wird der Mensch selbst satanisch. Ohne den Menschen kann Satan nicht existieren, denn ohne das Selbst des Menschen ist Satan nur eine unbewußte Kraft, ein notwendiges Naturgesetz der Materie. Satan kann nur in dem Bewußtsein jenes Menschen lebendig werden, der das Gesetz der Materie, das Gesetz des Fleisches, im Geist offenbart, der sein Bewußtsein mit seiner Person, mit seiner niedrigen Natur, mit den seinem Fleische innewohnenden Trieben, mit dem Arterhaltungs- und Selbsterhaltungstrieb, identifiziert und die zusammenziehende, verhärtende Kraft der Materie als geistige Eigenschaften, wie Habgier, Neid, Eitelkeit, seelische Härte und Selbstsucht, offenbart. Satan an sich ist noch keinem Lebewesen begegnet, denn ohne den Menschen existiert auch Satan nicht. Ohne den Menschen ist Satan nur das Gesetz der Materie. Nur in einem Menschen kann man Satan lebendig begegnen, nur in einem menschlichen Antlitz kann man Satan als den Ausdruck dieses Antlitzes erkennen. Wenn das Selbst sich aus solch einem Menschen beim Tode des Körpers herauslöst, bleibt Satan wieder als das Gesetz der Materie im Leichnam zurück. Er wurde durch die belebende Kraft des Selbst im Bewußtsein lebendig, wurde Satan. Das Bewußtsein des Menschen aber, der sich mit dem Gesetz der Materie identifizierte und so selbst satanisch wurde, stirbt mit Satan und wird nach dem Tode unbewußt. Satan zieht ihn, seinen Sklaven, in die tote Materie, in die Finsternis, in die Bewußtlosigkeit, zu sich. Dagegen bleibt das Bewußtsein des Menschen, der sich mit dem Gesetz des göttlichen Geistes identifizierte und diesem diente, beim Abstreifen des Körpers wach, und — befreit von den Ketten, von der Isolation der Materie — schmilzt es in das ewige Licht, in Gott, ein.

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DIE ZWÖLF ZWILLINGSEIGENSCHAFTEN

Am anderen Abend stehe ich wieder vor Ptahhotep. «Die Zeit ist da», sagt Er, «daß du die zwölf Zwillingseigenschaften als nächste Übungen vornimmst. Bei der Einweihung wirst du darin geprüft werden. Höre also gut zu, und präge dir ein, was ich dir jetzt sage: So wie ,Schweigen' und ,Reden' die zwei sich ergänzenden Offenbarungsformen derselben Kraft sind, so gibt es zwölf Eigenschaftspaare, die du zu beherrschen lernen mußt. Von nun an wirst du nur vormittags im Tempel sein, dann gehst du in den Palast zurück und mußt jede Gelegenheit benützen, so viel als möglich unter Menschen zu sein, denn es ist viel leichter, dieser Eigenschaften im Tempel Herr zu sein als in der Welt. Hier begegnest du lauter dir ähnlichen, nach der göttlichen Einheit strebenden Neophyten sowie den schon in der göttlichen Einheit lebenden Priestern und Priesterinnen. In der Welt bist du aber den verschiedensten Versuchungen ausgesetzt. Du begegnest dort vielen, die körperbesessen sind und auch dich beeinflussen wollen. Die Gefahr zu fallen ist viel größer. Wenn du alle Eigenschaften im Weltgetriebe meistern kannst, dann wirst du die Einweihungsprüfungen auch bestehen. Die zwölf Zwillingseigenschaften sind:
Schweigen — Reden 
Empfänglichkeit — Unbeeinflußbarkeit 
Gehorchen — Herrschen 
Demut — Selbstvertrauen 
Blitzesschnelle — Besonnenheit 
Alles annehmen — Unterscheiden können 
Vorsicht — Mut 
Nichts besitzen — Über alles verfügen 
An nichts gebunden sein — Treue 
Sich zeigen — Unbemerktbleiben 
Todesverachtung — Lebensschätzung 
Gleichgültigkeit — Liebe

