Dienstag, 9. August 2016

Geheimlehre zu Materie, Selbsterkenntnis, Gott, Satan, Bewusstsein und noch vieles mehr

Leseprobe aus der mystischen Autobiographie - die in Romanform verfasst ist - mit dem Titel Einweihung von Elisabeth Haich:


Kapitel: DIE FORM DER PYRAMIDEN

Ich stehe wieder vor Ptahhotep in seinem Experimentierraum. 
«Ich habe schon erörtert», sagt Er, «daß hinter allen Erscheinungen der sichtbaren Welt die Urkraft steckt, das Streben zurück, in die Einheit, das sich als Anziehungskraft zwischen einander ergänzenden positiven und negativen Hälften manifestiert. Du stehst jetzt vor mir, weil die Anziehungskraft der Erde deinen Körper hier hält. Wenn diese Kraft nicht wirken würde, wärest du und alles, was nicht festgewachsen ist, schon längst in den Weltraum hinausgefallen, sogar der ganze riesenhafte Körper der Erde wäre längst auseinandergebrochen. Die Kraft, die die Erde und alles, was in ihrer Atmosphäre Materie ist, zusammenhält, gehört nicht der Erde selbst an, sondern wirkt nur aus ihrem Mittelpunkt auf die Erde. Wenn die Materie keinen Widerstand hätte und dieser Kraft nachgäbe, würde die gewaltige Masse der Erde, samt allem, was auf ihr lebt, in ihrem Mittelpunkt verschwinden. Aber wohin? Denke nach! 
Mein Kind, komm näher, ich will es dir zeigen: Wenn ich verschiedene Dinge auf diese Tischplatte stelle und an jedes einen Faden binde, die Fäden durch das Loch in der Mitte dieser Platte hindurchziehe und dann an allen Fäden von unten ziehe, so werden alle Dinge gegen den Mittelpunkt gezogen und — sofern sie kleiner sind als das Loch — verschwinden. Wohin? Nicht wahr, dorthin, woher die Kraft wirkt! Woher stammt aber die Kraft im Mittelpunkt der Erde, die alles in sich hineinzieht? Kannst du mir antworten, mein Kind?» 
Ich denke nach und antworte: «Die Erde ist erkennbar. Wenn alles, was erkennbar ist, nur darum erkennbar sein kann, weil es sich vom ,NichtsAll' getrennt hat, die Trennung aber nur eine scheinbare ist, denn die Ergänzungshälfte ist im Ungeoffenbarten zurückgelassen worden, dann muß auch die Erde ihre Ergänzungshälfte im Ungeoffenbarten haben, und die Kraft, die die Erde mit allen ihren Wesen in den Mittelpunkt zieht, ist das Streben nach der Wiedervereinigung zwischen der Erde und ihrer ungeoffenbarten Ergänzungshälfte, die im Nichts als negatives Spiegelbild zurückgeblieben ist. Die Anziehungskraft der Erde zieht also die ganze Erde in das über Zeit und Raum stehende Nichts hinein, um die Wiedervereinigung zu vollbringen. Und wenn die Erde nachgeben würde, würde sie und alles im Mittelpunkt, im Nichts, verschwinden. Das wäre aber die Rückkehr in die paradiesische Einheit — in Gott — die Seligkeit! Warum kann das nicht geschehen, Vater?» 
«Mein Kind», antwortet Ptahhotep, «das Hindernis ist der Widerstand der Materie! Ohne Widerstand ist keine Schöpfung möglich! Der Widerstand der Materie läßt die Erde und die ganze Schöpfung nicht verschwinden und nicht vernichtet werden. Alles, was auf dieser erkennbaren Welt erschienen ist, ist aus einem Punkt des Weltalls herausgefallen, der dann sein eigener Mittelpunkt geworden ist. Durch den Fall wurde es Materie. Jetzt kann es nicht mehr zurück, weil sein eigener Widerstand als Materie es nicht mehr in die göttliche Einheit zurückkehren läßt. Eine Heimkehr in die verlassene göttliche, paradiesische Einheit — in Gott — ist nur dadurch möglich, daß die Materie vergeistigt wird, das heißt, sich wieder in Geist umwandelt! Die Materie könnte aber ohne geistige Hilfe, aus eigener Kraft und aus eigenem Können, nie Geist werden. Und darum steigt ein Aspekt Gottes in die Materie nieder, kleidet sich in Materie, nimmt ihre Eigenschaften an, belebt sie als das Selbst, damit die Vergeistigung, die Erlösung, ermöglicht werde. 
