Dienstag, 17. Mai 2011

EU errichtet totales Überwachungssystem: Wehrt Euch gegen Indect!


Indect ist ein Forschungsprojekt der Europäischen Union. Wissenschaftler, Polizeibehörden und Wirtschaftsunternehmen entwickeln seit 2009 unter Hochdruck ein Überwachungssystem zur Bespitzelung aller Bürger. Automatische Datenscanner untersuchen Texte im Internet auf Personendaten und Meinungsäußerungen, während eine Software in Verbindung mit Kameras und Beobachtungsdrohnen verdächtiges Verhalten im öffentlichen Raum erkennt. Durch biometrische Daten, Autonummern und GPS-Daten von Mobiltelefonen können Personen erkannt, im Internet wiedergefunden und über Bewegungsprofile verfolgt werden.
Im Zusammenspiel mit der Vorratsdatenspeicherung, den Volkszählungen, dem biometrischen Personalausweis und den Aktivitäten der europäischen Grenzschutzagentur „Frontex“ entsteht mit Indect die größte Überwachungsoffensive aller Zeiten.



Indect: Intelligent Information System Supporting Observation, Searching and Detection for Security of Citizens in Urban Environment 
Indect ist die Bezeichnung eines Forschungsprojektes der Europäischen Union. Die Abkürzung steht für „Intelligent Information System Supporting Observation, Searching and Detection for Security of Citizens in Urban Environment“, also „Intelligentes Informationssystem zur Überwachung, Suche und Entdeckung für die Sicherheit von Bürgern in städtischer Umgebung“.
Im Rahmen der fünfjährigen Forschungszeit (2009 bis 2013) entwickeln 17 Organisationen – zehn Universitäten, zwei Polizeibehörden und fünf Wirtschaftsunternehmen – ein komplexes Überwachungssystem für den öffentlichen Raum und das Internet. Das Projekt wird mit knapp elf Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln von der Europäischen Union finanziert und von Andrezej Dziech von Warschau aus geleitet.
Das System von Indect gliedert sich in zwei Bereiche:
  • Überwachung, Analyse und Interpretation von Texten im Internet
  • Überwachung von Aktivitäten im öffentlichen Raum

Indect im Internet 
Die Indect Systeme speichern und analysieren automatisch Texte von Nachrichtenseiten, Blogs, Kommentaren, P2P-Netzwerken, sozialen Netzen, Foren, Chats oder dem UseNet.

Die erfassten Inhalte und Meinungen können einzelnen Personen zugeordnet werden, um beispielsweise politische Überzeugungen, Gewaltbereitschaft oder „abnormem“ Verhalten festzustellen. Weitere Systemmodule stellen Verbindungen zwischen einzelnen Personen her oder ermitteln Events, an denen Personen teilnehmen werden. Ein Abgleich mit Personensuchmaschinen und sozialen Netzen bringt die beobachteten Personen in Zusammenhang mit Realnamen, Adressen, dem Geburtsdatum und anderen persönlichen Daten.

Eine weitere Verknüpfung mit Informationen aus den Melderegistern und der Vorratsdatenspeicherung ordnet Personen biometrische Bilder zur Gesichtserkennung, Mobiltelefone und GPS-Daten zur Positionsbestimmung zu.



Indect im öffentlichen Raum
Im öffentlichen Raum, also auf der Straße, auf Plätzen, in öffentlichen Gebäuden, auf Bahnhöfen oder Flughäfen nutzt das Indect System die Signale aus bereits vorhandenen Überwachungskameras, um automatisch „abnormes“ Verhalten festzustellen.
Gleichzeitig werden kleine, mit Kameras, Mikrofonen und Sensoren ausgestattete Drohnen eingesetzt, um verdächtige Personen zu verfolgen. Durch einen automatischen Abgleich mit den hinterlegten biometrischen Daten, wird die Identität der beobachteten Personen festgestellt.

Beispiele für „abnormes“ Verhalten sind nach Indect Laufen, Rennen, zu langes Sitzen, Treffen mit mehr als x Personen, Schreien, Bewegung in die falsche Richtung, zu langes Mitfahren oder Sitzen auf dem Boden im öffentlichen Nahverkehr.

Wird eine Person oder eine Gruppe von Personen anhand der genannten Bewegungskriterien im öffentlichen Raum und den Erkenntnissen und Daten aus dem Internet und den verknüpften Datenbanken als „Gefährder“ erkannt, erfolgt automatisch eine Information an die Polizei.

Die Übertragung von Positionsdaten, biometrischen Informationen und persönlichen Daten an die Ermittlungsbehörden ermöglicht jetzt einen vereinfachten Zugriff und eine schnelle Festnahme der verdächtigen Person.


Präventive Verfolgung von „abnormem“ Verhalten
Das Indect System verfolgt primär das Ziel, Störungen der öffentlichen Ordnung, Proteste und Straftaten präventiv festzustellen und zu bekämpfen. Durch die Analyse von Webtexten und Online-Unterhaltungen sollen potentielle Störer frühzeitig erkannt und identifiziert werden.

Die Zusammenführung verschiedener Datenquellen, die Referenzierung auf das soziale Umfeld von Personen und die gezielte Überwachung von Verdächtigen im Web und auf der Straße erzeugen ein feinmaschiges Netz und ermöglichen einen vereinfachten Zugriff auf potentielle Störer der öffentlichen Ordnung durch Polizei und Ermittlungsbehörden.
Indect soll unerwünschtes Verhalten, Störungen der öffentlichen Ordnung und Straftaten eigenständig vorhersehen und automatisch Schritte zu deren Bekämpfung einleiten. Die Beobachtungen des Systems basieren dabei nicht auf einem begründeten Anfangsverdacht. Durch die Auswertung beliebig großer Textmengen aus dem Internet wird jeder, der sich hier äußert sowie sein gesamtes soziales Umfeld zum potentiell Verdächtigen.