Die Erde durchläuft jetzt eine lange Periode, in der allmählich körperbesessene und selbstsüchtige Menschen die Regierung übernehmen werden. Du weißt aber schon, daß dort, wo sich negative Kräfte offenbaren, auch positive Kräfte zugegen sein müssen, jedoch im Ungeoffenbarten. Während dieser dunkeln Periode der Erde müssen die Söhne Gottes, die die göttlichen Gesetze der Selbstlosigkeit offenbaren, allmählich die irdische Ebene verlassen und sich auf die geistige Ebene, in das Ungeoffenbarte, zurückziehen. Sie werden aber im Unbewußten der Menschen weiterwirken, da sie eben das Unbewußte der Menschheit sein werden und sich in der Seele der reif werdenden Menschen als Sehnsucht nach Befreiung und Erlösung offenbaren. Auf Erden werden der Machtwahn der einzelnen und die sich steigernde Unzufriedenheit der versklavten Menschenmassen Jahrtausende hindurch in immer bitterer werdenden Kämpfen zusammenstoßen. Die Jahrtausende ständiger Kämpfe und die Herrschaft von Habgier, Eitelkeit, Neid, Rachsucht, Haß und anderen tierischen Eigenschaften würden alles Schöne, Gute und Wahre ausrotten, wenn nicht die göttliche Vorsehung dafür Sorge tragen würde, daß eine Einheit von geistig verbundenen Menschen — unter der Führung der von der geistigen Ebene wirkenden Söhne Gottes — die Fortdauer und Weiterpflanzung des Wissens vor dem Vergessenwerden retten würde. Die Erde — wie ein jeder Planet — steht unter der Führung einer hohen geistigen Kraft, und diese Kraft offenbart sich durch die Söhne Gottes in einer den Menschen angepaßten Weise. Diese Kraft wird durch eine Schar geistig eingeweihter Menschen geoffenbart, die auf dem Wege der Entwicklung den Söhnen Gottes gleichwertig geworden sind. Sie arbeiten alle zusammen an dem großen Werk: die Erde der Finsternis, der Herrschaft der materiellen und höllischen Kräfte — der Isolation — zu entreißen und zu erlösen. Jeder Eingeweihte nimmt an dieser Arbeit teil, und da du auch eingeweiht sein wirst — auch du. Um ein verwendbarer Mitarbeiter am großen Werk zu werden, muß man erst die ganze Skala der Eigenschaftspaare beherrschen. Also mußt auch du die Prüfungen in diesen Eigenschaften bestehen. Ihre Beherrschung bedeutet, daß du die Eigenschaften zur rechten Zeit und am richtigen Orte gebrauchst. Dieselbe Eigenschaft, die am richtigen Orte und zur richtigen Zeit göttlich ist, wird, am falschen Orte und zur unrichtigen Zeit gebraucht, satanisch. Denn Gott schafft nur Gutes, Schönes und Wahres. Es gibt keine schlechten Eigenschaften und keine schlechten Kräfte, es gibt nur schlecht angewendete Eigenschaften und schlecht angewendete Kräfte! Was das richtige Schweigen und Reden ist, hast du selber schon erfahren. ,Schweigen' ist eine göttliche Eigenschaft, sie bringt Segen, wenn man sie dort und dann gebraucht, wo und wann man schweigen muß. Wenn man aber dort und dann schweigt, wo und wann man reden sollte, wenn man zum Beispiel einen Menschen mit einem Wort vor einer großen Gefahr retten könnte und schweigt, so ist aus dem göttlichen ,Schweigen' ein satanisches ,Verschweigen' geworden. Wenn das ,Reden' am falschen Orte und zur unrichtigen Zeit erfolgt, so wird aus der göttlichen Fähigkeit des ,Redens' ein satanisches ,Schwatzen'. Die eine Hälfte der nächsten Zwillingsfähigkeiten, die ,Empfänglichkeit', ist göttlich, wenn man allem, was hochstehend ist — also dem Schönen, Guten und Wahren gegenüber —, empfänglich und offen ist, Gott auf sich einwirken läßt und Ihn in sich empfängt. Sie wird aber verhängnisvoll und satanisch, wenn daraus eine charakter- und willenlose ,Beeinflußbarkeit' wird. Ihre andere Hälfte, die ,Unbeeinflußbarkeit', bedeutet die Fähigkeit, allen niedrigen Einflüssen und Wirkungen unerschütterlichen Widerstand zu leisten. Leistet man aber auch den höheren Kräften Widerstand, wird aus der göttlichen ,Unbeeinflußbarkeit' satanische Isoliertheit'. Absolutes Gehorchen dem göttlichen Willen gegenüber ist die Pflicht eines jeden Mitarbeiters am großen Werke. Der Wille Gottes kann sich unmittelbar durch dich selbst und auch durch andere Menschen offenbaren. Gottes Willen erkennst du, wenn du alles, was von dir verlangt wird, gründlich prüfst, ob es auch mit deiner innersten Überzeugung übereinstimmt. Gott spricht zu uns durch unsere tiefste Überzeugung, da müssen wir unbedingten Gehorsam leisten. Gegen unsere eigene Überzeugung jemandem nur aus Feigheit, Angst, eventuell aus ,Artig-sein-Wollen' oder sogar materieller Vorteile wegen, also aus niedrigen, persönlichen Gründen, zu gehorchen bedeutet ,Servilität' und ist satanisch. ,Herrschen': unwissenden und schwachen Wesen soll von der eigenen Willenskraft abgegeben werden. Universelle Liebe soll, alle Kräfte des Volkes zusammenfassend, es zum allgemeinen Wohle führen, ohne das Selbstbestimmungsrecht der Menschen zu verletzen. Wer lieblos und aus selbstsüchtigen Gründen den eigenen Willen anderen aufzwingen will und ihr Selbstbestimmungsrecht verletzt, macht aus der göttlichen Eigenschaft des ,Herrschens' die satanische ,Tyrannei'. ,Demut' sollen wir dem Göttlichen, dem uns belebenden höheren Selbst, gegenüber erleben. Du mußt dir dessen bewußt sein, daß alle schönen, guten und wahren Eigenschaften IHM gehören, daß seine Person ein Offenbarungswerkzeug, ein Projektionsapparat des Göttlichen, aber an sich nur eine leere Hülle ist. Du sollst die in dem All sich offenbarende Gottheit — das ewige Sein — in dir erkennen und dich Ihm demütig ergeben. Nie aber sollst du dich irdischen oder unterirdischen Mächten unterwerfen und vor irdischen Formen auf die Knie fallen. In diesem Falle würde aus der göttlichen ,Demut' ein satanisches, feiges ,Sich-Demütigen', wodurch du die dich mit Ihrem eigenen ewigen Sein belebende Gottheit verletzen würdest.
Wenn du ein guter Diener am großen Werke der Erlösung der Erde sein willst, darfst du nie vergessen, daß du nicht aus eigener Kraft lebst und arbeitest. Jede Kraft stammt aus Gott, und alle Kräfte, die du offenbarst, strömen dir aus deinem höheren Selbst — aus Gott — zu. Sei dir dessen bewußt, daß deine Person an sich ein Scheinwesen ist. Dein wahres Wesen — die einzige, ewige Realität in dir — ist Gott! Selbstvertrauen bedeutet also Vertrauen in den deinem Herzen innewohnenden Gott, nicht aber in dein Scheinwesen, in deine Person. Das göttliche "Selbstvertrauen" ist zu jeder schöpferischen Tätigkeit unerläßlich und bedeutet eine innere Verbindung mit Gott. Wenn aber eine Person sich einbildet, daß ihre Qualitäten und Kräfte ihr gehören und nicht Gott, so wird aus dem göttlichen Selbtsvertrauen satanisches "Sich-Überheben" Als Mitarbeiter am großen Werk mußt du dich auch blitzschnell entscheiden können. Du mußt lernen, ohne Zögern, augenblicklich, aus verschiedenen Möglichkeiten die beste zu wählen. Es können Situationen eintreten, in denen nur ein Augenblick Verspätung die Versäumnis einer einmaligen, unwiderbringlichen Gelegenheit bedeutet. Wenn du vollkommen konzentriert, mit über jedem Zeitbegriff stehender Geistesgegenwart, augenblicklich