Samstag, 30. März 2013

Das politische System in Nordkorea: Juche - Die Ideologie der Autarkie und Selbstständigkeit


Die Chuch’e-Ideologie (von koreanisch Chuch’e: ‚Selbstständigkeit‘, ‚Autarkie‘; Aussprache in, Dschutsche), meist Juche-Ideologie geschrieben, ist eine politische Ideologie, die von dem verstorbenen Präsidenten des Demokratischen Volksrepublik Korea DVRK (Nordkorea), Kim Il-sung entwickelt wurde.
Chuch’e-Turm in Pjöngjang
Die Chuch’e-Ideologie wird von ihren Anhängern als Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus verstanden, widerspricht diesem aber wesentlich. Kern der Ideologie ist, dass die Interessen der eigenen Nation über denen der internationalen kommunistischen Bewegung stehen und dass ein „Arbeiterführer“ die Gesellschaft transformieren muss. Zudem wird eine besondere Rolle Koreas angenommen, das im Mittelpunkt der Welt stehe. Nach dieser Auffassung ist der klassische Marxismus-Leninismus in seinen „historischen Grenzen“ gefangen, die Chuch’e-Ideologie jedoch ewig. 

Dieser Ideologie zufolge muss jede Nation die gesellschaftliche Revolution eigenständig vorantreiben. Die drei Prinzipien der Chuch’e-Ideologie sind: 

1. Politische Souveränität (chachu, 자주) 
2. Wirtschaftliche Selbstversorgung (charib, 자립) 
3. Militärische Eigenständigkeit (chawi, 자위) 

Der Staat hat demnach die Aufgabe, politische, wirtschaftliche und militärische Unabhängigkeit zu gewährleisten. 
Der Mensch steht laut Chuch’e-Ideologie in der Position eines Gestalters und Herrschers der Welt. Jedoch müsse sich der einzelne Mensch den Volksmassen unterordnen, da er sich nur in der Gruppe entfalten könne. Die Volksmassen wiederum sollen durch die Partei und den Führer geleitet werden. In der Chuch’e-Ideologie ist der Mensch zwar Subjekt, doch wird von ihm bedingungslose Loyalität gefordert. 
Flagge der Partei der Arbeit Koreas
Als weiteren Unterschied zum klassischen Marxismus-Leninismus betonen Chuch’e-Anhänger die Einbeziehung der Intellektuellen. So zeigt das Emblem der Partei der Arbeit Koreas Pinsel, Hammer und Sichel: Der Hammer steht für die Arbeiterklasse, die Sichel für die Bauernschaft und der Pinsel für die Intellektuellen.

Die Revolution ist ein Kampf für die Verwirklichung der Bedürfnisse der Volksmassen nach der Souveränität durch die Mobilisierung ihrer Kraft. Sie ist ein Ringen um ihre eigene Befreiung. Die Volksmassen, die sich mit einer revolutionären Ideologie ausgerüstet haben und als eine organisierte politische Kraft zusammenhalten, gehen aus der Revolution als Sieger hervor. Ein Revolutionär ist verpflichtet, zu den Volksmassen zu gehen, auf sie einzuwirken, sie zu organisieren und zum Kampf aufzurufen. Auch die revolutionären Kräfte müssen unter den Volksmassen herangebildet werden, alle Probleme im revolutionären Kampf sind gestützt auf ihre klugen Gedanken und ihre Kraft zu lösen. 