Die Wirkung, die das in Materie gekleidete Selbst vom Mittelpunkt jedes Geschaffenen auf die innerste Struktur der Materie ständig ausübt, entwickelte im Laufe von Äonen auf jeder Sprosse der Entwicklungsleiter die entsprechenden Lebensformen. So entstanden, angefangen vom Einzellwesen bis zur höchsten Offenbarung, die verschiedensten Lebewesen. 
Das höchste Lebewesen der Erde ist der Mensch. Seine Aufgabe ist es, die Vergeistigung der Erde, an der alle Lebewesen im Maße der eigenen Entwicklung mitwirken, zu vollenden. Und ein jeder Mensch, der sich aus einem mit dem Körper identisch gewesenen in ein im Geiste wiedererwachtes, göttliches Wesen wandelt und sein Bewußtsein mit dem göttlichen Selbst identifiziert, hat seine Aufgabe erfüllt! Er hat ein Stückchen der Erde vergeistigt. Er hat die Erlösung der Erde um einen Schritt gefördert. Dann kann er als Helfer auch bei der Erlösung anderer Wesen mitwirken. Und jetzt weißt du, warum du hier vor mir stehen kannst. Es ist so, daß das Selbst der Erde — das gleichzeitig auch unser Selbst ist — die Erde mit all ihren Lebewesen liebt und die ganze Erde in sich, in die göttliche Einheit, zieht wie ein Bräutigam, der sich mit seiner Braut vereinigen will. Dieser Wille, dieses Streben nach Vereinigung, wie es jede Liebe kennzeichnet, äußert sich in allem — also auch in unserem Körper — als Gewicht! In jeder Form der Natur wirkt diese Kraft, die wir Gewicht nennen, und wenn wir bauen, müssen wir mit dieser Kraft und nie gegen sie rechnen und arbeiten. Wenn wir sie einbeziehen, dann hilft sie unsere Gebäude auf lange Zeit zu erhalten. Wollten wir gegen die Gesetze dieser Kräfte bauen, so würde alles so Gebaute in kürzester Zeit zusammenstürzen.

Es genügt, wenn du verstehst, daß die Kraftresultante der Pyramidenform die günstigsten sind, um die Gebäude während vieler Jahrtausende zu erhalten, ohne daß die Naturkräfte sie zerstören können. Die Pyramiden — besonders die größte — sind nach verschiedenen mathematischen und astronomischen Gesetzen aufgebaut, so daß sie dem Volke auch als Uhr und Kalender dienen. Diese Gesetze wirst du ein anderes Mal lernen. Außerdem vermag die pyramidale Form dadurch, daß sich die Seitenflächen in einem Winkel von 51° zu ihrem Grund erheben, die Strahlen der Sonne weit ins Meer und tief in die Wüste hinausspiegeln. Auf diese Weise dienen die Pyramiden auch als Leuchttürme. Alle ihre Gesetze und auch die Geschichte derer, die sie erbaut haben, sind auf den keramischen Deckplatten der Pyramiden aufgezeichnet. Und wenn die Menschensöhne einmal das Geheimnis der Schrift kennen, werden sie alle diese Wahrheiten, die mathematischen und astronomischen Gesetze, die Geheimnisse der Pyramiden und unser ganzes Wissen, während langer Zeit von den Pyramiden ablesen. In den finstersten Zeiten der Erde werden aber diese schriftlichen Überlieferungen auch verschwinden, so daß die Menschensöhne später alle Wahrheiten selbst entdecken müssen. 
Du aber lerne das Gesetz der dreidimensionalen Welt, das aber ohne das Gesetz des Geistes nicht bestehen könnte, sondern auf diesem Gesetz beruht. Da die Urquelle aller Weisheiten, aller Offenbarungen, das ewige Sein — Gott — ist, Gott aber im Ungeoffenbarten über Zeit und Raum steht und in den dimensionalen Welten nur seine Offenbarungen projeziert erscheinen, müssen wir, um diese Gesetze richtig zu verstehen, bei Gott anfangen. Über Gott zu reden, hindert uns aber immer die Schwierigkeit, daß Gott über der erkennbaren Welt steht und jedes Lebewesen Gott nur in jenem Grade verstehen und auffassen kann, in dem es selbst fähig ist, Gott bewußt zu erleben, zu offenbaren und zu verwirklichen. Das heißt: bis zu welchem Grade es selbst Gott sein kann! In allem lebt Gott, und alles lebt in Gott, dennoch kann Ihn in seinem eigenen, vollkommenen Wesen nur derjenige ganz verstehen, der selbst Gott geworden — oder nie aus ihm herausgefallen ist. Gott verstehen kann nur Gott allein! . 