handeln kannst, so offenbarst du Gottes Willen, und in diesem Falle ist die blitzschnelle Entscheidung göttlich. Wenn man aber ohne Geistesgegenwart und Überlegung blitzschnell handelt und so die Konzentration verliert, dann wird aus der göttlichen ,Blitzesschnelle' satanische ,Übereilung'. So mußt du also lernen, dir göttliche ,Besonnenheit' anzueignen. Du mußt, bevor du handelst, dein Temperament zügeln und mit viel Geduld die Entscheidung in dir reifen lassen. Oft mußt du dir, um den Willen Gottes zu erkennen, Zeit lassen, bis du die richtige Entscheidung gefunden hast. Das bedeutet, mit ,Besonnenheit' arbeiten. Wenn man aber die Besonnenheit unendlich ausdehnt und nie zur Entscheidung gelangt, so wird aus der göttlichen ,Besonnenheit' eine satanische, zweifelnde ,Unentschlossenheit'. Als ein nützlicher Mitarbeiter am großen Werke mußt du lernen, alles anzunehmen, was dir das Schicksal bringt. Nicht die äußeren Umstände geben dir deinen Wert, sondern nur der Grad, in dem du Gott offenbarst. Deine inneren Werte können weltliche Erniedrigungen oder Demütigungen nicht verkleinern oder vernichten. Aber Verherrlichungen oder Lobgesänge können sie auch nicht vergrößern. So darf dich die Art, wie dich die unwissenden Menschen behandeln, nicht berühren. Du bleibst, was du bist, ob man dich herabsetzt oder ob man dich verherrlicht. Lerne mit allen Verhältnissen zufrieden zu sein und sie vollkommen unbewegt hinzunehmen. Wenn deine Arbeit im großen Werke von dir verlangt, daß du in großer Armut lebst oder aber daß du auf einem hohen Posten stehst und über ein großes Vermögen verfügst, so mußt du das eine wie das andere als Mittel zum großen Zweck betrachten. Keines darf deine innere Einstellung ändern. So gebraucht, wird das ,Alles-Annehmen' göttlich. Du mußt aber immer erwägen — wenn dich auch in deinem Inneren nichts berührt —, wann du dich als Vertreter der höheren Führung gegen Demütigungen oder Beleidigungen verteidigen mußt — und wann du dich vor Verherrlichungen bescheiden zurückzuziehen hast. Das ,Alles-Annehmen' darf nie in apathische Teilnahmslosigkeit' oder feige ,Charakterlosigkeit' entarten. Wähle immer das Allerbeste, und gib dich nicht mit Minderwertigem zufrieden. Du mußt das ,Schöne' vom ,Häßlichen', das ,Gute' vom ,Schlechten' oder ,Bösen', das ,Wahre' vom ,Falschen' — das Göttliche vom Satanischen — unterscheiden können. Ohne vollkommenes Unterscheidungsvermögen ist man im großen Werke unbrauchbar. Wenn du aber von Nutzen sein willst, mußt du auch aus voller Kraft ,kämpfen' können. Mit dem Schwert der Wahrheit sollst du gegen den Schatten des Irrtums kämpfen, um dem Göttlichen auf Erden zum Sieg zu verhelfen. Nie darf aber aus der edlen und mutigen Kampfbereitschaft' sinnlose ,Zanksucht' werden. Du darfst nicht vergessen, wenn du auch oft mutig kämpfen mußt, daß du mit geistigen Waffen kämpfen sollst, um der Erde ,Frieden' zu bringen. Du sollst kämpfen, um das Zerrissene in eine Einheit zu verwandeln und um zwischen Kämpfende Frieden zu bringen. Nie soll aber aus deiner Friedensliebe ein feiges oder bequemes ,Nicht-kämpfen-Wollen' werden. Wenn du ein verwendbarer Mitarbeiter am großen Werke der Erlösung der Erde sein willst, mußt du auch ,Vorsicht' lernen, aber gleichzeitig entscheiden können, zu welcher Zeit und an welchem Orte du diese göttliche Eigenschaft gebrauchen sollst. Durch ,Vorsicht' kannst du dich und viele andere vor großen Gefahren, vor Schaden und sinnlosen Opfern retten. Aber aus Angst und Mangel an Selbstvertrauen sich nicht getrauen, etwas zu tun, macht aus der göttlichen Eigenschaft der ,Vorsicht' satanische ,Feigheit'. Du mußt unerschütterlichen ,Mut' besitzen. Du darfst dich vor keiner Gefahr fürchten. Du mußt allen Schwierigkeiten mutig entgegengehen und jeden Angriff gegen das Göttliche mit Mut bekämpfen, wenn es das große Ziel erfordert. Nie darf aber der göttliche ,Mut' in gottversuchende ,Waghalsigkeit' entarten. Als Mitarbeiter am großen Werke mußt du dich auch zum ,NichtsBesitzen' bekennen. Ob deine Aufgabe von dir vollkommene Armut verlangt oder dich in den größten Reichtum versetzt: sei dir dessen bewußt, daß dir nie und nirgends etwas gehört, sondern alles Gottes Eigentum ist, aus dem du deiner Aufgabe entsprechend etwas nur zum Gebrauch bekommst. Wie es einem Wasserkanal gleichgültig ist, ob mehr oder weniger Wasser durch ihn fließt, da das Wasser nicht ihm gehört, so sollst auch du alles, was dir das Schicksal gibt, als etwas betrachten, das von Gott kommt und das du weitergeben mußt. Wovon du leben wirst, darüber brauchst du dir keine Sorge zu machen. Du bekommst genau so viel, wie du brauchst. Und wenn du noch so reich wärest, du müßtest deine Einstellung des ,Nicht-Besitzens' als Bewußtseinshaltung immer wahren. Nie darf aber diese göttlich-positive Einstellung in ein ,Sich-um-nichts-Kümmern' und auch nicht in ,Verachtung-der-Materie' entarten. Du darfst von deinen Mitmenschen nie erwarten, daß sie dich ohne Arbeit erhalten! Auch die Materie ist eine Offenbarung Gottes, du mußt also die Materie als etwas Göttliches wertschätzen, du mußt auch über sie herrschen und verfügen. Du mußt die Kunst besitzen, immer so viel Materielles herbeizuschaffen, als du zu deiner irdischen Aufgabe benötigst. . . Sei dir dessen voll bewußt: Solange du auf der irdischen Ebene weilst, mußt du mit, nicht aber ohne die Materie und auch nicht gegen die Materie handeln. Es ist nötig, daß du die Materie zusammenfassen und halten kannst, sie richtig gebrauchst und meisterst, sonst bist du den irdischen Mächten vollkommen ausgeliefert und kannst, ihnen unterworfen, deine irdische Aufgabe nicht unabhängig und frei ausführen. Gib aber acht, daß die göttliche Eigenschaft, über die Materie herrschen zu können, nie zur satanischen, selbstsüchtigen ,Besitzgier' ausarte. Als Mitarbeiter am großen Werk darfst du an keinen Menschen gebunden sein. Erkenne in allen Menschen, was in ihnen göttlich, was irdisch und was höllisch ist. Liebe nicht die Person, sondern liebe in ihr das Göttliche, dulde das Irdische und weiche dem Höllischen aus. Wenn deine Aufgabe es verlangt, mußt du ohne Zögern den geliebtesten Menschen verlassen können, weil du immer vor Augen haben mußt, daß, was in ihm der Liebe würdig, Gott ist und nicht die Person. Die Person ist nur ein Offenbarungswerkzeug Gottes. Du kannst dieselben Offenbarungen auch in anderen Personen finden und lieben. Liebe Gott in jedem Menschen, dann wirst du an keine Person gebunden sein. Nie darf aber dieses ,Nichtgebunden-Sein' sich in allgemeine ,Lieblosigkeit' gegenüber deinen Mitmenschen verkehren. Menschen aber, in denen du Offenbarungen Gottes erkannt hast, sollst du im Leben und im Tod treu bleiben. Du liebst deine Meister und deine Mitarbeiter im großen Werk, weil du in ihnen Gott erkannt hast. Du bist Gott in ihnen treu, weil du ihre Person nur als Werkzeug Gottes liebst. So wird diese Verehrung und Treue gegen deine Meister und Mitarbeiter nie zur persönlichen Anbetung, zum "Personenkult".