Realität oder Orwellsche Vision?
Das Szenario klingt wie eine Horrorvision im Stil von George Orwell. Und doch handelt es sich bei Indect um ein Projekt, das mit Mitteln der Europäischen Union offiziell gefördert wird.

Nachdem Details über das Konzept in die Öffentlichkeit gelangt sind, hat Indect einen eigenen Ethik-Rat einberufen, der darüber entscheidet, welche Informationen über das Forschungsprojekt künftig noch veröffentlicht werden.

Der Ethik-Rat besteht aus vier Polizisten, zwei Forschern im Bereich Sicherheitstechnologie, einem Professor für Mensch-Computer Interaktion, einem Professor für Rechtskunde, einem Fachanwalt für Menschenrechte, einem Professor für Ethik und einem Vertreter der Multimedia-Industrie.

Indect setzt sich aus Vertretern von Universitäten, Behörden und privatwirtschaftlichen Unternehmen zusammen. Zu den Akteuren zählen beispielsweise die University of Science and Technology (AGH) und die Gdansk University of Technology, die Bergische Universität Wuppertal, die Universidad Carlos III de Madrid, die Technical University of Sofia, die University of York, das General Headquarter der polnischen Polizei, die nordirische Polizeibehörde, die InnoTec DATA GmbH & Co. KG in Bad Zwischenahn und die PSI Aktiengesellschaft für Produkte und Systeme der Informationstechnologie in Berlin.

Das vorläufige Ziel von Indect ist ein Pilotprojekt anlässlich der Fußball-Europameisterschaft 2012. Ein Feldversuch im Stadion soll die Registrierung von „abnormem“ Verhalten und die Auswertung der Bedrohungspotenziale von Sprechchören in den Fan-Blocks unter realen Bedingungen testen.

Die Ergebnisse aus dem Projekt Indect stehen nach Abschluss der fünfjährigen Forschungszeit ab 2013 den europäischen Kommissionen für Sicherheitspolitik zur Verfügung.



Vorratsdatenspeicherung, Volkszählung, Frontex und Indect: Die Werkzeuge einer totalitären Europaregierung
Indect schafft die technischen Voraussetzungen für eine vollständige Überwachung aller EU-Bürger. In der vorläufig letzten Ausbaustufe werden hierbei Meinungsäußerungen im Internet, Inhalte von Chats, Emails und Telefonaten und Beziehungsmuster zwischen einzelnen Personen automatisiert kontrolliert, überprüft und interpretiert. Ergänzend ermöglichen Kamerasysteme, die Nutzung biometrischer Personendaten und automatisierte Schnittstellen den unmittelbaren Zugriff von Polizei und Ermittlungsbehörden. Die Zielsetzung besteht in der präventiven Bekämpfung von „abnormem“ Verhalten, Störungen der öffentlichen Ordnung und Straftaten.

Wer angesichts des geschilderten Szenarios von einer Horror-Vision der fernen Zukunft ausgeht, befindet sich in einem folgenschweren Irrtum: Bereits im kommenden Jahr (2012) wird Indect im Rahmen eines Feldversuchs erstmalig getestet.

Die Europäische Union zwingt ihre Mitgliedsstaaten parallel zur Einführung der Vorratsdatenspeicherung und zur regelmäßigen Durchführung von Volkszählungen. Während Indect, die Vorratsdatenspeicherung und die Volkszählungen im Innern Europas ein Instrumentarium der totalen Überwachung aufbauen, schottet die Tätigkeit der Grenzschutzagentur Frontex den Kontinent nach Außen hin ab.

Die Wortführer der zuständigen EU-Kommissionen spielen die Bedeutung der Maßnahmen herunter, verbergen sich hinter angeblichen Verschwörungstheorien und diskreditieren die Kritiker der geplanten Totalüberwachung als versponnene Ideologen. Dabei bleiben Sie jegliche Erklärung schuldig, welchem anderen Zweck die insgesamt milliardenschweren EU Aktivitäten in Sachen Erfassung, Überwachung und Verfolgung dienen könnten, wenn nicht dem Aufbau des weltweit komplexesten Kontrollsystems aller Bürger.

Unter dem fadenscheinigen Deckmantel der Terror- und Kriminalitätsbekämpfung wird hier, unter den Augen der Öffentlichkeit, ein konsequentes System von Überwachungs- und Kontrollmechanismen installiert. Für Widerstand wird es schon bald zu spät sein. Sind die Systeme erst einmal finanziert, entwickelt, gestestet und installiert, dann werden sie auch eingesetzt. Verglichen mit dem geplanten und bereits teilweise umgesetzten europäischen Sicherheitssystem wirkt selbst George Orwells totalitäre Horror-Vision aus „1984″ harmlos.

In Bezug auf die Einführung des neuen Personalausweises, die Vorratsdatenspeicherung und den Zensus 2011 zeigt sich aktuell, wie gering der öffentliche Widerstand gegen staatliche Überwachungsoffensiven ausfällt. Die Europäer und allen voran die Deutschen unterstützen Behörden und Regierungseinrichtungen aktiv bei der Umsetzung der Kontrollsysteme und versäumen es, auf die Einhaltung ihrer verbrieften Grundrechte zu bestehen.


Quelle: http://www.freitag.de/community/blogs/aredlin/eu-errichtet-totales-ueberwachungssystem-wehrt-euch-gegen-indect

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