Die Tatsache, daß der primitivste Urmensch seinen Gottesbegriff hat, zeigt, daß das göttliche Selbstbewußtsein dennoch in ihm da ist, wenn auch nur im niedrigsten Grad und noch in einem Dämmerzustand. In Gott bewußt werden, Gott völlig verstehen und Gott sein bedeutet aber, mit seinem eigenen göttlichen Selbst — dem innewohnenden Gott — vollkommen eins zu werden. Das ist leicht gesagt, aber sehr schwer getan! Denn dadurch, daß der Mensch aus seinem göttlichen Selbstbewußtsein gefallen ist, kann er sich Gott nur seiner persönlichen Auffassungkraft gemäß vorstellen. Wie soll er wissen, was die wirkliche, lebendige Gottheit in ihrer Vollkommenheit ist, wenn seine Vorstellungskraft nur dem von der Einheit getrennten, abgesonderten, dem gefallenen persönlichen Grad entspricht? Wie könnte das Endliche das Unendliche begreifen, wie das Zeitliche das Ewige, wie das Sterbliche das Unsterbliche, wie das Scheinwesen das ewige, wahre Sein — Gott — verstehen, erleben und mit Ihm identisch werden? Und dennoch muß der Mensch Ihn erreichen! Der ewige Wunsch, die unauslöschliche Sehnsucht hilft ihm und treibt ihn in der Richtung seines göttlichen Selbst. Über die unüberbrückbar scheinende Kluft zwischen dem Persönlich-Sterblichen und dem Unpersönlich-Ewigen spannt der Verstand — das größte, aber gefährlichste Geschenk Gottes — eine Brücke. Durch den Verstand geriet er in Versuchung, mit seinem Bewußtsein aus der Einheit zu fallen, aber ebenso gibt ihm der Verstand die Möglichkeit, in die Einheit mit vollem Selbstbewußtsein zurückzukehren. Durch den Verstand ist er fähig, die Wahrheiten zu verstehen, und wenn er verstanden hat, wird er lange suchen und immer wieder ver-suchen, bis es ihm eines schönen Tages gelingt, den einzigen Weg zur Verwirklichung seines Selbst zu finden. 
Verwirklichung bedeutet: etwas zu sein. Denn solange man über etwas denkt oder spricht, ist man es nicht. Du kannst über eine Katze oder über einen Löwen nachdenken, das bedeutet bei weitem noch nicht, daß du sie verwirklicht hast: daß du eine Katze oder ein Löwe geworden bist. Du kannst ebenfalls über dich selbst nachdenken, ohne daß du selbst, dein göttliches, schöpferisches Selbst bist! Etwas denken ist Getrenntsein davon. Denn wenn du nur einen einzigen Gedanken aussendest, so bist du — der Denker — und der Gegenstand deines Denkens — das Gedachte — nur durch das Denken verbunden, aber nicht identisch mit ihm. Was in deinem Verstand ist, bist du noch nicht. Der Verstand gehört dir, es ist ein wunderbares Werkzeug, ein Spiegel, in welchen du alles projezieren und alles darin erkennen kannst, aber der Verstand ist nicht du! Der Verstand ist außerhalb deines Selbst, folglich, was du durch deinen Verstand vermagst, ist nicht du, ist keine Verwirklichung. Wenn der Mensch Gott außerhalb von sich selbst sucht, kann er oft, sogar ständig an Gott ,denken', er kann zu Gott ,beten', er kann Gott mit seinem ganzen Wesen ,lieben', aber er ist deshalb mit Gott noch immer nicht identisch geworden. Denn im Suchen nach außen kann der Mensch Gott nie finden! 
