Samstag, 13. April 2013

Die Herrscher der Welt: Ihre Organisationen - ihre Methoden und Ziele

Von Reiner August Dammann

Haben Sie sich eigentlich schon einmal dafür interessiert, warum wir nach 1789 nicht im Paradies wohnen? Oder nach 1918? Oder nach 1945? Haben Sie sich schon mal gefragt, warum wir 217 Jahre nach Immanuel Kant´s Schrift Zum ewigen Frieden immer noch keinen ewigen Frieden samt friedlichem Weltbürgertum haben … obwohl wir inzwischen alle technischen, politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen dazu besitzen?

Vielleicht fragen sich gerade die deutschen Bürger, warum Politik in Deutschland seit Jahren immer wieder gegen den Bürgerwillen gemacht wird – sei es der Abbau der Arbeitsgerechtigkeit, der sozialen Absicherung, der Bezahlung für Arbeit, der Einsatz der Bundeswehr im Ausland, die Rettung von Banken im In- und Ausland bei gleichzeitiger Verarmung der eigenen Bevölkerung … oder auch einfach die überraschende Tatsache, das man wählen kann, wen man will, aber immer die gleiche Politik bekommt?
Die Anwort auf diese Fragen ist einfach: da dreht jemand dran. Dieser Tatsache ist auch der Umstand verschuldet, das “Verschwörungstheorien” jeder Art verpönt sind – eine Einstellung, die nebenbei unterstellt, dass es so etwas wie Korruption, Einflussnahme, Absprachen, Wirtschaftskriminalität (oder eigentlich Kriminalität) schlichtweg überhaupt nicht gibt: so gesehen leben wir schon im Paradies, alle Menschen sind ehrlich und gut – vor allem die mit Macht.
Ich möchte ihnen nun aufzeigen, mit welchen Methoden und Hierarchien unsere Herren heutzutage arbeiten. Wem das zu kompliziert wird, dem sei empfohlen, die imperialen Strategien der alten Römer oder der Briten des alten Empire zu studieren: die Methoden sind immer die gleichen, aber die Strukturen trugen damals alle Uniform – das half dem Bürger, sich zu orientieren. In gewisser Weise tragen sie auch heute noch Uniform – aber die sind nur für Eingeweihte zu erkennen. Der deutsche Kanzler Gerhard Schröder hat ganz offen dafür Reklame gemacht.
Man kann ein Dorf erobern, in dem man mit seinen Legionen einmarschiert, die Krieger erschlägt, die Frauen schändet, die Häuser niederbrennt, die Kinder als Sklaven verkauft und die alten Leute in die brennenden Häuser stößt. Das weiß jeder. Viel mehr Rendite bringt das sanfte Modell – man besticht die Häuptlinge, gliedert die Krieger als Hilfstruppen in die eigenen Reihen ein, läßt die Frauen in Ruhe die Hilfstruppen der neuen Generation produzieren und freut sich an den Tributzahlungen, die man für seine “Freundschaft” jedes Jahr erhält. Um so etwas zu Wege zu bringen, braucht man einen “Economic Hit Man” wie John Perkins, das sind die Türöffner. Wenn sie versagen (wie in Lybien, Syrien, Afghanistan, Panama, Irak und Iran – um nur ein paar Beispiele zu nennen) kommen die Truppen und das harte Modell der imperialen Ausweitung wird durchexerziert.
In den meisten Ländern funktioniert der Türöffner aber – und man erobert das Land mit Geld.
Nun, ich denke, jeder weiß jetzt schon, worauf ich hinaus will: auf das Imperium der Superreichen, über das H.J.Krysmanski ein Buch geschrieben hat. Ich möchte Herrn Krysmanski auch ein wenig zu Hilfe nehmen und aus seinem Buch “Hirten und Wölfe” zitieren, in dem er die grundlegenden Herrschaftsfunktionen beschreibt.
Im Prinzip eignet sich das Bild eines Gehirns und seiner Nervernstränge dazu, die Verhältnisse vereinfacht bildlich darzustellen. Wer aus der Betriebswirtschaft kommt, kennt die Kommandostrukturen innerhalb einer Firma: “Stab und Linie” nennt man das dort. “Stab” berät den Boss, “Linie” kontrolliert die Massen.  Unser Gehirn sitzt nun in den USA (was wir im Folgenden noch sehen werden).  Wir hier erleben nur “Linie” – ein paar Beispiele werden folgen.
Krysmanski selbst wählt des “Ringmodell” zur Darstellung, was mir selbst zu unpraktikabel ist, welches ich aber im Folgenden zur grundlegenden Erläuterung der einzelnen Faktoren zitieren möchte.
Im Kern dieses Modells (dem “Erdkern” des Planeten Imperium, sozusagen) finden wir etwas sehr Bekanntes. Krysmanski nennt es die “Superreichen” (und beschreibt sie u.a. als jene Schicht, die wir nur belustigt und angesäuselt in den “Gelben Blätter” der Republik dargestellt finden – eine absichtliche Verharmlosung), wir in Europa kennen sie aber unter dem Namen “DIE MÄRKTE”. Jeder Börsenprofi weiß, das es eine Handvoll Investoren sind, die mit gigantischen Summen an den Börsen experimentieren und das Geld der Superreichen vervielfältigen, während der kleine Anleger zunehmend vom Markt verschwindet. Kniefälle vor den “Märkten” gab es in den deutschen Medien oft genug, sie folgen auch täglich wieder (Stichwort: Euro-Krise) bis hin zur Forderung der deutschen Kanzlerin Angela Merkel nach einer “marktkonformen Demokratie”.
Die nächste Schicht im Ringmodell ist die Schicht der politischen Elite. Hier erreichen wir auch langsam die Wahrnehmungsebene des Durchschnittsbürgers, denn Spitzenpolitiker kennt er wesentlich besser als die Spitzenakteure in der Wirtschaft. Wer zählt dazu? Die Spitzenpolitiker aller Parteien – und die Gewerkschafter. Jeder Milliardär hat eine Handvoll Konzernchefs, mit denen er direkten Kontakt pflegt (auf dem Golfplatz, im elitären Club – oder im harmlosen Wanderverein), jeder Konzernchef hat eine Handvoll Politiker, die er so “umhegt” (und pro Politiker zehn Lobbyisten, die ihn auf Schritt und Tritt begleiten und für eine entsprechende “Gesinnung” sorgen). Ist der Politiker besonders brav, ist auch ein Aufstieg möglich: so kommen branchenfremde Ministerpräsidenten mit juristischer Ausbildung schon mal an die Spitze eines Baukonzerns oder in den Aufsichtsrat von Zeitungs- und Leiharbeitsfirmen.
Folgen wir aber nun erstmal der Linie. Die nächsten wichtigsten Nervenknoten außerhalb des “Gehirns” sind die Konzern- und Finanzeliten, jene Funktionäre, die Jean Ziegler auch die Kosmokraten nennt (siehe z.B. WOZ)Dort finden wir die Akteure von Goldman-Sachs, Citigroup, Google, Facebook, Microsoft – in Deutschland eine Kaste von nur 400 Leuten (siehe Günter Ogger, Nieten in Nadelstreifen), die sich abwechselnd die Posten der Konzernchefs teilen und so die Korporatokrie (die “Herrschaft der Konzerne”) ausüben. Das sind die Leute, die ganze Großstädte ins Elend stürzen können, in dem sie die Produktion ins Ausland verlagern (siehe Detroit, USA – oder das deutsche Ruhrgebiet), die Lobbyisten finanzieren, Stiftungen kontrollieren, Gesetzgebungsverfahren beeinflussen und im Handumdrehen aus der Theorie der Globalisierung Praxis gemacht haben. Andererseits finden wir hier die großen “Investoren”, einer der bekanntesten (Warren Buffet) hat uns mit der Tatsache vertraut gemacht, das wir uns gerade in einem Klassenkampf der Reichen gegen die Armen befinden – wobei seine Klasse gewinnt.