Wenn du ein nützliches Werkzeug im großen Werk sein willst, so mußt du die Kunst besitzen, deine eigene Person, wie ein gehorsames Instrument, auch von der Öffentlichkeit zu gebrauchen. Du mußt deine Begabungen und Fähigkeiten vor Menschenmengen durch deine geistigen Kräfte beleben, zum Höhepunkt und zum Strahlen steigern, so, daß du deinen Geist durch deine Person, durch die Haltung deines Körpers, durch die Bewegungen deiner Hände, durch die Ausstrahlung deiner Augen, deines Blickes und durch deine Redekunst im höchsten Grade offenbarst und die Menschen unter deinen Einfluß bringst, sie auf eine höhere geistige Stufe mitreißest. Du mußt also deinen Geist durch deine Persönlichkeit vor der Öffentlichkeit ohne Scham, ohne Hemmungen zeigen können. Nie darf aber die Kunst des ,Sichzeigens' den Teufel der Eitelkeit in dir wecken und in eine Selbstgefälligkeit, in ein mit deinen Gottesbegabungen Auffallen- und Prahlenwollen entarten. Wenn Menschenmengen dich begeistert feiern und bejubeln, so mußt du ununterbrochen im Bewußtsein tragen, daß die Menschen nicht von deiner Person, — die nur eine leere Hülle ist, — sondern von Gott begeistert sind, DER sich durch deine irdische Hülle geoffenbart hat. Wenn du dich im Gebrauch der Kunst des "Sichzeigens" nicht dem Teufel der Eitelkeit auslieferst, dann wird dich nicht im geringsten stören, wenn du — in der Erfüllung anderer Aufgaben — unter den Menschen wiederum vollkommen unbemerkt und unbedeutend bleiben mußt. Du darfst in diesem Falle deine Fähigkeiten nicht zeigen, sondern unter den Menschen, wie einer von vielen, ohne auffallen und herausragen zu wollen, unbemerkt verschwinden. Nie darf aber dieses bescheidene ,Unbemerktbleiben' in eine persönliche Selbstunterschätzung und Selbstvernichtung entarten. Deine Menschenwürde mußt du immer in deinem Herzen tragen. Wenn du ein brauchbarer Mitarbeiter am großen Werke sein willst, mußt du die Prüfung der vollkommenen Todesverachtung bestehen. Du mußt die unerschütterliche Überzeugung haben, daß es überhaupt keinen Tod gibt. Wenn dein Körper verbraucht ist, so streift dein Selbst ihn ab. Das Selbst ist aber ein Zweig des Lebensbaums, das Leben selbst, und das Leben ist unvergänglich. Wenn du in deinem Bewußtsein mit dem Leben identisch geworden bist, wirst du auch vor dem Tode — wenn deine Aufgabe dich in Lebensgefahr bringt — nicht zurückschrecken, sondern mit unerschütterlicher Todesverachtung der größten Gefahr entgegenschauen. Laß aber die Todesverachtung' nie in eine Geringschätzung des Lebens, also in ,Lebensverachtung', ausarten. Du mußt das Leben über alles schätzen. Das Leben ist Gott selbst. In allem, was lebt, offenbart sich das ewige Sein. Du darfst dich nie sinnlos der Gefahr aussetzen. Schätze das Leben auch in deinem Körper, lebe mit Freude. Nie soll aber die Freude am Leben Selbstzweck werden und in ,Sinnlichkeit' ausarten. Und zuallerletzt mußt du die allerschwerste Prüfung bestehen: die der ,Liebe' und der ,grausamen Liebe': der "Gleichgültigkeit". Dieses letzte Eigenschaftspaar bildet schon auf der irdischen Ebene eine untrennbare Einheit. Wann immer du die eine Hälfte offenbar machst, so offenbart sich unwillkürlich auch die andere. Du mußt deine persönliche Einstellung, deine persönlichen Neigungen und Gefühle vollkommen aufgeben: so lieben können, wie Gott selbst liebt, alles lieben, ohne Unterschied lieben! Mit allem in der Einheit des ewigen Seins verbunden lieben. So wie die Sonne mit vollkommener Gleichgültigkeit auf das Schöne und das Häßliche, auf das Gute und das Böse, auf das Wahre und das Falsche scheint — sie liebt —, so mußt du das Schöne und das Häßliche, das Gute und das Böse, das Wahre und das Falsche ohne Unterschied, mit vollkommener Gleichgültigkeit lieben. Die allerhöchste, göttliche Liebe ist die vollkommen gleichgültige Liebe! Es muß dir vollkommen gleichgültig sein, ob etwas oder jemand schön oder häßlich, gut oder böse, wahr oder falsch ist, du mußt alle mit der gleichen Liebe lieben. Du mußt lernen, daß das Schöne ohne das Häßliche auch nicht da wäre. Du mußt lernen, daß das Gute ohne das Böse auch nicht da wäre. Du mußt lernen, daß das Wahre ohne das Falsche auch nicht da wäre. Und so mußt du alle gleich lieben. Du mußt erkennen, daß das Schöne und das Häßliche, das Gute und das Böse, das Wahre und das Falsche nur einander ergänzende Spiegelbilder des Unaussprechlichen sind, das wir — nur um ein Wort zu haben — ,Gott' nennen. Wenn für jedes Lebewesen vollkommen gleiche, gleichgültige Liebe aus dir strahlt, wird sich dieser Liebe in keinem Falle mehr persönliche Neigung beimischen. Du wirst alles vom Standpunkt des großen Ganzen betrachten, und wenn der Standpunkt des Allgemeinen gegen den Standpunkt der einzelnen Personen verstößt, wirst du ohne Zögern den Standpunkt des Ganzen vertreten und die Interessen der einzelnen rücksichtslos übergehen. Diese Rücksichtslosigkeit muß aber immer in der universellen, göttlichen Liebe wurzeln und darf nie aus einer persönlichen ,Abneigung' stammen. Du mußt aber deine unpersönlich gewordene, gleichgültig-grausame Liebe deinen Mitmenschen gegenüber auch in solchen Fällen offenbaren, in denen ihre Seele eventuell nur um den Preis ihres irdischen Wohles zu retten ist, auch dann, wenn sie dir persönlich am nächsten stehen. Du mußt eventuell auch gleichgültig zuschauen können, wie deine Geliebtesten in die größten Gefahren hineingeraten und darfst sie, wenn sie auf gewöhnliche Mittel nicht reagieren, weder mit geistiger Gewalt, mit Hypnose, noch mit magischen Mitteln zurückhalten, wenn ihr Seelenheil es so verlangt. Lieber soll ein Mensch materiell oder körperlich zugrunde gehen, sogar sterben, als daß seine Seele verlorengeht. Du mußt unbedingt die Rettung seiner Seele unterstützen. Ebenso wie Gott sich in keine Angelegenheiten der Menschen mischt, sondern ihnen ihren freien Willen läßt, so mußt auch du deinen Mitmenschen ihren freien Willen lassen und sie niemals mit Gewalt zu etwas zwingen. Deine Hilfsbereitschaft soll alles vom Standpunkt des seelischen Heils und nicht vom irdischen und körperlichen Wohl aus betrachten. Nie darf aber diese göttlich-grausame Liebe in »Lieblosigkeit' entarten, und nie darfst du einem Menschen aus persönlicher Abneigung nicht helfen wollen, wenn du ihn mit irdischen Mitteln retten kannst. Das sind die allerschwersten Prüfungen, weil du deine persönlichen Gefühle aufgeben und ausschalten mußt. Nur wenn du die vorhergehenden elf Eigenschaftspaare vollkommen beherrschest, kannst du die Stimme Gottes so klar vernehmen, daß du mit Sicherheit fühlst, was du auch in den schwersten Fällen aus wahrer Liebe tun — und was du nicht tun sollst! Dann aber wirst du nicht mehr fehlen können, denn du wirst die Liebe selbst sein! Und die Liebe kann alles nur aus Liebe tun. Du brauchst nichts anderes zu tun, als dein Selbst auszustrahlen, zu sein, und das ganze All wird aus deiner Wärme, aus deinem Licht und aus deiner Kraft schöpfen können. Dann bist du selbst göttlich geworden, dein Bewußtsein wurde mit Gott selbst identisch! Du bist aus der Welt des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen, also aus dem Reich des Todesbaumes, wo alles in Trennung und Spaltung erscheint, ins Reich des Lebensbaumes, ins Reich der göttlichen Einheit, zurückgekehrt. Du issest wieder von den Früchten des Lebensbaumes, und von diesen Früchten gibst du auch den nach dir Kommenden zu essen, damit alle in die Einheit des unsterblichen, ewigen Lebens, in das ewige Sein — in Gott — heimkehren.» O Du Gottesvertreter! Nie werde ich deine Worte vergessen. Sie haben sich so tief in meine Seele eingeprägt, daß ich mit dem Sinn dieser Worte identisch geworden bin. Sie sind mir ins Blut, ins Knochenmark übergegangen, und nach dieser Belehrung bin ich nicht mehr dieselbe, die ich vorher war. Meine Aufgabe aber ist: all dies zu verwirklichen.