Der Schöpfer im Menschen ist das eigene Selbst, dessen letzte, von seinem eigenen Mittelpunkt entfernteste Manifestation das kleine ,Ich', das persönliche ,Ichbewußtsein' ist. Das persönliche ,Ich' in ihm ist das durch die Materie — im Körper — widerspiegelte Bild Gottes. Wenn der Mensch also aus dem Fernsein in die Identität mit Gott zurückgelangen will, muß er mit seinem Bewußtsein denselben Weg einschlagen: er muß sein Bewußtsein, von seinem persönlichen "Ich" ausgehend, immer tiefer und tiefer in sich zurückziehen und sich zu seinem wahren Selbst, zu seinem Schöpfer, hinwenden, bis er sich in Ihm bewußt erkennt. Das bedeutet aber, daß in diesem Zustand nicht das Geschöpf — die Person — sich selbst erkennt, da es keine wahre Existenz hat und als Scheinwesen kein rückwirkendes Bewußtsein, keine Selbstkenntnis haben kann, sondern der Schöpfer erkennt sich selbst im Geschöpf, in der Person. Dies ist die einzige Möglichkeit, in welcher das Getrenntsein aufhört, in welcher das Bewußtsein sich im Einheitszustand befindet, wenn das ,Sich-selbst-Denken' aufhört und zum ,Sich-selbst-Sein' — zur ,Selbsterkenntnis' — wird. In diesem Zustand sind der Erkenner, das Erkannte und die Erkenntnis ein und dasselbe Subjekt: das Selbst — der Schöpfer — erkennt sich selbst in sich! 

Der Mensch kann Gott nur so erleben, dies ist Auferstehung! In diesem Zustand erkennt er, daß ihn sein eigenes Selbst geschaffen hat und ständig schafft, daß also sein Selbst sein eigener Schöpfer ist, ebenso ist aber dasselbe einzige Selbst der Schöpfer des ganzen Alls! Demzufolge erlebt er in seiner göttlichen Selbsterkenntnis, in seinem Selbstbewußtsein, gleichzeitig auch das schöpferisch-kosmische All-Bewußtsein und wird mit der Selbsterkenntnis gleichzeitig all-erkennend: allwissend! 
Diesen göttlichen Zustand, in welchem der Schöpfer sich selbst erkennt, können auch Zahlen symbolisch ausdrücken: Gott in seinem in-sich-ruhenden Zustand ist eins in drei und drei in eins. Eins und drei sind noch eine ungetrennte Einheit. In der Ideenwelt der Geometrie ist die Form des gleichseitigen Dreiecks das symbolische Bild Gottes, in welchem der Erkenner, das Erkannte und die Erkenntnis ein einziges ist: eins in drei und drei in eins.
Jede Form ist die Offenbarung der Kraft, die sie aufgebaut hat, folglich ist jede Form auch das Bild der sie aufbauenden und ihr innewohnenden schöpferischen Kraft. Das Göttliche in seinem in-sichruhenden Urzustand offenbart sich immer in der Form des Dreiecks. Das Dreieck trägt in sich die vollkommene Harmonie und das vollkommene Gleichgewicht, da seine drei Eckpunkte in genau gleicher Entfernung voneinander liegen. Wenn dagegen der in-sich-ruh ende Aspekt Gottes aus dem Zustand der Zeit- und Raumlosigkeit, aus der Dimensionslosigkeit in die drei Dimensionen eintritt und zum schöpferischen Aspekt Gottes wird, dann offenbart er sich immer in der Zahl vier. Solange die Zahlen eins und drei in der Gottheit eine Einheit bilden, bleiben drei in eins und eins in drei. Wenn sie aber aus dem göttlichen Einheitszustand heraustreten, trennen sie sich, und aus dem «eins in drei» wird «eins und drei», und das gibt vier. Das gleichseitige Dreieck offenbart die in ihm verborgen liegenden vier gleichseitigen Dreiecke. In diesem Gesetz liegt auch das Geheimnis der Schlüsselzahl der dreidimensionalen Welt: die Zahl sieben. Versuche einmal, dir bildlich vorzustellen und zu verfolgen, wie die erste Offenbarungsenergie aus dem dimensionslosen Zustand in die drei Dimensionen heraustritt. Schließe die Augen, und ich werde diese Wahrheit in dein Bewußtsein projezieren.» Ich tue, wie Ptahhotep mir befiehlt, schließe meine Augen und richte meine Aufmerksamkeit nach innen. Da erscheint ein Punkt, und ich höre die Stimme Ptahhoteps: «Damit eine