Kim Jong Il beschreibt die Situation in Korea wie folgt: “Nehmen wir aber die Kommunisten und Nationalisten unseres Landes, die sich in den zwanziger Jahren angeblich mit der nationalen Befreiungsbewegung befaßten. Sie dachten nicht daran, zu den Volksmassen zu gehen, auf sie einzuwirken und sie zu organisieren und zum revolutionären Kampf aufzurufen, sondern, losgelöst von ihnen, stritten sie untereinander lediglich um die Hegemonie und droschen leeres Stroh. Anstatt die Massen zusammenzuschließen, spalteten sie sich durch Fraktionskämpfe.” (Kim Jong Il, Über die Juche-Ideologie, Korea, Pyongyang 1989, S.15) 

Bereits zu Beginn seines revolutionären Kampfes erkannte Genosse Kim Il Sung ihre Fehler und ging einen anderen, den wahren revolutionären Weg und stützte sich im Kampf auf die Volksmassen. Das war einer der Ausgangspunkte für die Begründung der Juche-Ideologie. 

Weiter schreibt Kim Jong Il: “Die koreanische Revolution, die das Juche Zeitalter einleitete, wäre nicht einen einzigen Schritt vorangekommen, wenn man sie nicht von Anfang an selbständig und schöpferisch geführt hätte. Sie war eine schwierige, komplizierte und harte Revolution, denn sie mußte angesichts des mächtigen japanischen Imperialismus die Aufgaben der antiimperialistischen Erhebung für die nationale Befreiung und die der antifeudalen demokratischen Bewegung gleichzeitig lösen und einen völlig neuen Weg bahnen. 

Hinzu kam, daß sich damals in der antijapanischen nationalen Befreiungsbewegung und der kommunistischen Bewegung unseres Landes die Kriecherei sehr stark auswirkte und der Revolution Hindernisse in den Weg stellte. Die Nationalisten und Pseudomarxisten gaben ihre üble Gewohnheit, Kriecherei und Fraktionskämpfe, wodurch bereits in der Vergangenheit das Land in den Abgrund geführt worden war, nicht auf und dachten nicht daran, die Revolution aus eigener Kraft zu verwirklichen, sondern glaubten törichterweise daran, daß man mit Hilfe fremder Kräfte die Unabhängigkeit erreichen kann. Leute, die so taten, als liege ihnen die kommunistische Bewegung am Herzen, bildeten Gruppierungen und ersuchten die Komintern um Anerkennung. Losgelöst von den historischen Bedingungen und der Realität unseres Landes, das eine koloniale und halbfeudale Gesellschaft war, trachteten sie danach, bestehende Theorien und Erfahrungen anderer mechanisch zu übernehmen. Kriecherei und Dogmatismus wirkten sich derart aus, daß es unmöglich war, den Weg der Revolution zu beschreiten. Genosse Kim Il Sung zog ernste Lehren aus den Folgen dieses Kriechertums und des Dogmatismus und kam zu der Erkenntnis, daß die Revolution weder der Erlaubnis noch der Weisung irgendeines Fremden bedarf, daß man sie aus eigener Überzeugung und auf eigene Verantwortung führen und alle Probleme in der Revolution selbständig und schöpferisch klären muß.” (Kim Jong Il, Über die Juche-Ideologie, Korea, Pyongyang 1989, S.15/16) Das war ein weiterer Ausgangspunkt der Juche Ideologie.

Kim Jong Il schreibt hierzu: “Im Kampf gegen die starrsinnigen Nationalisten, Pseudomarxisten, Kriecher und Dogmatiker, für einen neuen revolutionären Weg entdeckte er die Wahrheit der Juche Ideologie, beleuchtete deren Prinzipien auf der Konferenz der leitenden Funktionäre des Kommunistischen und des Antiimperialistischen Jugendverbandes, die im Juni 1930 in Kalun stattfand, und legte die Juche Linie der koreanischen Revolution dar. Das war ein historisches Ereignis, der Zeitpunkt der Geburt der Juche Ideologie und der revolutionären Juche Linie.” (Kim Jong Il, Über die Juche-Ideologie, Korea, Pyongyang 1989, S.16) 

So wurde die Juche Ideologie begründet gestützt auf die Forderungen der neuen revolutionären Etappe, in der die Volksmassen als vorwärtstreibende Kraft der Geschichte auftraten, und die reichen Erfahrungen aus dem revolutionären Kampf des koreanischen Volkes. Heute ist sie zur großen Leitidee für die proletarische Revolution zur Zerschlagung und Überwindung der Imperialismus beherrschten Welt geworden.

