Montag, 9. Mai 2011

Über 1 Million US-geführte Soldaten und Söldner in Irak und Afghanistan

Iran, Iraq, whatever

Iran Situation: Die USA ziehen in Asien eine strategische Streitmacht nie gekannten Ausmasses zusammen. Auch Pakistan gerät in den Sog. Angesichts grosser Kriegsmüdigkeit im eigenen Machtraum, setzt man auf die Rekrutierung ganzer Söldnerheere und Milizen.

Afghanistan:
Laut dem US-Journalisten Jeremy Scahill, der seit Jahren u.a. über Blackwater recherchiert, hat die Obama-Regierung in der zentralasiatischen Besatzungszone des Nordatlantik-Paktes 189.000 eigene Streitkräfte unter ihrem Sold. 68.000 davon sind reguläre Soldaten der staatlichen US-Militärs und 121.000 davon sind “contractors”, also Söldner (1). Diese arbeiten nicht nur für das Pentagon, sondern auch für das Aussenministerium unter Hillary Clinton, sowie für die “Behörde der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung”.
Dabei nicht einmal einberechnet (und durch die Washingtoner Kriegspräsidentschaft in den Statistiken systematisch unterschlagen): Unterstützungs-, Versorgungs- und Logistikeinheiten. Allein für die zusätzlich 21.000 regulären US-Soldaten in Kampfeinheiten, welche die Obama-Regierung im März 2009 nach Afghanistan entsandte, gingen still und leise 13.000 weitere “Service Members” (“Dienstleistende”) der US-Militärs mit. Die “Washington Post” (2) musste, offenbar auf zarten Hinweis der US-Regierung, extra vermerken, dass man dies selbstverständlich überall hätte lesen können, wenn man es hätte finden können, wenn man es gesucht hätte.
Nun ist die Obama-Regierung bereits dabei, die Zahl der regulären Soldaten in Kampfeinheiten (ohne die Unterstützungs-Einheiten) um 30.000 auf grob 110.000 zu erhöhen. Angeblich sollen diesmal als reguläre Unterstützereinheiten nur 3000 US-Soldaten dazukommen.
Ebenso wird die Zahl der Söldner in Afghanistan massiv erhöht: wie die liberale Zeitung “Oped News” (3) meldet, um 56.000. Dazu kommmen nach Nato-Angaben (4) aktuell 37.000 Isaf-Soldaten aus anderen Ländern, unsere eigene beschauliche Kolonie mit eingerechnet. Diese Nato-Truppen sollen um weitere 10.000 erhöht werden.
Damit aber nicht genug. Dazu kommen derzeit offiziell 190.000 afghanische Soldaten und Paramilitärs der “Polizei” (6). Die vielen “Taliban”, mit denen sich gerade die amerikanische (7, 8), britische (9) und deutsche (10) Regierung einig werden (und das nicht erst seit diesem Jahr, 11), sind dabei (noch) nicht mit einbezogen. Die Zahl der “regulären” Regierungsmilitärs und Paramilitärs in Kabul soll aber auf 400.000 steigen (12). Bis dahin dürfte eventuell weniger Zeit vergehen, als man denkt, wenn man nun einen Afghanen ohne und einen Afghanen mit Uniform zusammenzählen kann.
Zusammengefasst sind das allein in Afghanistan aktuell 417.000 Militärs und Paramilitärs unter Befehl des Oberkommandieren, US-Präsident Barack Obama.
Diese Streitmacht ist dabei auf über 700.000 Soldaten, Söldner und Paramilitärs erhöht zu werden. Hinzu kommen Spione, nicht aufgeführte Spezialeinheiten, irreguläre Milizen und Söldner, die im Kriegsgebiet für Konzerne arbeiten.

Irak:
In der westasiatischen Besatzungszone stehen immer noch offiziell 115.000 reguläre staatliche Soldaten der Vereinigten Staaten von Amerika, plus 180.000 aus den Armutsgebieten der ganzen Welt zusammenrekrutierte Söldner (13).
Auch hier kommen die Truppen, Söldner und Paramilitärs des Kolonialregimes in Bagdad dazu. Deren Zahl wurde von bereits im Jahre 2006 mit ca. 340.000 angegeben.
Das macht im Irak, vorsichtig geschätzt, derzeit eine Streitmacht von geschätzt 635.000 Soldaten, Söldnern und Paramilitärs unter US-Kommando.