Kraft aus der Dimensionslosigkeit heraustreten und sich offenbaren kann, braucht sie einen Ausgangspunkt: dimensionslos, er ist aus der Einheit noch nicht herausgetreten, ist aber zur Offenbarung notwendig. Da der Punkt aus einem einzigen Faktor besteht, trägt er in sich die Zahl der Einheit, die Zahl eins. Wenn die Kraft, deren erste Erscheinung der Punkt war, aus der Dimensionslosigkeit heraustritt und eine Zeitlang wirkt, wird der Punkt sich bewegen, und es entsteht eine Linie: » Ich sehe in mir, wie der Punkt allmählich zur Linie wird und höre Ptahhotep: «Die erste Dimension — die Länge — ist geboren. Die Linie an sich ist unendlich, folglich ist sie als erste Offenbarung auch die Zahl eins. Sie hat aber in der Welt der Offenbarungen, wo Anfang und Ende ist, immer unbedingt drei Faktoren: den Ausgangspunkt, den Endpunkt und den Zwischenraum zwischen beiden. Die Linie trägt in sich also die Zahl drei, die Schlüsselzahl der eindimensionalen Welt. Nun muß es dir auffallen, daß es keine Möglichkeit gibt, die Zahl zwei in einer Einheit zu offenbaren und zu finden. Denn nach der ersten Offenbarung des Punktes, der nur einen einzigen Faktor in sich trägt, sind unmittelbar und ohne die Zahl zwei drei Faktoren entstanden. Wenn aus dem Punkt eine — wenn auch noch so kleine — Linie heraustritt, so ist mit ihren drei Faktoren schon die Zahl drei da. Die Linie in der Unendlichkeit ist und bleibt die Zahl eins; hat sie aber einen Anfang und ein Ende, so trägt sie unbedingt die Zahl drei in sich. Damit die Zahl zwei an sich entstehe, ist eine Spaltung der Einheit notwendig. Die Zahl zwei kann nur geboren werden, wenn zwei Einheiten nebeneinandergestellt werden. Da aber außerhalb der Einheit nichts existiert, muß die Einheit aus sich selbst ein Spiegelbild senden, hinausschleudern, und so entsteht eine Spaltung, eine Trennung, die den Tod der Einheit bedeutet. Darum nennt man auch solch einen tödlichen Zustand, eine Spaltung der Seele: Ver-zwei-flung. Jede Sprache drückt dies mit der Zahl zwei aus. 
Verfolgen wir aber, wie aus der ersten Dimension die zweite entsteht. Die Linie besteht aus einer Reihe von Punkten. Vorausgesetzt, daß die schöpferische Energie in jedem dieser Punkte mit derselben Kraft und während derselben Zeitdauer wirkt, so treten alle diese Punkte aus sich in die zweite Dimension hinaus, es wird aus jedem eine Linie, und aus der Gesamtheit dieser Linien entsteht eine Fläche: ein gleichseitiges Viereck.
Die zweite Dimension — die Breite — ist geboren.
Das Viereck ist vier in eins und eins in vier, besteht also aus fünf Faktoren: den vier geoffenbarten Linien: Ausgangslinie, Endlinie, rechte und linke Seitenlinie, und dem fünften Faktor: der zwischen den Linien liegenden nicht geoffenbarten Fläche. Die Schlüsselzahl der zweidimensionalen Welt ist die Zahl fünf. Die Schöpferkräfte wirken aber weiter. Auch die Fläche besteht aus Punkten, und wenn aus jedem dieser Punkte dieselbe Kraft während derselben Zeitdauer wirkt, treten alle diese Punkte in die dritte Dimension hinaus, und aus der Fläche entsteht der Würfel.
Die dritte Dimension ist geboren: die Höhe.
Der Würfel ist sechs in eins und eins in sechs, besteht also aus sieben Faktoren: aus den sechs geoffenbarten begrenzenden Flächen und dem siebenten, nicht geoffenbarten Faktor: dem Kubikinhalt. Die Schlüsselzahl der dreidimensionalen Welt ist also die Zahl sieben. Wie du siehst, ist die Grundform der Materie der Würfel. Die verschiedenen Kristalle bauen sich nach diesem Gesetz auf, und in den Kristallen findet man entweder die Würfelform selbst — wie zum Beispiel beim Salz — oder die Grundelemente des Würfels in verschiedenen Aspekten und Variationen. Wenn wir nun die Wesensart des Würfels untersuchen, wirst du auch die Gesetze der Varianten verstehen.