Elisabeth Haich - Einweihung, PDF 425 S.

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Kurze Auszüge aus dem Buch, das ich am Ende des Textes verlinkt habe:

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In diesem Zusammenhang beginnt sich eine der geheimnisvollsten Zahlen der Mystik zu enträtseln - die Zahl des »Tieres« der Apokalypse, nach der »vier Reiter« aus den »Ecken« der Welt heranstürmen sollen, um die geschaffene Welt zu zerstören. Die Zahl des »Tieres« ist 666, dreimal die Sechs, die verkehrte Neun, die in ihrer Quersumme jeweils 18, wieder die Neun (l + 8), ergibt. Die Zahl 18 wurde von Theologen, wie Agrippa von Nettesheim (1486-1535) schreibt, als Unglückszahl angesehen. Sie symbolisiert die Kraft der »Schlange«, die sich »verkehrt« hatte (und deshalb »teuflisch« wurde), die Kraft des »Lichtbringers« Luzifer, des »Antichristen« (wobei hier der Gegenpol des ChristusGEISTES gemeint ist), und die zum »Auge« wird, das herabsteigt, um die »Empörer mit Unheil« zu schlagen. Wie die aktivierte Kraft der Bluestones kann Energie sowohl heilen als auch Unheil bringen, zerstören (auch die moderne Medizin bedient sich der, wenn nicht kontrollierten, zerstörerischen radioaktiven Kraft zum Bestrahlen, zum Heilen). Der Mittelpunkt des »Weltenbaumes«, Rheas Wohnsitz im Erdmittelpunkt, dessen »Klang« (Energie) der »Stein«, der omphalos, symbolisierte, wird von den Kelten als sechszackiger »Kristall« beschrieben, von dem die sieben Kräfte gleichförmig ausstrahlen. Es, so heißt es, gleicht einer »gutgerundeten Sphäre, die sich von ihrem Mittelpunkt aus gleichförmig in alle Richtungen ausbreitet«. ES ist der »neunte« Teich in der chinesischen Überlieferung, die LUNARE (Luna=Mond) ACHSE des Erscheingungshimmels, der im Dreischritt die zweimal vier polaren, »acht Teiche« gebiert. Irdischerweise ist es die Polarachse, die Verlängerung der Erdachse von ihrem Mittelpunkt aus zu den Himmelspolen, dem erzeugenden (schwingenden) »Lichtkörper« der Erde, wo die »Schlange« wohnt (Rhea oder Hekate oder später Nephtys bzw. Osiris), dessen Bleibe »Osiris Hof« ist, der die Erde umschwebt (der mehrschichtige Strahlungsgürtel, die »Sphären«, die die Erde umgeben).

