Dienstag, 20. September 2011

Anomie oder Anarchie? - Die richtige Bezeichnung für Gesetzlosigkeit und Chaos


Zu oft und völlig zu unrecht, wird in den Medien von Chaos und Anarchie gesprochen, linksradikale, oftmals gewaltbereite Demonstranten fast immer als Anarchisten bezeichnet. So, dass man den Eindruck bekommt, Anarchie sei jenes Chaos der Gewalt, in dem das Recht des Stärkeren dominiert.

Selbst "seriöse und intellektuelle" Medien benutzen den Terminus falsch und plakativ für Ausschreitungen und Krawalle. Dabei ist die wahre Bedeutung von Unordnung- und Gesetzlosigkeit, Anomie, dazu heißt es in Wikipedia:



Anomie (griech.: Kompositum aus α privativum zur Verneinung und der Endung -nomie für νόμος = „Ordnung, Gesetz“) bezeichnet in der Soziologie einen Zustand fehlender oder schwacher sozialer Normen, Regeln und Ordnung... Zur Beschreibung einer Anomie wird umgangssprachlich und irreführend häufig auch das Wort Anarchie (Abwesenheit von Herrschaft) benutzt."


Anarchie hingegen ist die höchste, gerechteste und freieste Gesellschaftsform die wir kennen, weil sie, so wie alle anderen, keine hierarchische ist. Nur, dass Anarchie funktionieren kann und jedem Einzelnen ungeahnte Vorteile und Freiheiten bringen kann, wissen nur die wenigsten.

Anarchie ist ein Reizwort, absolut negativ besetzt und kaum verstanden. Bewusst natürlich, wenn man alles versucht, die Demokratie, die irgendwann - und wir sind am besten Weg dazu - in einem totalitären System enden muss. Trotzdem versuchen uns die Demokraten weiss zu machen, dass es nichts besseres als die Demokratie gibt, denn in der Demokratie geht die Macht vom Volk aus!!! Kapiert? Nein? Dann geht es dir ebenso wie mir. Ich habe, als Staatsbürger eines demokratischen Staates nur eine Möglichkeit, Macht auszuüben, nämlich am Wahltag. Dann darf ich jemanden wählen, der meine Interessen vertritt ... das heisst, ich übergebe ihm dieses kleine Stück Macht. Ob dieser Gewählte nun wirklich meine Interessen vertritt, bleibt dahin gestellt. Ich habe das grosse Problem, überhaupt keinen Politiker oder Partei wählen zu können, weil niemand von denen meine tatsächlichen Interessen vertritt. Sie vertreten Ideologien und Programme, keinerlei Interessen von nur einem ihrer Wähler. Und warum sollte nun die Demokratie die beste Staatsform sein, wenn sie NICHT die Interessen der Wähler, sondern nur die Interessen der Parteien vertritt?

Betrachten wir die Anarchie ein wenig differenzierter und betrachten wir die Vorurteile, die durch die Medien entstanden sind. Und danach wirst auch du, mein lieber Freund, überrascht sein und erkennen, warum die Politik eine berechtigte Angst vor einer Anarchie hat. Weil sie dann völlig überflüssig wäre!




Vorurteil: Anarchie herrscht
Wenn irgendwo auf der Welt Autos brennen oder sich Menschen gegenseitig massakrieren, behaupten die Medien in schöner Regelmässigkeit: dort herrscht Chaos und Anarchie ... Aber wenn ein Mensch am Boden liegt, während ein anderer auf ihn einprügelt, dann ist das NIEMALS Anarchie, sondern das genaue Gegenteil davon! Nämlich Hierarchie, also das Prinzip, nach dem unsere gesamte Gesellschaft aufgebaut ist! Gewalt ist IMMER Machtausübung und Machtausübung ist, konsequent zu Ende gedacht, IMMER Gewalt! Auch wenn sie scheinbar zivilisiert vom Schreibtisch aus verübt wird. Anarchisten lehnen sowohl die eine, als auch die andere Form von Unterdrückung ab, denn Anarchie herrscht eben NICHT!

