Freitag, 1. Juni 2012

Falsche Flagge-Terror in Syrien: Wie die USA den Krieg anzetteln


Von Prof. Michel Chossudovsky

In der amerikanischen Militärdoktrin nehmen »Ereignisse mit hohen Opferzahlen«, bei denen unschuldige Zivilisten ums Leben kommen, eine zentrale Rolle ein. Diese bewussten Morde sind Bestandteil verdeckter Operationen, wobei dem Feind die Verantwortung für die Gräueltaten zugeschoben wird. Auf diese Weise will man ein [schon lange geplantes] militärisches Vorgehen aus »humanitären Gründen« rechtfertigen. Diese Doktrin geht auf das Jahr 1962 zurück: Operation Northwoods.

Ein geheimer Plan des Pentagon mit der Bezeichnung Operation Northwoods sah 1962 vor, unbescholtene Exilkubaner in Miami im Rahmen einer verdeckten Operation umzubringen. Dahinter stand die Absicht, in den amerikanischen Medien eine »hilfreiche Welle der Empörung« loszutreten. Die Morde und andere »Terrorakte« sollten dann der kubanischen Regierung unter Fidel Castro angelastet werden.
Das eigentliche Ziel dieses finsteren Plans, dessen Ausführung Verteidigungsminister Robert McNamara und Präsident John F. Kennedy allerdings ablehnten, war es, die Unterstützung der Öffentlichkeit für einen Krieg gegen Kuba zu mobilisieren:

»In den frühen 1960er Jahren entwickelten führende amerikanische Militärs [konkrete] Pläne, die die Ermordung unschuldiger Menschen und Terrorakte in amerikanischen Städten beinhalteten, um auf diese Weise öffentliche Unterstützung für einen Krieg gegen Kuba zu mobilisieren.

Unter dem Decknamen Operation Northwoods sahen die Planungen dieErmordung kubanischer Emigranten, die Versenkung von Schiffen mit kubanischen Flüchtlingen an Bord auf hoher See, Flugzeugentführungen, die Sprengung eines amerikanischen Schiffs und sogar die Inszenierung blutiger Terroranschläge auf amerikanischem Boden vor.

Mithilfe dieser Pläne sollte die Unterstützung der amerikanischen und internationalen Öffentlichkeit für einen Krieg gewonnen werden, an dessen Ende der Sturz des neuen kommunistischen Machthabers Kubas, Fidel Castro, stehen sollte.

Führende amerikanische Militärs erwogen sogar, Verluste unter amerikanischen Militärangehörigen herbeizuführen. Wörtlich heißt es: ›Wir könnten ein Schiff in der Bucht von Guantánamo in die Luft sprengen und die Verantwortung dafür Kuba anlasten‹, und weiter: ›Opferlisten in amerikanischen Zeitungen könnten sehr hilfreich dabei sein, im ganzen Land eine Welle der Empörung auszulösen‹

Aus den Unterlagen geht hervor, dass ›der Vereinigte Generalstab Pläne entwickelte und genehmigte, die zu den bisher verabscheuungswürdigsten Plänen einer amerikanischen Regierung überhaupt gehören‹, schrieb James Bamford.«

U.S. Military Wanted to Provoke War With Cuba«, ABC News, Diese geheimen Pentagon-Dokumente wurden später freigegeben und können im Internet eingesehen werden. Siehe dazu: Operation Northwoods und National Security Archive, 30. April 2001.Hervorhebungen vom Verfasser)

Die Operation Northwoods betreffenden Unterlagen tragen den Titel »Rechtfertigung für ein militärisches Eingreifen der USA in Kuba«. »Das hochgeheime Memorandum beschreibt amerikanische Pläne, über geheime Operationen verschiedene Vorwände zu schaffen, die eine amerikanische Invasion Kubas rechtfertigten. Zu diesen Plänen, die Teil eines umfassenderen geheimen, gegen Castro gerichteten Programms waren, das als Operation Mongoose bekannt war, gehörten die Ermordung von in den USA lebenden Kubanern, die Inszenierung einer ›ganzen Welle angeblich kommunistischer Terroranschläge in der Gegend um Miami und anderen Städten Floridas und sogar in der Hauptstadt Washington‹, sowie ›die Versenkung eines Schiffs mit tatsächlichen oder vermeintlichen kubanischen Flüchtlingen an Bord‹, die Inszenierung eines angeblichen Angriffs kubanischer Kampfflugzeuge auf ein ziviles Passagierflugzeug und die Sprengung eines amerikanischen Schiffs in kubanischen Gewässern, die dann auf Sabotage durch Kuba zurückgeführt werden sollte (in Anlehnung an den so genannten »Maine-Zwischenfall«, der 1898 zum Krieg der USA gegen Spanien führte).«Hervorhebungen vom Verfasser.)

