Sonntag, 21. Oktober 2012

Dr. Andreas von Bülow: "Staaten machen Verschwörung und die USA - fast seit sie bestehen"


"Staaten machen Verschwörung und die Vereinigten Staaten - fast seit sie bestehen. Sie machen Verschwörung, um in Lateinamerika oder im Nahost und wo auch immer einzugreifen. Lüge ist die Begleitoperation zum Krieg."


Ein Interview mit dem früheren deutschen Minister für Forschung und Technologie Andreas von Bülow, über die westliche Politik in der Nahostregion:

Rundfunk: Herr Dr. von Bülow, das arabische Land Syrien wird seit neunzehn Monaten von schweren Unruhen erschüttert. Zahlreiche Vermittlungsversuche haben  keinen Erfolg gebracht. Es besteht die reelle Gefahr eines Übergreifens des Konflikts auf andere Länder der Nahostregion. Ich würde gerne Ihre Analyse dazu hören.

von Bülow: Die kann nicht erstellt werden wenn man die westlichen Medien liest und hört und sieht. Es ist wohl nach dem 11.September 2001, zwei oder drei Wochen danach, entschieden worden - auf Weisung des amerikanischen Verteidigungsministeriums - in, ich glaube, sieben Staaten des Nahen Ostens den Regimechange, den Wechsel der Regierung einzuleiten und zwar militärisch vorbereitet. Genau in derselben Zeit haben ungefähr zehn "Think Tanks", also Nachdenk-Institute, angefangen, über die Revolution in diesen Staaten nachzudenken und die Technik auszuarbeiten. Das kann man sich heute sogar im Internet rausladen. Was jetzt Syrien angeht, das ist einer der Staaten neben dem Libanon, neben Algerien, neben Libyen und neben dem Iran, da wird jetzt  versucht, einen Regimechange zustandezubringen durch inneren Aufruhr. Das wird unterstützt mit kräftigen Geldspritzen  aus Amerika, aus England und ich glaube sogar aus Frankreich. Es werden Todesschwadronen eingesetzt und die immer vorhandene Unzufriedenheit der Bevölkerung und möglicherweise auch richtige Ungerechtigkeit des Regimes genutzt,  um diesen Regimechange herbeizuführen, aber nicht, um den Leuten zu helfen, sondern um dieses Land handhabbarer zu machen.

Rundfunk: Es hört sich nach einer Verschwörungstheorie an.

von Bülow: Ja natürlich, Staaten machen Verschwörung und die Vereinigten Staaten, fast seit sie bestehen. Sie machen Verschwörung, um in Lateinamerika oder im Nahost und wo auch  immer einzugreifen. Lüge ist die Begleitoperation zum Krieg. Man muss so tun, als würde man Menschen helfen, in Wirklichkeit aber verfolgt man eigene Interessen und wer dem auf die Spur kommt,  wird  als Verschwörungstheoritiker lächerlich gemacht. In Wirklichkeit sind es aber Verschwörungen und zwar Staatsverschwörungen.

Rundfunk: Es gibt aber Länder wie Saudi-Arabien oder Katar, um nur einige zu nennen, die von dieser Verschwörungstheorie ausgenommen sind obwohl dort Regime herrschen, die alles andere sind als demokratisch. Wie sehen Sie das?

von Bülow: Richtig; die haben sie ausgenommen, dagegen gehen sie nicht vor, da sind ihre Stützpunkte, die liefern Waffen, die liefern Geld, die finanzieren Al-Kaida, die  finanzieren die Salafisten. Also, man nutzt diese Leute. Es geht gar nicht um Demokratie, es geht überhaupt nicht um Rechtsstaat, sondern es geht schlicht und einfach um Macht, Öl, Verkehrswege usw. .

Rundfunk: Die Salafisten sind offenbar die, die die größten Terroranschläge weltweit organisieren und durchführen. Das ist aber genau das Gegenteil dessen, was sich die USA auf die Fahne  geschrieben haben, nämlich Ausrottung des Terrors.

von Bülow: Ja, es ist klar, der weltweite Terror ist gar kein originärer Terror, sondern ist auch staatlicher oder indirekt staatlich unterstützter Terror.  Die westliche Welt hat keinen Feind mehr in Form  der Sowjetunion und sie braucht einen neuen. Das hat der mit der "CIA" eng kooperierende "Samuel Huntington" in einem Buch niedergelegt und das kriegen wir jetzt geliefert.  Und der 11. September 2001 war der Einstieg in diese ganze Geschichte.