6 + 6 + 6=18 = 9. 6x6x6 = 216 = 9. 360 (die Zahl des »Erdkreises«) minus 216 ergibt 144, die harmonikalische Frequenz des Lichts, bzw. die jedes Poles. Zieht man von der harmonikalischen Frequenz beider Pole 288 bzw. 216 ab, erhält man 72, die halbe Sinuskurve der harmonikalischen Frequenz des Lichts. Alle Zahlen ergeben in ihrer Quersumme jeweils die göttliche Neun. Dreht man die Zahl des Tieres um, und rechnet 999, erhält man 3x9 = 27, multipliziert man 9x9x9 = 729. Teilt man 729 durch 2 ergibt das 364,5, die Anzahl der Tage im lunaren Kalender (364 +1).

Die verkehrte KRAFT der »Schlange« (6) des dreifältigen, göttlichen Geistes (3x3 = 9), wird in der Genesis bei Jobs Katastrophenschilderung des »Unterganges der Erde« (Ovid) - einer unvorstellbaren Natur- und kosmischen Katastrophe, die bereits (mindestens) einmal stattfand - als die »sich windende« Schlange geschildert. (»Er schuf die sich windende Schlange«). Aber das Attribut »sich windend« kann auch als »verkehrt« übersetzt werden. Alles weist darauf hin, daß die bildhafte Sprache des Mythos die Umpolung des magnetischen Kraftfeldes der Erde schildert, die zum »Untergang der Erde führte«, weil die Schlange zum Auge wurde, dem Symbol Osiris', des Todesgottes (früher der Hathor Nephtys, Ta Urt etc.).

Das »Auge« fand auch Eingang in die christliche Mystik. Es ist in einem Dreieck eingeschlossen und von Strahlen umgeben. In vielen Logen des 1. Grades der Freimaurer thront das »All-sehende Auge« über dem Platz des Meisters vom Stuhl, »im Osten«. Östlich des verlorenen Paradieses, stellt Gott nach dem Untergang der Erde ein »flammendes Schwert« auf, berichtet Job, und Cherubim verwehren von nun an den Zugang zum »Baum der Erkenntnis« von dessen Früchten der Mensch genascht hatte, wodurch er sich gottgleich gefühlt hatte, und zum »Empörer« (Luzifer) geworden war.

»Er (Gott) breitete die Leere über den Norden aus!« Eine derartige Leere (keinen Polarstern) gibt es nur in der südlichen Hemisphäre! Die KRAFT der Schlange, die sich nach der Überlieferung - ausgelöst durch die Manipulation des Menschen - verkehrt hatte - als dessen Zahl die 666, das »Tier«, auch bezeichnet wird — wurde zum Inbegriff alles Bösen wie auch Tyr, bei den Kelten das Symbol der Spitze der Welt-Achse bzw. T(h)ubal, aus dessen Name sich das Wort Teufel ableitet. Tubal-Kaijn war »lange vor der Flut« ein Handwerksmann in Gold, Silber und Eisen, berichtet die Bibel, er war ein Schmied, ein Magoi. Seit der Bibel ist die Schlange das Schreckgespenst aller Paradiese. Für Orphiker und Ur-Gnostiker besaß SIE jedoch die umgekehrte Bedeutung. »Als erste hatte SIE versucht, die Menschheit aus der Knechtschaft eines unwissenden Gottes zu befreien, der sich mit dem Absoluten gleichgesetzt hatte (zum >Empörer< wurde) und den Weg zum Baum des ewigen Lebens versperrte.« (Joseph Campbell).

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Das Geheimnis verbirgt sich im Mysterium der Schlange, die sich bei den Kelten um den Weltenbaum ringelt und ständig an ihm nagt. Irdischerseits entspricht sie der bereits erwähnten kosmischen Energie, die sich, wenn aktiviert, an den beiden Nervenkanälen entlang der Wirbelsäule aufrichtet, bis sie im sechsten Chakra, dem »dritten Auge«, »explodiert«, und zur Erleuchtung (siebentes Chakra) fuhrt. Dieses uralte Wissen der Schamanen um die Kraft der Schlange findet sich auch bei Felszeichnungen der Buschmänner in Afrika. Auf die graphische Darstellung dieses uralten Symbols der Erleuchteten, die zugleich stets Heiler waren und sind, stößt man auch beim Symbol der westlichen Medizin, dem Merkur- oder Äskulap-Stab. Der Name der Nazarener, denen von manchen Forschern Jesus v. Nazareth zugeordnet wird, Bedeutet »Bewahrer«, der der Essener, einem Zweig der Nazarener, »Heiler«. Durch die Essener wurde, wie wir sehen werden, uraltes Weisheits- und Zahlengut überliefert. Die Symbolik des Hermes oder Merkur oder Thoth ist die der älteren Hekate, wie eine Abbildung der drei-köpfigen Mutter/Göttin mit den sechs Händen zeigt. Denn die sieben Kräfte strahlen in sechs (2 x 3) Richtungen gleichmäßig aus.

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In der christlichen Allegorie wird Christus als »König des Tages« bezeichnet. Aber erinnern wir uns: In der lunaren Symbolik stand der volle Mond für die Nacht, die göttliche Unterwelt, aus der alles strömt und in die alles zurückkehrt, für den Lichtgeist, den »Himmel«; den Tag symbolisierte der Dunkelmond, der »Schattengeist«, die geschaffene, sterbliche Materie. Später wird der Lichtgeist (Sonne) zum Tag und zum unsichtbaren Himmel und der Schattengeist (Mond) zur Nacht. »Das Wesen der Dunkelheit ist absolutes Licht«, überliefern die ROSENKREUZER, deren Versammlungszahl mit Dreizehn angegeben wird. Dieses absolute Licht symbolisiert die »Königin der Nacht« in Wolfgang Amadeus Oper »Die Zauberflöte«.

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Wir wissen heute wieder, daß unser Sonnensystem um ein Zentrum in unserem Milchstraßensystem kreist und daß sich das gesamte Universum um einen geheimnisvollen Mittelpunkt bewegt, das »Feuer der Mitte«, das nicht heißes Feuer, sondern »kalte Flamme« ist, das galaktische Herz, Hunab Ku, der Maya, die »Zentralsonne« der Mystik, das »Gold«, das sich der Alchemist, der die Materie befreite (!), selbst schuf- im symbolischen Sinne ist dies sein »Auferstehungsleib«.