Vorausblende: Kuba 1962, Syrien 2012 …

Auch wenn die Operation Northwoods letztlich nicht umgesetzt wurde, behielt ihr Grundkonzept, zivile Todesopfer (in der Pentagon-Sprache: »Ereignisse mit hohen Opferzahlen«) als Vorwand für ein militärisches Eingreifen aus »humanitären Erwägungen« zu benutzen, seine Gültigkeit und wurde in der Zeit nach den Anschlägen vom 11. September verschiedentlich als Rechtfertigung herangezogen.

Und hier stellt sich nun die grundlegende Frage: Handelt es sich bei dem Massaker an Zivilisten in der syrischen Stadt Hula im Mai 2012 um eine geplante verdeckte Operation, um auf diese Weise die öffentliche internationale Unterstützung für einen Krieg gegen Syrien zu mobilisieren?
Für die Todesopfer wird die Regierung Assad verantwortlich gemacht, wobei »Opferlisten in amerikanischen Zeitungen sehr hilfreich dabei waren, eine Welle der Empörung auszulösen«. Als Reaktion haben in der Zwischenzeit verschiedene europäische Länder sowie Kanada und Australien ihre diplomatischen Beziehungen zu Syrien abgebrochen. Die Entscheidung, Syrien international zu isolieren, wurde gleichzeitig von verschiedenen Regierungen getroffen und fiel vor einer unabhängigen Untersuchung der Angelegenheit.

Nach der Erklärung des neuen französischen Staatspräsidenten François Hollande wird auch in der NATOüber eine militärische Intervention nachgedacht – die Planungen dazu laufen bereits.

Ein offener Krieg gegen Syrien könnte sich zu einem umfassenden Krieg ausweiten, der die ganze Nahmittelostregion und Zentralasien umfassen könnte. Es ist daher dringend geboten, dass die Weltöffentlichkeit sich der Medienlügen und der Kriegspropaganda im Zusammenhang mit dem Massaker in Hula und insbesondere der heimtückischen Rolle der von den USA und der NATO unterstützten Todesschwadronen bewusst ist.

Ist das Massaker in Hula Teil einer bösartigen verdeckten Operation, die Erinnerungen an dieOperation Northwoods wachruft? Für die Verantwortung der syrischen Regierung für diese Morde gibt es keine stichhaltigen Beweise.

Allerdings existieren Hinweise sowie dokumentarische Belege dafür, dass seit Beginn der Aufstände in der Grenzstadt Daraa Mitte März 2011Terrorgruppen, die die Unterstützung auswärtiger Mächte genießen, an der Ermordung unschuldiger Zivilisten beteiligt waren. Israelische Geheimdienstquellen bestätigten im August 2011 die organisierte Anwerbung terroristischer Kämpfer durch die NATO:

»In den NATO-Hauptquartieren in Brüssel und im türkischen Oberkommando werden derweil Pläne für die ersten militärischen Schritte in Syrien geschmiedet, die darin bestehen, die Aufständischen mit Waffen zur Bekämpfung von Panzern und Hubschraubern auszustatten…

»Wie unsere Quellen berichten, wird in Brüssel und Ankara auch darüber nachgedacht, tausende muslimischer Freiwilliger aus Ländern des Nahen und Mittleren Ostens sowie der muslimischen Welt insgesamt anzuwerben, die auf Seiten der syrischen Rebellen kämpfen sollen. Die türkische Armee würde diese Freiwilligen unterbringen, für ihre Ausbildung sorgen und sie später sicher nach Syrien einschleusen

NATO to give rebels anti-tank weapons«, in: DEBKAfile, 14. August 2011,  Hervorhebungen vom Verfasser.)

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