Versuche, von einem Eckpunkt des Würfels ausgehend, eine Fläche zu finden, in welcher alle drei Dimensionen des Würfels enthalten sind. Wenn du ihn nämlich quer durchschneidest, bekommst du nur eine Fläche, nur zwei Dimensionen. Um eine Fläche aller drei Dimensionen zu bekommen, müssen wir von einem Eckpunkt des Würfels schräg zu zwei gegenüberliegenden Eckpunkten durchschneiden. Damit wird eine Ecke des Würfels abgeschnitten. Wenn wir in derselben Weise fortfahren, so werden wir vier Ecken des Würfels abschneiden, und es bleibt vom Würfel eine Form übrig, die vom Würfel grundverschieden ist: ein Tetraeder, das von vier gleichseitigen Dreiecken begrenzt ist. Du siehst, daß im Würfel eine Form verborgen liegt von ganz anderen Gesetzen als der Würfel, denn sie besteht nicht aus Vierecken, sondern aus vier Dreiecken. Wenn wir diese vier Dreiecke in einer Fläche ausbreiten, bilden sie ein einziges gleichseitiges Dreieck, die symbolische Darstellung Gottes. Das Tetraeder ist, wie das seinen Mantel bildende gleichseitige Dreieck, die Verkörperung von Harmonie und Gleichgewicht. Denn jeder seiner Eckpunkte liegt gleich weit vom andern entfernt, folglich besteht im Tetraeder keine Spannung, sondern ein ausgeglichener Ruhezustand. Dagegen liegen die Eckpunkte des Würfels, wie die des Quadrates, in verscheidenen Entfernungen voneinander, also besteht sowohl im Quadrat als im Würfel eine ständige unüberbrückbare Spannung. Die Materie der dreidimensionalen Welt baut sich in Würfelform auf, aber sie verbirgt in sich das auf das göttliche Gleichgewicht aufgebaute Tetraeder. Die Materie kann ohne den göttlichen Inhalt nicht bestehen. Auf demselben Gesetz ist die ganze dreidimensionale Welt aufgebaut, ganz gleichgültig ob die aufgebaute Form ,tote' oder beseelte Materie, also ein Lebewesen, ist. Denn sei es eine Pflanze, ein Tier oder ein Mensch, sie weisen in ihrer Erscheinung einen Körper auf, der den Gesetzen der dreidimensionalen Welt unterworfen ist. In diesem Körper befindet sich aber verborgen und unsichtbar das höhere, göttliche Selbst — das Leben — das ewige Sein! Allein der Mensch ist fähig, sein höheres Selbst — also Gott — durch seine Gedanken, Worte und Taten zu offenbaren, wenn er sein Bewußtsein nicht mit seinem Körper, sondern mit dessen geistigem Inhalt — mit seinem Selbst — identifiziert. 
Solange der Mensch sich mit seinem materiellen Körper identifiziert, ist er wie ein undurchsichtiger Würfel, der nur die Eigenschaften der Materie zeigt und das Göttlich-Schöpferische in das Ungeoffenbarte, in einen latenten Zustand, verdrängt und nicht ahnen läßt, daß ihm das gänzlich verschiedene Tetraeder — das göttliche Selbst — innewohnt! Der Mensch aber, der seinen Körper nur zur Offenbarung des Göttlichen braucht und in Gedanken, Worten und Taten das Göttlich-Schöpferische manifestiert, dagegen die Eigenschaften seines körperlichen Daseins — seiner Person — im Ungeoffenbarten läßt, der ist ein behauener Würfel, dessen Ecken nach außen gedreht, dessen Inhalt nach außen gestülpt ist und auf diese Weise seine inneren Dreiecke — die gleichzeitig Dreiecke des göttlichen Tetraeders sind — zeigt. 