Pakistan:
Nach einem seit August 2007 – mit Ansage (15) – systematisch geführten Tauziehen zwischen den USA und dem damaligen pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf um die Kontrolle der Atomwaffen Pakistans (16), trat Musharraf schliesslich im August 2008 zurück und wurde am 6.September 2008 durch Asif Ali Zardari ersetzt, bis heute von Beruf “westlich orientierter Witwer” von Benazir Bhutto (17).
Einen Tag vor der Ermordung Bhuttos hatte am 26.Dezember 2007 das Pentagon eine massive Verstärkung der US-Truppen auf pakistanischem Territorium angekündigt, angeblich zur “Beratung” und mit Einverständnis der pakistanischen Militärs. Ausgerechnet Adm. Eric T. Olson, Chef des weltweit operierenden Special Operations Command der US-Streitkräfte SOCOM, reiste dreimal innerhalb weniger Monate nach Pakistan, im August, November und Dezember 2007. Er traf sich dort explizit in der bis heute umkämpften nordwestlichen Grenzprozinz Pakistans mit den verschiedenen Fraktionen der pakistanischen bewaffneten Einheiten, dem Generalsstabschef Gen. Tariq Majid und Lt. Gen. Muhammad Masood Aslam, dem Kommandeur der dort operierenden Paramilitärs. Ausserdem besuchte Socom-Chef Olson das Hauptquartier einer seperaten Truppe von Paramilitärs, die sich aus Stammesangehörigen der dortigen Grenzregion zusammensetzt. (18)
Kurz vor der Ermordung Bhuttos im Dezember 2007 hatte Musharraf öffentlich ihre Rückkehr als Ministerpräsidentin ins Spiel gebracht. Er selbst hatte vorher die Kontrolle über die Atomwaffen auf das Präsidentenamt, also sich selbst übertragen. (19)
Zwei Jahre später nun übergab Musharrafs Nachfolger als Pakistans Präsident, Asif Ali Zardari, die Einsatzvollmacht über die Atomstreitmacht wieder an den Premierminister, Yousuf Raza Gilani (20).
Vor wenigen Tagen nun sass der Chef des US-Zentralkommandos, General David Petraeus, beim mächtigsten pakistanischen Militär, Armee-General Ashfaq Kayani. Sowohl Petraeus, als auch der nominell höchste Militär der USA, Generalstäbe-Chef Mike Mullen, übten massiv Druck auf das Militär Pakistans und die Regierung aus. Offiziell ging es um eine Ausweitung der seit Monaten laufenden Militäroperationen des pakistanischen Militärs im Westen des Staates gegen “die Taliban” (21). Als Armeechef Kayani sich weigerte, eine neue Front zu eröffnen (22), verbot das Oberste Gericht Pakistans über eine Antikorruptionsbehörde fast 250 Vertretern der pakistanischen Oberschicht, das Land zu verlassen. Zeitweise wurde sogar der Verteidigungsminister am Flughafen festgesetzt. (23)
Vor kurzem umschrieb “Oped News”, hilfreich für die Milliarden von Menschen die es bisher nicht begriffen hatten, dass spätestens mit der Entscheidung der US-Regierung für einen massive Truppenverstärkung in Afghanistan in der Region “der längste Krieg der Welt begonnen hat”. Ein Zitat erläutert vielleicht die bizarre Blindheit, welche immer noch viele  über die eigentlichen Kontrahenten dieses Krieges erfasst hat:
“Zusammen mit einer pakistanischen Armee von 700.000 aktiven Soldaten auf der einen Seite der Grenze und einer afghanischen Armee von 100.000 Soldaten, wird dort bald über eine Million Militärpersonal einen Krieg mit ein paar Hundert al-Qaeda- und ein paar Tausend Taliban-Kräften führen.”
Hier noch einmal die Zahlen, zusammengesetzt aus Berichten, offiziellen Zahlen und vorsichtigen Schätzungen:
Bodentruppen unter US-Kommando in Afghanistan
aktuell: 417.000
angepeiltes Ziel: über 700.000
Streitkräfte unter US-Kommando im Irak: 635.000
Der Iran sieht sich also – allein in den von den USA und ihren Koalitionären besetzten Nachbarländern Afghanistan und Irak – einer US-geführten Streitmacht von derzeit über einer Million Soldaten, Söldner und Paramilitärs gegenüber. Diese Streitmacht soll noch auf über 1.3 Millionen erhöht werden.
Die Streitkräfte Pakistans, welches eine unruhige Grenze mit dem Iran teilt, muss man zumindest einkalkulieren: 700.000 (ohne US-Einheiten). Nicht zu vergessen die Landstreitkräfte des ebenfalls an den Iran grenzenden Nato-Mitglieds Türkei: rund 500.000 Soldaten.