Vorurteil: Anarchisten sind Feinde der Demokratie
Anarchie bedeutet "Leben und leben lassen". Wer beten will, soll beten. Wer nicht beten will, macht eben was anderes. Alles ist ok, solange man es keinem anderen auszwingt. Dadurch wird auch niemand geschädigt! Demokratie hingegen bedeutet leider viel zu oft, wenn die Mehrheit der Bevölkerung dafür ist, Beten zur Pflicht zu machen, dann muss sich auch der Rest daran halten ... oder damit rechnen, bestraft zu werden. Diese Form der Demokratie, die in Wahrheit nur eine vom Volk selbst legitimierte Diktatur ist, halten Anarchisten für kein zukunftsfähiges Modell des Zusammenlebens. Daher kann Demokratie, so wie wir sie heute kennen, nicht viel mehr als ein Durchgangsstadium sein, auf dem langen Weg des Menschen vom dummen Befehlsempfänger zu einem frei denkenden, aufgeklärten Wesen - was an sich die grösste Gefahr der herrschenden Polit- und Gesellschaftssysteme ist.

Vorurteil: Anarchie funktioniert nicht
Und natürlich, mit den Auswüchsen und Extremen dieser Gesellschaft kann Anarchie nicht funktionieren! Das ist der Trick der Mächtigen: Zuerst werden die Menschen systematisch verblödet (TV, Medien, Bildungspolitik, Kirche, Fanatismus in jeglicher Form) und dann behauptet man, sie seien zu dumm, um ohne ständige Überwachung, Kontrolle und Bevormundung leben zu können. Ein Teufelskreis, der nur durchbrochen werden kann, indem man die Menschen aufklärt und ihnen ihre geistige Freiheit und Kritikfähigkeit zurückgibt.

Vorurteil: Anarchisten sind alle gleich
Die anarchistische Idee ist nicht auf eine bestimmte Gesellschaftsschicht, Szene oder Subkultur beschränkt. Wenn du keinen Bock hast, dich herumkommandieren zu lassen, von Eltern, Lehrern, Chefs, Medien, Staatsdienern, Politikern oder wem auch immer, und wenn du auch keinen Sinn darin siehst, andere herumzukommandieren, weil du diese Herrenmenschen-Scheisse nicht nötig hast und Freiheit, geistige Freiheit für dich etwas Heiliges ist ... dann bist du ANARCHIST.

Anarchie ist kein Klischee und keine Mode-Erscheinung, Anarchie ist vielmehr die einzig konsequente Antwort auf die kranke Geschichte der Menschheit!

Im Anarchismus ist Anarchie die angestrebte Wirtschafts- und Gesellschaftsform freier und gleicher Menschen.

„Eine Welt in der keiner regieren soll, über die Arbeit und Mühe eines anderen, (...) Das ist Anarchie. Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, den Schwachen den Starken ‚ihn’ und ‚sie’ wo ‚deins’ und ‚meins’ keinen unterdrücken wird – Das ist Anarchie.“ (David Edelstadt)

„Anarchie, zu deutsch: ohne Herrschaft, ohne Obrigkeit, ohne Staat, bezeichnet somit den von den Anarchisten erstrebten Zustand der gesellschaftlichen Ordnung, nämlich die Freiheit jedes einzelnen durch die allgemeine Freiheit. In dieser Zielsetzung, in nichts anderem, besteht die Verbundenheit aller Anarchisten untereinander, besteht die grundsätzliche Unterscheidung des Anarchismus von allen andern Gesellschaftslehren und Menschheitsbekenntnissen. (...) Die Verneinung der Macht in der gesellschaftlichen Organisation ist das maßgebliche Wesensmerkmal der Anarchie.“ (Erich Mühsam)

Anarchie bedeutet somit für Anarchisten, dass jeder Mensch sich ohne unterdrückende Autorität und in freier Assoziation mit anderen Menschen entfalten kann. Eine solche Organisationsstruktur wird hierarchie-, zwangs- und gewaltfrei gedacht und sollte nicht mit einer herkömmlichen Verwaltung verwechselt werden. Eine anarchistische Gesellschaft ist eine Gesellschaft, in der jeder Mensch selbst beziehungsweise in Kooperation mit anderen für die eigenen Lebensumstände Verantwortung übernimmt. Es gibt keinerlei lenkende Zentralgewalt. Sanktionen gehen nicht von einer Führungsschicht aus, sondern sind nur möglich, wenn vorher vereinbarte Regeln verletzt wurden. Als weitestgehende Konsequenz wird dabei der Ausschluss aus der kommunalen Gemeinschaft angeführt. Die Anarchisten wollen die Gesellschaft sich selbst regeln lassen, etwa über Räte, freie Übereinkunft oder rein funktionale Entscheidungen, mit den Worten von Pierre Joseph Proudhon: „Anarchie ist Ordnung ohne Herrschaft.“


Quelle: schnittpunkt2012.blogspot.com

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