Sonntag, 3. Juni 2012

Bilderberg 2012 - Bericht über die Themen des Treffens

Bilderberger-Treffen: Gerüchte, Rechtsruck und echte NATO-Probleme

Von Webster G. Tarpley
Am zweiten Tag des Bilderberger-Treffens 2012 in der Nähe Washingtons herrschte Weltuntergangswetter. Sechs Stunden lang zogen zum Teil orkanartige Regenstürme über die ganze Gegend, es gab gar eine Tornadowarnung. Die öffentlichen Verkehrsmittel waren weitgehend lahmgelegt. An der weltweiten Börse ging es ebenso trostlos zu. Das war die Kulisse des gestrigen Bilderbergertreffens, passend zur Themenlage.
Der diesjährige Bilderberg-Teilnehmer Jürgen Trittin (Grüne), fährt bei seinen Strippenziehern vor

Wir wissen, dass in klassischen Dramen die Autoren meist das Wetter thematisieren, um eine Szene zu beschreiben, in der eine menschliche Tätigkeit im Mittelpunkt des Stücks steht. Es genügt vielleicht, wenn wir uns an Shakespeares »König Lear« erinnern: Der König wird verrückt, er geht wegen eines Gewitters auf die Heide. Hier entsteht die fürchterliche Szene des Wahnsinns.


Diese Herrschaften von der Bilderberger-Gruppe wollen ja ein Welt-Gewitter heraufbeschwören, und vielleicht ist es deswegen auch so passend, dass die Elemente den Widerhall geben für dieses Vorhaben. Dazu kommt auch ein Mini Börsenkrach, Minus 275 Punkte, ein Minus von 2,25 Prozent an der New Yorker Börse. Eine schöne Inszenierung für das Treffen der Mächtigen. Auffallend ist in diesem Jahr, um wie viel mehr sich die Mainstream- Presse plötzlich den Bilderbergern widmet. Durch die langjährige Arbeit unabhängiger Journalisten scheint nun das Interesse der Öffentlichkeit erwacht, die Menschen möchten wissen, wer zu den Strippenziehern des Weltgeschehens gehört. Und so dürfte es nicht uninteressant sein zu erfahren, dass auch die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender im amerikanischen Chantilly vertreten waren, um diesem angeblichen »Verschwörungstreffen« beizuwohnen. Doch was werden die Zuschauer am Ende an Informationen serviert bekommen?


Das Zweite Deutsche Fernsehen rückte mit einem Kamerateam an, ebenso das österreichische Fernsehen ORF, die London Times, das spanische Fernsehen, das russische Fernsehen RT, der Londoner Guardian, die Washington Times und zahlreiche Websites wie zum Beispiel der Drudge-Report, eine sehr populäre, rechtsgerichtete Website.In diesem Zusammenhang entsteht nun ein interessantes Phänomen: Solange Bilderberg nur wenigen bekannt war, gab es einfach eine Nachrichtensperre, die Medien brauchten nichts zu berichten, es war alles tabuisiert, kein Wort, Schluss, Feierabend!


Jetzt aber ist Bilderberg einigermaßen bekannt geworden. Und deswegen entsteht natürlich auch, wie immer, sofort die Notwendigkeit der Desinformation. Gewisse Persönlichkeiten streuen deswegen fleißig diese falschen Informationen, sie entstellen die Wahrheit, das, was auf dem Treffen geschieht, ist etwas anderes, als es nach draußen nun von ganz bestimmten Leuten dargestellt wird. Das Publikum soll, wen wundert es, hinters Licht geführt werden.


Eins scheint klar zu sein: In diesem Jahr soll, was die künftige US-Regierung angeht, eine brutale Wendung nach rechts vorbereitet werden. Das ist eine ähnliche Situation, wie sie nach dem Scheitern des ehemaligen US-Präsidenten Carter eingetreten war. Nach Carters Versagen entstand ein reaktionärer Albdruck, mit dem strategischen Globalpolitiker Zbigniew Brzeziński und dem US-amerikanischen Politikwissenschaftler Samuel Huntington, es folgte die Antwort Ronald Reagan, und diese Antwort hat mehr als zwanzig Jahre gedauert. Das ist ein Beispiel für das Handwerk der Bilderberger damals, erst die Wende nach links und danach eine massive Wendung nach rechts. Dieses Mal können wir die Zeichen vorher lesen. 


Ein erster Wink ist die Anwesenheit des Gouverneurs von Indiana, Mitch Daniels. Er ist der einzige Bewerber für die Vizepräsidentschaft, der, soweit wir wissen, auf dem Treffen erschienen ist. Ihm ist es gelungen, die Austeritätsmaßnahmen, also die strengen Sparbeschlüsse, durchzupeitschen, ohne eine große Gegenattacke auszulösen. Mitch Daniels soll zusammenarbeiten mit Mitt Romney: Romney als Präsident, Daniels als Vizepräsident. Das ist eine Rechtswende. Die Politik dieser Regierung wäre die brutale Austerität im Inneren, und nach außen eine Rückkehr zur Konfrontationspolitik mit den Neocons. Jetzt hat der russische Präsident Putin den Anglo-Amerikanern die Grenzen der Destabilisierung und Einmischung wenigstens vorläufig gezeigt.


