Sonntag, 15. Mai 2011

Julian Assanges Knebelverträge gegen Whistleblower in den eigenen Reihen

Julian Assanges Knebelverträge gegen Whistleblower in den eigenen Reihen


Hinter den schönen Worten von Wikileaks über einen immerwährenden Kampf um Transparenz und Rechenschaftspflicht verbirgt sich eine simple Kommerz-Idee: Die Organsiation stellt einfach nur die Server-Infrastruktur bereit und wartet, bis Whistleblower auf der ganzen Welt unter großem persönlichen Risiko Vermarktbares in den elektronischen Postkasten werfen. Auf dem Rücken der Quelle Bradley Manning aus dem US-Militär ritt Julian Assange zu Ruhm und Reichtum; dieses Pferd scheint nun aber endgültig durchgeritten zu sein und weitere groß angekündigte Sensationen wie über Bank of America wurden durch kritische Leute aus dem Wikileaks-Umfeld anonym als wenig aussagekräftig beschrieben.
Assange sprach erst kürzlich wieder im Frontline Club davon, wie wichtig die Freiheit sei, aus Gewissensgründen sensible Informationen an die Presse weiterzuleiten. Wie immer gilt das aber nur für “die anderen”, innerhalb von Wikileaks weht hingegen ein ganz anderer und recht eisiger Wind. Die Zeitung New Statesman enthüllte eine Kopie des Schweigeabkommens, welches im Januar diesen Jahres 10 feste Mitarbeiter unterschreiben mussten. Leiten sie irgendetwas Internes nach außen weiter, und sei es nur die Existenz dieses Knebelvertrages oder wie die Organisation geführt wird, droht ihnen eine Strafe von 12 Millionen britische Pfund. Diese astronomische Summe basiere auf einer “typischen Wertermittlung auf dem freien Markt” für Whistleblower-Material im Besitz von Wikileaks.
“Der fünfte Paragraph, ‘E’, ist genauso erstaunlich. Er soll es Wikileaks gestatten, jemanden auf noch mehr zu verklagen als durch den direkten [finanziellen] Verlust entsteht, wenn das Schweigeabkommen verletzt wird. Wikileaks sagt, man könne sowohl klagen wegen einer “entgangenen Gelegenheit, die Informationen an andere News-Broadcaster und Verleger zu verkaufen,” als auch wegen einer “Minderung des Wertes der Informationen.”
James Ball von der Zeitung London Guardian dokumentiert, wie Assange seinen jungen, unerfahrenen Mitarbeitern im Januar diesen Jahres den Knebelvertrag aufzwängte. Urplötzlich holte er eine Kopie für jeden im Raum hervor – auch für James Ball – und verlangte dass das Dokument sofort und ohne Verzögerung als Vertrauensbeweis unterzeichnet werde. Der Guardian-Reporter war der einzige der es überhaupt las und stellte neben den horrenden Schweigeklauseln auch noch fest, dass sein Exemplar um sieben Monate rückdatiert war. Da er in jenem Zeitraum bereits Einiges berichtet hatte, nicht immer Positives, hätte ihn eine Unterschrift praktisch erpressbar gemacht. Diese Drückermethoden erinnern eher an Scientology als an das öffentliche Image von Wikileaks.
“Ich weigerte mich, zu unterschreiben und gab mehrere Gründe dafür an. An diesem Punkt verlangte mehr als eine Person im Raum seine Kopie des Vertrages zurück. Dies wurde abgelehnt.”
“Julian verbrachte zwei Stunden damit zu brüllen und zu erklären warum ich das Dokument unterschreiben müsse, da ich sonst Leib und Leben von jedermann im Raum riskieren würde und man mir niemals mehr vertrauen werde.”
Assange wies anschließend in bester Kult-Manier seine Untertanen an, weiter psychologischen Druck auf Ball auszuüben. Daniel-Domscheit-Berg, der deutsche Informatiker der Wikileaks zusammen mit weiteren wichtigen Kernmitgliedern 2010 verlassen hatte, schrieb in seinem Enthüllungsbuch “Inside Wikileaks” dass “die Nanny”, eine mysteriöse Frau die sich im Hintergrund um Assanges Belange kümmert, erfolglos versucht hatte die isländische Politikerin Birgitta Jonsdottir zu bedrängen, einen Vertrag zu unterschreiben der es ihr untersagt hätte, eigenmächtig mit der Presse zu sprechen.


Quelle: http://infokrieg.tv/wordpress/2011/05/15/julian-assanges-knebelvertrage-gegen-whistleblower-in-den-eigenen-reihen/

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