Mit der letzten Schicht hat der Bürger dann schon mehr Kontakt – den Funktions- und Wissenseliten. Auf sie trifft er überall. In der Firma ist es sein Chef (und vor allem: dessen Chef, der wiederum von der Gnade der Bank abhängig ist, die von den Märkten regiert wird), der gerne weiter nach oben möchte und den Maximen der Herrscher der Welt unkritisch hinterherläuft, um endlich selbst mal Römer mit Uniform werden zu können. Kommt der Bürger dann nach Hause und macht den Fernseher an, so erwartet ihn die Informationselite mit perfekten Inszenierungen, präsentiert wird die (oft über Stiftungen von CEO´s bezahlte) Aufführung der Wissenselite (“Experten”), die Tag für Tag den Beruhigungsfunk anführen und jegliche wirtschaftliche, finanzielle, politische oder gesellschaftliche Krise kleinreden.
Will man denen entkommen und schaltet wild auf allen Kanälen herum, trifft man auf die Funktionselite der Unterhaltung: Rennfahrer, Fußballer, Entertainer – Menschen, die von der Konzernelite mit Millionen ausgestattet werden, um die Bürgerbeschallung auch im Unterhaltungsbereich sicherzustellen … oder glaubt wirklich jemand, dass Autofahren, Fußballspielen oder Fernsehshows aufführen und dämliche gehässige Witze erzählen Millionengagen wert sind?
Jetzt haben wir die Ebene der “Hirten und Wölfe” verlassen – und sind auf der Ebene der Schafe angelangt. Das sind SIE. Hier wollen wir uns aber nicht länger aufhalten, denn wir kehren jetzt zurück auf die Kernebene, nennen wir sie für den Moment mal ganz unpersönlich “Die Märkte” – das Gehirn hinter dem Herrschaftsgeflecht.
Anders als in einer Firma müssen die Märkte die Linienfunktion indirekt ausführen – das ist eine Folge des seit 1798 immer wieder versuchten Demokratisierungsprozesses. Sie machen das gern, weil die sanfte Eroberung des Dorfes viel mehr Gewinn bringt als seine gewaltsame Annektierung. Deshalb wird ein Milliardär selten eine Bundeskanzlerin direkt anrufen und ihr befehlen, dem Pöbel die Sozialhilfe zu streichen. Vielmehr benutzt man große Zusammenkünfte (im Firmenmodell sind das dann z.B. große Außendiensttagungen), die wir alle kennen: genannt seien hier das World Economic Forum oder die Bilderbergkonferenz, wo man für eine kräftige Durchmischung der verschiedenen Eliten sorgt … und nebenbei die Marschrichtung für das nächste Quartal oder Jahr bekannt gibt.
Außerdem gibt es auch zentrale Treffen der Leibgarde der Eliten, das bekannteste ist wohl die alljährliche Zusammenkunft reicher weißer Männer im Bohemian Grove. Daneben gibt es auch die Stabsfunktionen, in denen vorgedacht wird, was die Linie zum Volk tragen soll, genannt sei hier u.a. die “Trilaterale Kommission” als ein Beispiel für eine Vielzahl von “Think Tanks”, die weltweit die Botschaft der “Märkte” durchdenken und ihre Verbreitung vorbereiten.

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