Dazu kommen noch sämtliche Seestreitkräfte der 5. US-Flotte, mit zwei Flugzeugträgern, atomwaffenbestückten U-Booten, 20 High-Tech-Kriegsschiffen und 20.000 Marinesoldaten (28), welche permanent direkt vor Iran den Persischen Golf rauf und runter patroullieren. Die 5.Flotte untersteht dem Zentralkommando und damit seinem Chef Petraeus.
Schon im Februar 2007 deutete der Kommandeur der 5.Flotte, Vize-Admiral Walsh, an, um wen es bei diesem gigantischen Aufmarsch von Armeen, Flotten und Luftstreitkräften tatsächlich gehen könnte: den Iran. Dieser sei für die strategische Lage am Golf vielleicht sogar gefährlicher als die al-Qaeda, wegen der man ja eigentlich in Legionsstärke angerückt sei: (24)
“Wenn sie sich die jüngsten iranischen Manöver ansehen, in den letzten neun Monaten, sehen sie die offene Zurschaustellung und Implikation des Gebrauches von Minen. Sie sehen und hören ausserdem Besorgnis und Drohungen über die Schliessung der Strasse von Hormuz.”
Und als wären es nicht bald drei Jahre, sondern gestern gewesen, veröffentliche die Marinespionage des Iran diesen November öffentlich eine Studie, die schilderte wie leicht doch das Verminen der Strasse von Hormuz den iranischen Marinekräften gelingen werde, im Falle des Falles. (25)
Seit dem gescheiterten Einmarsch israelischer Truppen in den Libanon – und dem schon währenddessen einsetzendem Gebrüll nach deutschen Soldaten – liegt eine deutsche Flotte vor dem Mittelmeerland. Angeblich soll sie dort Waffentransporte über See in den Libanon verhindern – aus Syrien. Niemand in Deutschland scheint es mehr für nötig zu befinden, einmal in seinem ganzen Leben eine Landkarte zu betrachten. Dementsprechend hat die deutsche Unifil-Flotte auch in über drei Jahren nie ein einziges Schiff kontrolliert. Trotzdem wurde jetzt im Dezember das Mandat durch den Bundestag schon wieder verlängert. Don´t ask, won´t tell. Im Zweifel hat man es auf die schiitische Regierungspartei Hisbollah abgesehen, sowie auf Syrien, den langjährigen Allierten Irans.
Ebenso ist der gigantische Stau wild zusammengewürfelter Marineverbände vor dem Horn von Afrika und im Arabischen Meer mit rationalen Erklärungsmustern nicht zu umschreiben; es sei denn, man sieht diese Flotten als strategische Reserve für eine Seeblockade gegen den Iran. Auch hier – niemand redet darüber, wozu man bei der EU-Militärmission “Atalanta” gegen “Piraten” (die, trotz Kriegsschiffe in der Nähe, aus Schlauchbooten mitten im Meer die Rehling hochfliegend ganze Schiffsbesatzungen als Geisel nehmen) eigentlich U-Boot-Zerstörer braucht.
Dass es bei der Forderung aus Washington – für 3000 deutsche Soldaten in Afghanistan mehr – nicht um irgendeinen “zivilmilitärischen Ansatz” , irgendeinen 8 Jahre lang nicht funktionierenden “Aufbau” oder sonstigen Blödsinn geht, machte der höchste Kriegsstratege (“Sicherheitsbeauftragte”) der Obama-Regierung, James Jones diesen Dezember der Weltöffentlichkeit eigentlich ziemlich deutlich (26):
“Wir haben strategische Interessen in Südasien. Das sollte nicht im Hinblick auf eine begrenzte Zeit bemessen werden. Wir werden in der Region eine lange Zeit bleiben”
Fragt sich nur, wer mit “wir” gemeint ist. Sogar die Briten verlangen mit 71% in den Umfragen eine Rückkehr ihrer Truppen aus Afghanistan (27). Der komplette Zusammenbruch der ehemaligen Sozialdemokraten auch in der britischen Monarchie, dort unter dem schwankhaften Labour-König Gordon Brown, dürfte genau dafür schon bald sorgen.
Bleiben eigentlich nur noch die Deutschen. Diese sollten sich endlich vor Augen führen, dass sie – schon wieder – mitten in einem ganz normalem Weltkrieg gelandet sind und schleunigst machen, dass sie da rauskommen.
Die Frage, warum nun ausgerechnet die paar Tausend deutsche Soldaten da eine so grosse Rolle spielen sollten, lässt sich leicht erklären:
Man ersetze das Wort “Soldaten” einfach durch das Wort “Geiseln”.


Quelle: http://www.radio-utopie.de/2009/12/24/uber-1-million-us-gefuhrte-soldaten-und-soldner-in-irak-und-afganistan/

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Alternative Medien

Blog-Archiv