Sonntag, 17. März 2013

"Ihr seid alle illegal!" - US-amerikanischer Indianer kritisiert Demonstranten gegen illegale Einwanderung


Ein amerikanischer Indianer griff Teilnehmer einer Demonstration gegen illegale Einwanderung im US-Bundesstaat Arizona scharf an. Er warf ihnen vor, sie seien die wirklichen »illegalen Einwanderer«, da sie mit ihren ersten Siedlungen auf amerikanischen Boden in sein Land eingedrungen seien und die dort lebenden Indianer getötet hätten.

»Ihr alle seid Sch…-Illegale, Ihr seid alles illegale Einwanderer«, schrie der Mann in Richtung der Demonstranten, die sich in der Stadt Tucson versammelt hatten, um gegen die illegale Einwanderung vor allem aus Mittel- und Südamerika zu protestieren. »Wir haben euch nicht eingeladen. Wir sind die einzige ursprüngliche amerikanische Bevölkerung.« 

Einige Passanten und Umstehende begrüßten, dass der Mann die Scheinheiligkeit der Demonstranten bloßstellte, die entweder selbst in die USA eingewandert waren oder Nachkommen von Einwanderern sind. In dem Video, das im April 2011 ins Internet gestellt wurde und seitdem eine enorme Verbreitung gefunden hat, ist zu sehen, wie der Indianer, der mit einem Kinderwagen samt Kind in der Stadt unterwegs war, angesichts der Demonstranten seine eigene Demonstration begann. »Hört doch auf mit euren Scheinargumenten. Wir sind die einzigen hier legal lebenden Menschen«, rief er.

Ein Demonstrant, der sich in seiner Nähe aufhielt, wurde besonders zur Zielscheibe seines Zorns und seiner Kritik. Dieser Mann hielt eine kleine amerikanische Flagge in seiner Hand und trug ein Schild, auf dem zu lesen war: »Wir hätten diese Flagge aufstellen sollen, als ihr Sch…kerle hier aufgetaucht seid!« Der Indianer zeigte auf die Flagge des Demonstranten und sagte, diese Flagge »versinnbildlicht das Blut, das von den Indianern vergossen wurde, als sie ihre Heimat vor den Eindringlingen schützen wollten«. »Ihr wollt diese gottverdammte Wahrheit einfach nicht begreifen«, rief er empört. »Macht, dass ihr weiterkommt! Ihr habt die ganzen Indianer getötet und eure Häuser auf ihrem Grund und Boden errichtet. Das ist die Wahrheit.«



Aufgrund seiner Lage an der Grenze zu Mexiko ist Arizona seit Langem schon zum Zentrum von Protesten und Initiativen gegen illegale Einwanderung geworden. Der Landtag verabschiedete 2010 das »Gesetz zur Unterstützung unserer Strafverfolgungsbehörden und für sichere Wohngegenden«, das ein striktes Vorgehen gegen illegale Einwanderer vorsieht und im Bundesstaat selbst für heftige Auseinandersetzung gesorgt hat. Das Gesetz erklärt es zu einem strafbewehrten Vergehen, wenn sich ein »Fremder« ohne entsprechende Meldedokumente in Arizona aufhält. Darüber hinaus sind die Polizisten befugt, jede Person anzuhalten und zu kontrollieren, die sie für einen illegalen Einwanderer halten, wobei sich die Einschätzung der Beamten oft an der Zugehörigkeit zu bestimmten Ethnien oder der Hautfarbe orientiert. Schwere Strafen drohen auch denjenigen Personen, die nicht gemeldeten Fremden Unterschlupf gewähren oder ihnen Arbeit geben.

Die umstrittenen Bestimmungen des Gesetzes wurden zunächst vom amerikanischen Justizministerium ausgesetzt, aber 2012 entschied der Oberste Gerichtshof in einem Urteil, die Regelung, Personen sich ausweisen zu lassen, sei nicht verfassungswidrig. Damit könnten die Strafverfolgungsbehörden nun weiterhin jeden anhalten, der wie ein illegaler Einwanderer aussieht. 

Aber dieser Indianer, der angesichts der Demonstration gegen illegale Einwanderung seiner Empörung freien Lauf ließ, steht auf dem Standpunkt, es sei scheinheilig, wenn Amerikaner andere kritisieren, wenn diese in die USA einwandern. Denn schließlich sind alle – mit Ausnahme der Indianer – selbst Einwanderer.

Quelle: http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/zeitgeschichte/redaktion/amerikanischer-indianer-kritisiert-demonstranten-gegen-illegale-einwanderung.html

Alternative Medien

Blog-Archiv