Freitag, 4. Oktober 2013

Israels Regierungschef hetzt gegen Iran und droht mit militärischem Alleingang


Von Knut Mellenthin 

Israel setzt seine Kampagne gegen einen politischen Dialog zwischen den USA und Iran fort. Nachdem Premier Benjamin Netanjahu am Dienstag vor der UN-Vollversammlung in New York gesprochen hatte, war er am Mittwoch und Donnerstag mit einem Trommelfeuer von Interviews bei allen bedeutenden US-amerikanischen Fernsehsendern präsent. Eingeleitet hatte Netanjahu diese bestens organisierte PR-Aktion am Mittwochmorgen mit einer Besprechung, zu der er die Präsidenten und Direktoren der führenden Medienunternehmen der USA eingeladen hatte. 

Neben den altbekannten Vorwürfen leistete sich der israelische Regierungschef am Mittwoch einen sogar für seine Verhältnisse außergewöhnlichen Eklat, indem er im Fernsehsender NBC die Religionsgemeinschaft der iranischen Schiiten als »messianischen, apokalyptischen, radikalen Kult« beschimpfte, der »wild in seinen Ambitionen und seiner Aggressivität« sei. Er verglich den Iran mit einem schwer angeschlagenen Boxer, »der in den Seilen hängt« und dem man jetzt durch eine Steigerung der Sanktionen pausenlos weiter zusetzen müsse. Netanjahu war mit dem pathetischen Gestus eines Erweckungspredigers nach New York gekommen, der als einziger bereit sei, einer begriffsstutzigen und vergeßlichen Welt »die Wahrheit« zu sagen. Was er der Vollversammlung am Dienstag vortrug, waren allerdings keine Fakten, sondern eine Ansammlung von Behauptungen, die entweder unbewiesen oder definitiv falsch waren. Da durfte die Lüge nicht fehlen, daß der Iran »Israel von der Landkarte fegen« wolle und nicht etwa nur den Libanon destabilisiere, sondern auch Bahrain und sogar den Jemen sowie »viele andere Länder des Nahen Ostens«. 

Der Vorwurf war selbstverständlich politisch gezielt. Gleichzeitig rühmte Netanjahu nämlich die immer wärmeren Beziehungen zwischen seinem Land und »vielen unserer arabischen Nachbarn«. Die hätten »endlich erkannt, daß Israel nicht ihr Feind ist«. Gemeint waren damit die autoritär und repressiv regierten Monarchien der arabischen Halbinsel, also die Länder, aus denen Waffen und Geld an fundamentalistische Terroristen strömen, die nicht nur in Syrien, sondern auch im Irak, in Pakistan und im Libanon gegen die Schiiten und andere nicht-sunnitische Minderheiten des Islam kämpfen. Jene Staaten also, die schon in den 1980er Jahren den Krieg des damaligen irakischen Regimes gegen den Iran in jeder Weise unterstützt hatten. Israelische Medien berichten in diesem Zusammenhang, daß es in den letzten Wochen »eine ganze Reihe von Treffen« israelischer Politiker »mit prominenten Persönlichkeiten aus mehreren Golfstaaten und anderen arabischen Ländern« gegeben habe, um eine Allianz gegen den Iran zu schmieden. Netanjahu habe diese Kontakte, unter denen auch der Geheimbesuch eines »hochrangigen Regierungspolitikers« aus einem nicht genannten arabischen Land gewesen sei, zur Chefsache erklärt. 

Über seine eigenen militärischen Pläne äußerte sich Netanjahu in der UN-Rede nur äußerst knapp: Israel behalte sich gegen Iran sein »Recht auf Selbstverteidigung« vor – gemeint ist ein Angriffskrieg. Israel werde diesen nötigenfalls auch im Alleingang führen – und damit zugleich »auch viele, viele andere verteidigen«. Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif kommentierte diese Rede, indem er Netanjahu als gewohnheitsmäßigen Lügner bezeichnete. »Die letzten 26 Jahre lang hat Israel erzählt, daß Iran in sechs Monaten Atomwaffen haben wird. Die Fortsetzung dieses Spiels gründet auf Lügen, Betrug und Hetze.« Netanjahu sei »das am meisten isolierte Individuum« innerhalb der Vereinten Nationen. Das iranische Parlament hat sich derweil hinter die im Land nicht unumstrittene Versöhnungspolitik von Präsident Hassan Rohani gegenüber den USA gestellt. 230 von insgesamt 290 Abgeordneten unterschrieben am Dienstag eine entsprechende Stellungnahme, nachdem Rohani dem Plenum zuvor Bericht erstattet hatte.

Quelle: jungewelt.de/2013/10-04/035.php

1 Kommentar:

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    Gruß

    Iridium;
    von fresh-seed.de

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