Dienstag, 17. Mai 2011

Wie Deutschland und die USA bei den Arbeitslosenzahlen betrügen

Was bleibt übrig, wenn es keine positiven Nachrichten mehr gibt? Richtig, man muss sie erfinden und schlechte Zahlen so lange frisieren, bis sie gut aussehen.

Deutschland: Offizieller Betrug

Es ist alles gut, mit Deutschland geht es bergauf, wir sind die Besten! Zuviel Hysterie ist unglaubwürdig. Aber darauf nehmen unsere regierungsgläubigen Mainstreammedien keine Rücksicht und beten seit Wochen geschönte Konjunkturdaten und gefälschte Arbeitslosenzahlen nach.
Auch die monatlichen Berichte der Bundesagentur für Arbeit (BA) strotzen vor Selbstgefälligkeit und verkünden mantragleich das »deutsche Jobwunder« und »sinkende« Arbeitslosenzahlen.

Dabei ist dieses »Jobwunder« ganz einfach zu erklären: Die Zahlen werden »schöngerechnet«, damit die Menschen in Zeiten der Schuldenkrise auch mal etwas Positives zu hören bekommen.
Dabei macht die BA gar keinen Hehl daraus, wie die Zahlen verfälscht werden, ich zitiere (Hervorhebungen durch mich):
»Durch das Gesetz zur Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente wurde mit Wirkung zum 1. Januar 2009 eine Reihe von Instrumenten verändert, abgeschafft oder neu gestaltet. (…) Die Neuausrichtung der Instrumente hat indirekt Auswirkungen auf die Vergleichbarkeit der Arbeitslosenzahlen im Zeitablauf. Nach § 16 Absatz 2 SGB III gelten Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik nicht als arbeitslos. Diese Regelung kommt bei den neuen Maßnahmen nach § 46 SGB III zum Tragen und entsprechend werden Teilnehmer an solchen Maßnahmen einheitlich nicht als arbeitslos geführt. Dies galt auch schon für Teilnehmer an Eignungsfeststellungs- und Trainingsmaßnahmen. (…) Erwerbsfähige Hilfsbedürftige, die nach Vollendung des 58. Lebensjahres mindestens für die Dauer von zwölf Monaten Leistungen der Grundsicherung für Arbeitssuchende bezogen haben, ohne dass ihnen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten worden ist, gelten nach Ablauf dieses Zeitraums für die Dauer des jeweiligen Leistungsbezugs nicht als arbeitslos (…).«
Folgende arbeitsmarktpolitische Instrumente« werden lt. Bericht der BA aktuell in die »Entlastungsrechnung« einbezogen:
  • Kurzarbeiter
  • ABM
  • Beschäftigungszuschuss
  • Berufliche Weiterbildung (einschl. Reha)
  • Eignungsfeststellungs- und Trainingsmaßnahmen (einschl. Reha; Restabwicklung)
  • Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung
  • Vorruhestandsähnliche Regelungen: Personen in geförderter Altersteilzeit
  • Förderung der Selbstständigkeit durch Gründungszuschuss u. ä.
  • Personen, die arbeitsunfähig sind und Arbeitslosengeld beziehen
  • Aktivierung und berufliche Eingliederung
  • Eignungsfeststellungs- und Trainingsmaßnahmen

Nach § 16 Abs. 2 SGB III gelten also alle Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik als nicht arbeitslos.
Doch das interessiert die Mainstreammedien nicht, stattdessen beten sie mantragleich das Märchen von sinkenden Arbeitslosenzahlen nach: Die schöngerechnete, offizielle Arbeitslosenzahl im April 2011 beträgt demnach: 3.078 Millionen.
Doch dazu kommen aber noch einmal 1,33 Millionen Menschen, in arbeitsmarktpolitischen Instrumenten, die nicht dazugezählt werden. Unbeschönigt müsste die Arbeitslosenzahl also 4,4 Millionen lauten.

USA: Offizieller Betrug

Ähnliche »Tricks«, um die wahre Arbeitslosigkeit zu verschleiern, kennt man auch in den USA. Dort jubeln die regierungstreuen Medien ebenso: »US-Wirtschaft schafft mehr Arbeitsplätze«; »Mehr Jobs entstanden als erwartet« und »Weniger Arbeitslose«.
Doch auch im einstigen Land der unbegrenzten Möglichkeiten fallen viele Arbeitslose aus der Statistik. Die offizielle Arbeitslosenquote beträgt 9,0 Prozent (zum Vergleich, Deutschland: 6,4 Prozent). Folgende Menschen fallen aus der Statistik: Wer nur eine Stunde pro Woche arbeitet oder wer auf die Frage »Haben Sie in den vergangenen vier Wochen irgendwelche Anstrengungen unternommen, Arbeit zu finden?« mit Nein antwortet, gilt nicht mehr als arbeitslos. Somit beträgt die ungeschönte Arbeitslosenquote fast das Doppelte als die offizielle, nämlich 15,9 Prozent. Zwischenzeitlich sind 46 Prozent (sechs Millionen) aller Jobsuchenden mehr als ein halbes Jahr ohne Arbeit.


Quelle: http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/michael-grandt/wie-deutschland-und-die-usa-bei-den-arbeitslosenzahlen-betruegen.html

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