Internationale Bedeutung

In den 1970er und 1980er Jahren gelang es Nordkorea, auch international Anhänger für die Chuch’e-Ideologie zu gewinnen. Vor allem in Asien, Afrika und Lateinamerika entstanden „Chuch’e-Ideologie-Studiengruppen“. Sie wurden großzügig mit Studienmaterialien unterstützt. Anhänger, die Werke von Kim Il-sung und anderen Vertretern der Chuch’e-Ideologie lesen, wurden häufig in den nordkoreanischen Medien gezeigt. Diese Gruppen fühlten sich auch von der Vorstellung einer von den damaligen Großmächten Sowjetunion und USA unabhängigen nationalen Entwicklung angezogen. Auch Regierungsvertreter einiger afrikanischer Staaten waren Anhänger der Chuch’e-Ideologie. So wurde das „Internationale Wissenschaftliche Seminar der Chuch’e-Ideologie“, das vom 28. bis zum 30. September 1976 in Antananarivo, Madagaskar stattfand, vom damaligen Staatspräsidenten Didier Ratsiraka eröffnet. Auch andere Staatsoberhäupter sprachen in den 1980er Jahren bei Staatsbesuchen in Nordkorea positiv über die Chuch’e-Ideologie.

Am 9. April 1978 wurde in Tokio das „International Institute of the Juche Idea“ gegründet. Ziel war laut Gründungserklärung „die Verbreitung der klassischen Werke des hochverehrten und geliebten Präsidenten Kim Il-sung, die Organisation von Seminaren und Vorlesungen sowie die Veröffentlichung von Schriften, die Koordinierung der Zusammenarbeit der Juche-Studiengruppen und die Eröffnung von Bibliotheken zum Studium der Juche-Ideologie sowie Buchausstellungen zur Verbreitung der Juche-Ideologie“. Erster Generaldirektor des Instituts war der Japaner Yasui Kaori. Von 1985 bis 1989 wurde das IIJI vom vormaligen österreichischen Bundesjustizminister Hans Klecatsky geleitet. Gegenwärtiger Generaldirektor ist der Inder Vishwanath. Organ des IIJI ist die Zeitschrift "Study of the Juche Idea". 

Am 12. und 13. April 2012 fand aus Anlass des 100. Geburtstages Kim Il-sungs in Pjöngjang eine „Weltkonferenz der Chuch’e-Ideologie“ statt. 

Heute hat die Chuch’e-Ideologie außerhalb von Nordkorea kaum Einfluss. Es gibt in einigen Ländern aber noch Juche-Studiengruppen, besonders in Lateinamerika und Afrika, aber auch in Europa. In Deutschland zählen zu diesen Gruppen der „Freundeskreis der Juche-Ideologie“ in der KPD-Ost und die „Korean Friendship Association-Germany“, die enge Kontakte zum „Komitee für Kulturelle Beziehungen mit dem Ausland“ in Pjöngjang unterhält. 

Im Rahmen seiner Querfrontstrategie orientierte sich auch der 2008 aufgelöste neonazistische „Kampfbund Deutscher Sozialisten“ an der Chuch’e-Ideologie. Zudem bestand von 1996 bis 1998 die Partei der Arbeit Deutschlands (PdAD), die sich an der Partei der Arbeit Koreas orientierte. Die PdAD hatte kurzzeitig Kontakt zur NPD, wo die Ideologie im Rahmen des propagierten Antiamerikanismus rezipiert wurde. 

In Frankreich bezieht sich die Parti Juche de France (PJF) auf die Chuch’e-Ideologie.

Quellen: nordkorea-info.de/landesinfo/politik/juche-ideologie
de.wikipedia.org/wiki/Chuche-Ideologie

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