Sonntag, 19. Dezember 2010

Terror im beruflichen Alltag: Vertrauliche Papier einer großen deutschen Bank



Aus einem vertraulichen Papier einer großen deutschen Bank, das versehentlich in einen Abfalleimer gelangte:

„Alle Netzwerke der Wissensweitergabe und der Kommunikation haben die Aufgabe, die Menschen permanent in den Zustand der Selbstmobilisierung zu versetzen. Der öffentliche Raum wird so ausgebaut und gestaltet, daß in ihm
nur unternehmerische Einrichtungen und Personen existieren können. In diesem Raum gibt es kein anderes Ziel, als den permanenten Kreislauf von Kapital und Information. Nur in diesem Raum können alle Fragen des Zusammenlebens dieser Personen gelöst werden. Die Frage nach den Bedingungen des Zusammenlebens ist tabu. In diesem Raum ist kein Ort vorgesehen, an dem man
stillstehen, eine Pause einlegen, eine Frage stellen oder nachdenken kann. Der Raum ist nicht als Raum des Mitseins gedacht, der von einer Vielzahl Personen geteilt wird. Etwas wie Unrecht – jenseits von unternehmerisch präjudizierten ethischen oder juristischen Entscheidungen – oder Zumutbarkeit des gesellschaftlichen Lebens kann hier nicht problematisiert werden.

Die Personen in diesem Raum müssen möglichst immunisiert werden gegen belastende Gefühle des Ausgegrenztseins bzw. des Ausgesetztseins. Die Immunisierung kann leicht erfolgen, indem jede Person aufgefordert wird, sich unternehmerisch zu verhalten. Unternehmerisches Verhalten bedeutet, daß in jedem sozialen Kontakt ein geschäftlicher Kontakt, ein geschäftliches Normgebungsverfahren, eine geschäftliche Vereinbarung gesehen wird ( siehe  juristische Entwicklung des Ehevertrages). Es muß sich permanent die Forderung, daß das Leben ein unaufhörlicher Lernprozeß ist, in den Köpfen der Leute manifestieren. Hat sich einmal diese Manifestation vollzogen, werden sich Reflexionen über Sentimentalitäten wie Suche nach dem Sinn des Lebens oder Reflexionen über die Einsamkeit des Ichs, in der Luft auflösen.
Die Immunisierung wird verhindern, daß der öffentliche Raum für das Denken mit anderen Personen mißbraucht wird.
Diese Rolle, die ehemals den anderen Personen zukam, wird nun auf das Unternehmerische, auf das Kapital übertragen.
Das Kapital fragt zurück in Umfragen, in Fernsehsendungen, in Telefoninterviews, in demokratieerhaltenden Verhaltensweisen. Jede Person muß zu einem höchstmöglichen Maß autonomen Verhaltens befähigt werden, um
sich frei zu fühlen.

Diese Autonomie ist grenzenlos, das heißt, daß diese nur auf eine einzige stößt, die ihr überlagert ist:

Die Autonomie des Kapitals und der Information. Diese „höhere“ Autonomie wird nicht in Frage gestellt, weil sie als ein über allem wirkendes Naturgesetz waltend empfunden wird.
Alle Ideen von Systemveränderung oder dem Aufbegehren gegen die Repräsentanten der Systemerhaltung, werden an ihren inneren  Widersprüchen scheitern.“
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Quelle: http://lupocattivoblog.wordpress.com/

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