Die materia prima des Alchimisten symbolisiert die »Mutter«, die Natur in ihrem Ur-Zustand; die »Rückkehr zur Mutter« bringt eine geistige Erfahrung zum Ausdruck, die der Wiederherstellung eines Urzustandes vergleichbar ist. Die »Auflösung« in die materia prima wird durch die »Heilige Hochzeit«, die Vereinigung - Vermischung »männlicher« und »weiblicher« Erze symbolisiert, die mit dem Verschwinden, der Auflösung im Uterus endet. »Beya stieg auf Gabricus und schloß ihn derart in ihre Matrix ein, daß nichts mehr von ihm zu sehen war. Sie umarmte ihn mit solcher Liebe, daß sie ihn vollkommen in die eigene Natur aufnahm.« Beya ist die Schwester des Gabricus; was vordergründig wie Inzest aussieht, ist die »Heilige Hochzeit« zwischen »weiblich« und »männlich« (anima und animus), zwischen dem Pharao und seiner göttlichen Schwester, der auf, in ihrem Thron, in ihrem »Gefäß« Platz nimmt, d. h. in das Gefäß zurückkehrt, aus dem er wiedergeboren werden kann. Die Sprache der Alchimie ist die alte Bildsprache der Mythen - die Metapher. Nach Paracelsus muß die ganze Welt »in die Mutter eingehen«, (in die »Null«), die die materia prima, die massa confusa, der abyssus ist, um die Ewigkeit gewinnen zu können. Der abyssus (über dem die sumerische Ninti den Menschen erschafft) ist ein »bodenloser Abgrund«, die unbekannte Tiefe zwischen den verschiedenen »Welten« der Kabbala (Ashia, Beriah, Jesirah usw.), der Zustand der formlosen Materie auf den unteren Ebenen VOR der Involution des Geistes (der »Beseelung«). Nach John Pordage ist Brain Marie »der Ort, die matrix« (Gebärmutter, der Mutterboden) UND das Zentrum, woraus die »göttliche Tinktur als aus ihrem Ursprung fließt«. Die Inkarnation Gottes im Adepten des Mysteriums kann in dem Augenblick beginnen, in dem die alchimistisehen Ingredienzien im Brain Marie schmelzen und den (geistigen) Urzustand der Materie wiedererlangen, denn jeder Tod ist die Wiederherstellung der »kosmischen Nacht«, des vorkosmologischen Chaos. Jede Schöpfung, jedes Sichtbarwerden von Formen (Materie) oder jeder Zugang zu einer transzendenten Ebene wird durch ein kosmologisches Symbol (eine Zahl) ausgedrückt. Der Initiationstod stellt den ursprünglichen Zustand, den »Keimzustand der Materie« wieder her, und die »Auferstehung« entspricht der Erschaffung der Welt (Mirca Elliade).

In der Darstellung der Parallele Lapis (Stein)-Christus schrieb C. G. Jung über die Alchimisten: »Sie bekennen sich zu dem Glauben, daß, um das >Große Werk< der Wiedergeburt der Materie zu vollbringen, sie die Wiedergeburt ihrer Seele betreiben müssen.« ... »So wie in ihrem versiegelten Gefäß die Materie stirbt und vollkommen wiederersteht, wünschen sie auch, daß ihre Seele, dem mystischen Tode verfallend, wiedergeboren werde, um in Gott ein Leben der Ekstase zu führen.« Die Nachfolge Christi ist für sie auch »ein Mittel, den Verlauf der materiellen Prozesse zu regeln, aus denen das Mysterium hervorgehen wird«. Der Auflösung der Formen, ob materieller oder geistiger Art, Gedanken und Gefühlen, die Aufgabe der Initiation im siebenfachen Schritt (weil sich das aus dem dreifachen Geist fließende in siebenfacher Form inkarniert), stellt eine »Rückkehr in die Finsternis«, in das »All«, zum samenhaften Zustand des Daseins, in die Eins, die von der Null aus sich selbst geboren wird, dar; sie ist die materia prima, und damit eine Rückkehr in den abyssus, in die »Gebärmutter«, die Matrix, das Zentrum (Brain Marie) woraus die »göttliche Tinktur« (der göttliche Geist) aus ihrem Ursprung fließt, und in dem alle Schöpfungsformen (alle Zahlen) enthalten sind und neu geboren werden können. (Die moderne Physik spricht hier vom »Feld«). Jeder Geburt, sei es eine körperliche oder geistige Schöpfung, liegt IMMER das gleiche Musterbeispiel zugrunde - die Kosmogonie -, die jeder Schöpfung zugrunde liegenden kosmologischen Symbole und Zahlwerte, weshalb sich das »kosmische Spiel« in Zahlen ausdrücken läßt. Anders gesagt: Um etwas neu herzustellen, muß man - wie im »Irrgarten«, dem Labyrinth - zum Ausgangs-Punkt zurückkehren, rein und »leer« wie ein Kind werden, neu Wiederbeginnen - das setzt, weil wir im Zuge des Lebens unsere kindliche Unschuld verloren, Initiation voraus. Dann wird die »Auferstehung«, sofern sie glückt, zur (Neu-)Erschaffung der (inneren bzw. der äußeren) Welt - zur Wieder-Geburt, die ihr geistiges Abbild der äußeren Welt der Materie aufprägen kann.

C. G. JUNG (1875-1961), dem Schweizer Psychologen, der nicht zu »glauben« brauchte weil er »wußte«, ist es zu verdanken, daß die Alchimie von ihrem okkulten Beigeschmack gereinigt wurde. Er erkannte, daß sie ihrem Wesen nach gnostisch und somit hermetisch war. Künstliches Gold wurde nie gefunden, der Anspruch war ein exoterisches (unverfängliches) Alibi für die esoterische Suche nach dem »Stein der Weisen« (dem Gral), den der Alchimist (wie wir alle) IN sich selbst trug, was alle »Eingeweihten« wußten und wissen. Shambala, das geistige Reich Gottes, zu dem die »Pfade des Nordens führen« »ist nur in meinem Geist«, lehren die tibetischen Lama. Noch ein Wort zum »unedlen« Blei, das zum »edlen« Gold werden muß. Weshalb gerade Blei, das als Metall des Saturn (der Zahl Acht) gilt? Blei ABSORBIERT die Strahlung des Radiums, des 92. Elementes! Erinnern wir uns an die ihrem Wesen nach dreifältige Energie des strahlenden Radium, das einen NEUEN KÖRPER (eine Emanation) erschafft, wenn in der Kern-Spaltung das Radium von der Pechblende, dem Oxyd des Uraniums, getrennt wird! Das Uranium verdankt seinen Namen dem Planeten Uranus, der am 13. 3. 1781 von Wilhelm Herschel gesichtet wurde. Uranus gilt als Mysterienplanet, und ist »wie es jeder esoterische Forscher weiß, ein höheres Christussymbol« (Lectorium Rosicrucianum, wörtlich »Rosenkreuzeri-sche Vorleserei«, steht bei dieser Neugnostischen Bewegung in Holland für das »Neue Zeitalter«).