Rundfunk: Also die ganze Terrorbekämpfung bedeutet überhaupt nichts?

von Bülow: Ja Gott, das ist eine große Täuschungsoperation. Wir haben seit dem 11. September 2001 lauter Selbstmordattentate, die den großen Vorteil haben, dass der Täter nicht ermittelt werden muss. Der ist ja tot. Das heißt,  die kriminalpolizeiliche Aufklärung jedes Anschlags unterbleibt, weil der Täter, dem die Tat unterstellt wird, tot ist. Wie das Attentat zustandekommt, ob da jemandem etwas in den Rucksack reingelegt worden ist, oder  im Irak der Gemüsehändler, wo der kleine Enkel hinten drin saß und beobachtet hat, wie in die Tomaten ein Sprengsatz reingesetzt worden ist. Das wird in der Regel nicht erklärt.

Rundfunk: Herr Dr. von Bülow wie erklären Sie es, dass diese Politik in der Öffentlichkeit der westlichen Länder gut ankommt?

von Bülow: Die westlichen Bevölkerungen werden belogen nach Strich und Faden und haben keine Ahnung, was wirklich passiert. Man kann  sich nur instinktiv dagegen wehren, gegen die täglichen Meldungen, die ja in der Regel wie bei allen Kriegen eher in Amerika, in – ich glaube in der Madison Avenue - wo die großen Reklamebüros sind, gemacht werden.

Rundfunk: Die Türkei ist sehr nahe an einem Krieg mit Syrien. Da haben die Nato-Verteidigungsminister kürzlich der Türkei Beistand bei einem ernsten Konflikt zugesichert.  Was halten Sie davon?

von Bülow: Ich halte es für grotesk. Die Nato hat noch nicht einmal aufgeklärt, wo der Schuss eigentlich herkam. Es gibt sogar die Erklärung der Söldner da drüben, oder der aufständischen Kämpfer, sie hätten den Schuss abgegeben. Es ist überhaupt nicht geklärt und die Türkei nutzt das als Vorwand und die Nato stellt sich hinter diesen Vorwand. Das ist ein ungeheurer Vorgang.

Rundfunk: Die US-Regierung schickte laut Medien 150 Militär-Spezialisten nach Jordanien, um die dort herrschende Monarchie vor eventueller Gefahr zu schützen.

von Bülow: Das ist dummes Zeug. Das ist alles so unverantwortlich was da geschieht. Natürlich müssen Reformen in diesen Ländern durchgeführt werden, aber das müssen die Leute vor Ort machen. Das müssen die Leute machen, die in Amt und Würde sind, die Erfahrung haben, die Professoren sind, die Unternehmer sind, die Geschäfte betreiben. Die müssen zusehen, dass ihr Land in einen ordentlichen Zustand kommt. Es macht keinen Sinn, 18-jährige auf die Straße zu jagen und sie zur großer Revolution anzuheizen und hinterher kommt dabei  nichts heraus. Schauen Sie den Zustand in Libyen an, das ist doch verheerend, was dort stattfindet.  Schauen Sie den Zustand in Ägypten an. Da wird überall das soziale Netz aufgerissen. Die Leute kommen ganz arm aus dieser Situation heraus, schlechter als je zuvor. Es ist unverantwortlich, was da der Westen macht.

Rundfunk: Gehen Sie davon aus, dass diejenigen Länder, die in der "ersten Phase" ausgenommen worden sind, irgendwann mal überfallen werden?

von Bülow: Ja, wenn es im Interesse der USA liegt, der einzigen noch bestehenden Supermacht,  dann wird es so passieren. Es ist bequem für die USA, diese Länder sind in ihrer inneren Sicherheit früher von England abhängig gewesen, heute von Amerika abhängig, so dass sie in der Regel das machen, was Amerika sagt.

Das Interview wurde geführt von Seyed Hedayatollah Shahrokny



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