Montag, 30. Mai 2011

Regionalgeld: Solide Alternative zur jetzigen Geldsystem

Bedingt durch die immer umfänglichere Aufklärung und die Kenntnis der Menschen über das herrschende Geldsystem und dessen Systemfehler hat sich auch heute wieder - wie zu Zeiten des "Wunder von Wörgl" - eine Bewegung für alternatives Geld gebildet. Diesmal scheint sie jedoch facettenreicher und überregionaler zu sein.

Was Regionalgeld ist und wie es funktioniert veranschaulicht folgendes Video:



Neuerdings gibt es auch eine deutschlandweite Komplementärwährung, Die Freie Deutsche Mark. Sie soll die Einführung regionaler Währungen erleichtern.


Regionalgeld in der Praxis
Der Chiemgauer ist zum Beispiel Regionalgeld. Gestartet wurde das Projekt im Januar 2003 durch ein Schülerprojekt der 10. Klasse der Waldorfschule Chiemgau in Prien auf Basis eines Konzeptes des begleitenden Wirtschaftslehrers Christian Gelleri. Dieses Konzept scheint stark angelehnt an die Idee des Freigeldes, Bestandteil der Freiwirtschaftslehre nach Silvio Gesell zu sein.

Mittlerweile zählt der Chiemgauer e. V. - ideeller Träger des Projekts - über 3.000 Mitglieder, darunter aktuell 613 Unternehmen und 223 gemeinnützige Vereine aus der Region. Die Umsätze des Chiemgauer-Netzwerks lagen im ersten Jahr 2003 bei 70.000 Euro, 2008 bei 3 Mio. Euro und 2009 bei 4 Mio. Euro. Das jährliche Wachstum von 2008 auf 2009 lag bei 21%. Derzeit sind 455.000 Chiemgauer in Umlauf. Damit ist der Chiemgauer das derzeit größte Regiogeld-System im deutschsprachigen Raum und eine der erfolgreichsten Komplementärwährungen der Welt.
Das Ziel des Chiemgauer Regiogelds ist die Stärkung und Bildung regionaler Wirtschaftskreisläufe und die Förderung gemeinnütziger Vereine in der Region Chiemgau. Das Verbreitungsgebiet ist beschränkt auf die Landkreise Rosenheim und Traunstein mit 480.000 Einwohnern.

Das Chiemgauer Regiogeld gibt es als Gutscheinsystem und in bargeldloser Form, dem elektronischen Chiemgauer. Die Chiemgauer-Initiative kooperiert bei der Kontoführung und der Zahlungsabwicklung mit regionalen und ethisch-ökologisch orientierten Banken.

Chiemgauer können von Verbrauchern mit einem Wert von 1:1 gegen Euro gekauft, jedoch nicht in Euro zurückgetauscht werden. Teilnehmende Unternehmen können Chiemgauer gegen eine Gebühr in Höhe von 5% ("Regionalbeitrag") in Euro zurücktauschen. Von den 5% gehen 60% an einen gemeinnützigen Verein. Welcher Verein gefördert wird, bestimmt derjenige, der Euro in Regiogeld einwechselt. Die verbleibenden 40% dienen der Kostendeckung des Herausgebers.

Gültigkeit
Eingetauschte Gutscheine sind jeweils drei Monate gültig. Nach Ablauf kann die Gültigkeit der Chiemgauer-Scheine durch Kauf und Aufkleben einer Klebemarke im Wert von 2% seines Werts verlängert werden. Die Chiemgauer-Serien werden jährlich ausgetauscht. Chiemgauer-Scheine, die älter als vier Jahre sind, werden nicht mehr zur Rückgabe akzeptiert. Alle Verwender von Chiemgauer müssen zugleich Mitglied im Verein Chiemgauer e. V. sein.

Sicherheitsmerkmale
Die Scheine im Wert von 1, 2, 5, 10, 20 und 50 Euro verfügen über 14 Sicherheitsmerkmale. So sind die Scheine einzeln nummeriert und mit einem Barcode zur Prüfung versehen. Sie verfügen über ein echtes Wasserzeichen, sind mit einer Guillochen- und Kopierschutztechnik versehen und zeigen UV-Merkmale zur Prüfung mit Geldprüfgeräten.

Im August 2004 hat ZEIT Online einen Artikel zum Regiogeld mit dem Titel „Das Geld der Anti-Globalisierer“ publiziert. Essenz: "Regionalgeld stützt die Firmen am Ort, nicht die Finanzmärkte." In dem Artikel wird u.a. Prof. Margrit Kennedy - Architektin, Schriftstellerin und Mitgestalterin eines Netzwerks zur Umsetzung regionaler Komplementärwährungen - wie folgt zitiert: "Außerordentlich zerstörerisch für soziale, ökonomische und ökologische Systeme ist die unbegrenzte Mobilität des Kapitals, das immer dahin fließt, wo der höchste Gewinn lockt. So aber werden weder soziale noch lokale Bedingungen beachtet. Mit Regionalwährungen werden Regionen in die Lage versetzt, ihre Probleme weitgehend selbst zu lösen."

Über den Chiemgauer hat Franziska Ziegler an der Universität Passau eine Diplomarbeit mit dem Titel, „Konzept, Umsetzung und Akzeptanz einer Regionalwährung am Beispiel des Chiemgauer, Eine Untersuchung aus Unternehmer- und Verbrauchersicht“, verfasst. Die Diplomarbeit können Sie unter http://krisenfrei.de/Diplomarbeit-Chiemgauer.pdf einsehen.

Weitere Informationen über die Regionalwährung der Chiemgauer erfahren Sie in den folgenden Filmbeiträgen:





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