Planeten werden für den Menschen »sichtbar«, überliefert die Mystik, wenn die Menschen sie und ihre einwirkende Kraft ERKENNEN sollen. Weil alles sich im Kosmos höherentwickelt, steht Uranus sozusagen für eine »neue« Neun, eine neue Eins. Daß Saturn (das Blei), die Acht, die »Kraft« des siebenten Planeten in unserem Sonnensystem, Uranus, absorbiert, d. h. in sich einsaugt, entspricht dem Kräfteverhältnis der formenschaffenden Sieben im Zentrum des Weltenbaumes (der »Achse«), hinter der sich unsichtbar die Acht verbirgt, die aus der Neun geboren wird, dem »Kind« der Zehn, die »Keins« ist, aus der Null. Anders ausgedrückt bedeutet das, daß die »Sonne«, das Ego, das »Bewußte«, (Eins), die »männliche« ratio der Drei, die mit der Eins in wechselseitiger Beziehung steht, DURCH die uranische Kraft, die »ENTWERFENDE Kraft des Unbewußten«, überwunden werden soll, die von dem »Transformer« Saturn (Acht), der jenen Prozeß symbolisiert, der zur ERKENNTNIS des »Ich bin« - des Ego - der »Eins« - führt, »aufgesaugt«, in sich - in das Ego - einverleibt werden muß. Auf die Gefahr der Kraft der Drei und der Eins wies Goethe hin, der Mephisto sagen läßt: »Es war die Art zu allen Zeiten durch Drei und Eins und Eins und Drei Irrtum statt Wahrheit zu verbreiten.« In der modernen Astrologie REGENERIERT Uranus das Sichtbare, das Bewußte, indem er ihm Einblicke in das Unsichtbare, die Ganzheit, das Unbewußte, gewährt, aus dem alles entsteht. »Die Kraft des Uranus >projiziert Bilder und Ideen< aus dem Kollektiven Unbewußtem, die aus dem >Lichtkörper< der Erde aufsteigen - und die die KRAFT ZUR WANDLUNG in sich tragen.« Sie sind die Keime eines NEUEN BEWUSSTSEINS (nach Däne Rudhyar). Dies ist wohl, indem wir uns dem Einfluß des Uranus öffnen, das tsan, (der Bruchteil über der Vier, der Liebe des Christusgeistes, der »Barmherzigkeit«), das bewältigt werden muß, bevor wir durch eine »Heilige Hochzeit« zwischen Bewußtem und Unbewußten, zwischen ratio und logos, rechts und links, anima und animus, zum Überbewußtsein gelangen können, eine neue Eins werden, der sich die Fünf offenbart.

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Es ist wohl kein Zufall, daß Physiker, Biologen und andere Wissenschaftler vor einiger Zeit ein neues Kartenspiel erfanden, das als eine Art Spiel von Neu-Gnostikern bezeichnet werden kann, denn es stellt ein Orakelspiel dar, bei dem es keine festen Regeln gibt; jeder Spielleiter stellt sie beim jeweiligen Spiel selbst auf und schreibt sie auf einen Zettel. Das Spiel nennt man Eleusis! Das moderne »Orakel« ist ein Ergebnis der Erkenntnisse von Chaoslehre und Quantenphysik, die in anderen Worten ausdrücken, was Mystiker seit Jahrtausenden lehrten.

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In der Bildersprache des Tarot ist die Null als NARR, als der reine (!) Tor, dargestellt, den Offenheit, Vertrautheit, Freiheit und Unabhängigkeit, und eine scheinbar grenzenlose Bereitschaft für das Wagnis, auszeichnet. Das sind Werte, die in unserer Gesellschaft zumeist als »närrisch« angesehen werden. Viele absolute Herrscher unserer Geschichte ließen sich jedoch nur von »Narren« an ihren Höfen Wahrheiten sagen, zumeist ohne daß deren Köpfe rollen mußten. Der Hofnarr ist ein »Spaßmacher«. »Lachen reinigt die Seele«, lautet ein altes nepalesisches Sprichwort, und in der Hymne des ägyptischen Ra, »Deine Priester gehen zur Morgenröte hinaus, sie waschen ihre Herzen (ihr Ego, ihre Eins) mit Gelächter«, klingt die Weisheit an, den Schwierigkeiten des Lebens mit der Kunst des Lachens zu begegnen, was viele Menschen als närrisch empfinden würden. Weil diese Schwierigkeiten die Produkte unseres eigenen Handels oder Nichthandels sind, ist die Kunst des Narren die Kunst, über sich selbst lachen zu können. Wer diese Kunst beherrscht, ist der Weisheit einen großen Schritt näher getreten. Der »reine Narr« sucht die Weisheit nicht, das wäre in Abwandlung eines Zen-Spruches »wie wenn man auf einem Ochsen reitet, um den Ochsen zu suchen«; der »Narr« trägt die Weisheit in sich, in seiner Leere, die zugleich seine Fülle ist, in der Null, in seinem kosmischen Gelächter, in seiner Stille. Er ist der reine Tor, der sich immer wieder von neuem auf die Suche nach dem Gral macht, voller Hoffnung und in dem Glauben, daß ALLES möglich ist. Hierin liegt seine tiefe Weisheit begründet.

(...)

Weshalb der »Narr«, sofern wir ihm je begegnen sollten, der wahre Weise ist. Er (sie) vertraut der Stimme seines Herzens, seine Wahrheit ist nicht von dieser Welt. Es ist die Wahrheit des Uranus, der planetarischen Stimme des kollektiven Unbewußten, die das Unterste zuoberst kehren möchte - und sollte das Tarot im Zusammenhang mit einer Entscheidung befragt werden, lautet der Rat des »Narren« — Tu's! 

Christa Zettel: Geheimlehre und Numerologie - Das Geheimnis der Zahl, PDF 353 S.

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