Nun orientieren sich die Neocon an Romney, der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Robert Kaplan ist in den Zeitungen zitiert worden als Romneys Sprecher. Von Romneys 25 wichtigsten Beratern in der Außenpolitik sind ganze 18 Neocons aus der Bush-Zeit. Das sind Kriegstreiber, es sind Leute die auf Konfrontationskurs mit Russland und China gehen wollen. Das können wir auch erkennen durch die Anwesenheit des russischen Politikers und Unternehmers Anatolij Tschubais, dem »König der russischen Oligarchen«, dem »Zar der Nomenklatura«, und dem ehemaligen Schachweltmeister Garri Kasparow, dem »Chaoten« der seine Scharen von Chaoten gegen Putin auf den Straßen Moskaus anführt.


Das sind meines Erachtens einige der wichtigsten Ereignisse, die wir durch eine Art Kriminologie erkennen können. Aber da kommen die nun selbsternannten Experten, die »unabhängigen Berichterstatter« für Bilderberg. Sie streuen Desinformationen. Es handelt sich meist um rechte Ideologen, die sich jetzt etwas einfallen lassen beziehungsweise erfinden, indem sie erzählen was sie wollen, denn Bilderberg geschieht hinter geschlossenen Türen. Hier entstehen Entstellungen, hier werden Zerrbilder verkauft.Zum Beispiel James (Jim) Tucker, der Dojen der Bilderberg-Experten. Er war auf der Bush-Seite 2004, während des Irakkrieges. Heute ist er jetzt für Romney. Das ist kein Kritiker des Systems. Er hat in einem Interview mit dem amerikanischen »Aufdecker«- Journalisten Alex Jones behauptet, die Bilderberger seien entsetzt wegen des Wachstums der Freiheits- und Patriotenbewegungen. Das ist ein Märchen! Die Bilderberger sind gerne bereit, diese Menschen zu manipulieren und für ihre Zwecke auszunutzen. Sie haben keine Furcht vor Patrioten dieser Art.


Ein zweites Märchen von Tucker: Die Bilderberger seien besorgt, dass Griechenland den Euro verlassen könnte. Das ist Unsinn! Die Bilderberger sind genau jene Leute, die die gesamte wirtschaftliche Kriegsführung gegen den Euro geplant und ausgeführt haben, und zwar zynisch, vom grünen Tisch aus. Ihre Linie ist natürlich die Zerschlagung des Euro zur Rettung des Dollar und des britischen Pfundes. Die neue Linkspartei in Griechenland, SYRIZA, besteht unterdessen auf dem Verbleib in der Eurozone.


Eine dritte Erzählung von Tucker: Es gäbe eine Verschwörung innerhalb der Bilderberger-Gruppe, den US-Präsidentschaftskandidaten Ron Paul zu liquidieren. Tatsache ist, dass der deutschstämmige US-Milliardär und Investor Peter Thiel aus dem Exekutiv-Kommitee der Bilderberger 2,7 Millionen Dollar für den Wahlkampf von Ron Paul bereitgestellt hat. Das ist also eine ziemlich unsinnige Erfindung.


Wir sollten uns die Frage stellen: Wen fürchten eigentlich die Bilderberger? Ron Paul wird gefürchtet, wird finanziert. OCCUPY mit den AdBusters und dem Anarchisten David Graeber, ebenso wie Wikileaks-Gründer Julien Assange werden ferngesteuert. Was die Bilderberger eigentlich hassen und fürchten, ist die linksgerichtete Partei SYRIZA in Griechenland, Alex Tsipras und seine Leute: Die Atlantiker platzen vor lauter Wut über diese Entwicklungen in Griechenland.


Ein anderes Thema für die Erörterungen hinter den Kulissen: Es soll einen Aufstand gegen die NATO auf dem Balkan geben. In Griechenland, wie erwähnt, gibt es den linken Tsipras, und dieser Tsipras fragt: Warum haben wir noch griechische Soldaten in Afghanistan? In Mazedonien sagt der Premierminister Nikola Gruevski nach einer Reise nach China, »wir können sehr wohl ohne die NATO sein«. Die US-Botschaft ist vor lauter Wut geplatzt.


In Serbien haben wir den neuen Präsidenten Tomislav Nikolić, und der sagt klar: »Europa ja, NATO nein«! Er will ein Haus mit zwei Türen, wirtschaftlich nach Europa, politisch offene Türen für Moskau. Griechenland, Mazedonien, Serbien, dazu kommen ähnlich Entwicklungen in Montenegro und Kroatien. Entsteht hier vielleicht ein Balkan-Block gegen die NATO, ohne die NATO?


Das sind die Themen, die die Herrschaften auf diesem Treffen wirklich beunruhigen. Deshalb sollten wir eine gesunde Skepsis üben gegenüber Gerüchten und Quellen, die gar nicht kontrollierbar sind und mehr oder weniger ideologische Gedankenplätze ausdrücken.


Quelle: info.kopp-verlag.de

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1 Kommentar:

  1. Große und kleine Wichtigtuer

    Im deutschen Sprachgebrauch gibt es die schöne Unterscheidung zwischen “Unternehmer” und “Geschäftemacher”. Während der eigentliche Antrieb unternehmerischen Handelns in der Erzielung von verdientem Knappheitsgewinn aufgrund selbsterarbeiteter, technologischer Innovation besteht, ist ein Geschäftemacher nur an unverdientem Knappheitsgewinn auf Kosten der Mehrarbeit anderer durch die geschickte Ausnutzung des im Kapitalismus elementaren Geld- und Bodenmonopols interessiert, weil seine Intelligenz für eigene technologische Innovation nicht ausreicht.

    Ein kleiner Wichtigtuer wie Jürgen Trittin trifft sich in der Regel deshalb mit Geschäftemachern, um irgendwo ein Manager-Pöstchen abzustauben, das etwas besser bezahlt wird als die undankbare Aufgabe, “Volksvertreter” zu spielen.

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