Die materielle, viereckige Form benützt er nur als die sichere Basis in der dreidimensionalen Welt und läßt sein Gewicht auf ihr ruhen. Die Form des ausgedrehten Würfels aber ist: die Pyramide. Die Pyramide ist also die symbolische Form des Gottmenschen, der seine göttliche, selbstlose Natur hervorscheinen läßt und Gott auf Erden völlig verwirklicht. In der Person des Gottmenschen ist die Erlösung der Erde, die Vergeistigung der Materie, vollbracht. Das göttliche Selbst — der Schöpfer — sitzt auf seinem Thron in voller Herrlichkeit und herrscht über die Materie, über den Körper. Die symbolische Darstellung des materiellen Menschen dagegen, der seinen Verstand dazu gebraucht, um seinem materiellen Wesen zu dienen, ist das aus den Vierecken der Oberfläche des Würfels gebildete Kreuz — oder das Tau, auf welchem das verborgen innewohnende göttliche Selbst gekreuzigt ist. In solchen Menschen ist das Göttliche seiner Macht beraubt, es kann sich nicht offenbaren, es muß sich in der Welt den materiellen Gesetzen unterwerfen, es ist auf den zwei großen Balken der dreidimensionalen Welt — auf Zeit und Raum — gekreuzigt und stirbt auf diesem Kreuz der Materie. Sein Tod ist aber kein endgültiger! Auch in dem auf die niedrigste Stufe gesunkenen Bewußtsein wird das göttlichschöpferische Selbst einmal auferstehen und den leidenden Menschen erlösen. Denn der materielle Mensch schafft sich in seiner Unwissenheit dadurch, daß er sein eigenes höheres Selbst — Gott in sich — kreuzigt, ständige Qualen und Leiden — er wird der Verbrecher, der neben dem gekreuzigten Göttlichen auch gekreuzigt hängt. Die Schmerzen erwecken ihn, sein höheres Bewußtsein erwacht, und er erlebt mit der Auferstehung seines göttlichen Selbst auch seine eigene Erlösung, da er sich in Ihm selbst erkennt! 

Diese symbolischen Darstellungen haben die geflüchteten Glieder der göttlichen Rasse überall auf Erden, wo sie hinkamen, mitgebracht und die in ihnen verborgenen Wahrheiten den Menschen verkündet. Überall in den verschiedenen Erdteilen wird man genau diese Darstellungen, in Stein, in Metall oder in gebrannter Erde ausgeführt, größer oder kleiner vorfinden. Man wird dann glauben, daß es das Bild einer gekreuzigten Person sei, und nur wenige werden erkennen, daß die Darstellung das göttlich-schöpferische Prinzip symbolisiert, auf die zwei Balken der Zeit und des Raumes gekreuzigt. 
Die Pyramiden werden noch Jahrtausende stehen und den Menschensöhnen die höchsten Wahrheiten, die in sie eingebaut sind, verkünden. Diejenigen, die Augen und Ohren haben, werden ihre erhabenen Wahrheiten, auch wenn sie nicht alle ihre mathematischen und astronomischen Gesetze erfassen können, in sich finden und erkennen, einige Hochentwickelte werden sie auch verwirklichen. Für den primitiven Menschen bleibt aber die Pyramide ein ewiges Rätsel, gleich wie die Sphinx, solange er sein eigenes Rätsel nicht gelöst hat. 

Kehren wir aber zum Würfel zurück! Du hast vorhin von einem Eckpunkt des Würfels ausgehend eine Fläche geschnitten, die alle drei Dimensionen in sich enthält. Du hast auf diese Weise vier Ecken des Würfels abschneiden können. Du könntest aber auch von den anderen Eckpunkten ausgehend vier weitere Schnitte machen und würdest finden, daß im Würfel nicht nur ein Tetraeder liegt, sondern zwei ineinander liegende Tetraeder, die einander genaue Spiegelbilder sind. Diese zwei ineinanderliegenden Tetraeder stellen das innerste Gesetz der erkennbaren Welt dar: den untrennbaren Zusammenhang zwischen den beiden Ergänzungshälften — der positiven und der negativen — die, ineinander liegend, ein vollkommenes Gleichgewicht bilden und als schöpferische Geister zur Rechten und Linken der Gottheit sitzen. In der Schöpfung walten sie als zwei einander entgegengesetzte Gesetze: das Gesetz des Geistes und das Gesetz der Materie.
Geist ist Leben, Materie ist Widerstand. Das Gesetz des Geistes ist Ausstrahlung, Geben, Selbstlosigkeit. Das Gesetz der Materie ist Zusammenziehung, Abkühlung, Erstarrung.
Es gibt nur ein einziges Lebewesen, das beide Gesetze bewußt verkörpern kann: den Menschen. Er bildet das Verbindungsglied zwischen der geistigen und der materiellen Welt. Er ist fähig, die Gesetze der beiden Welten gleichzeitig zu leben. Seine Gedanken, seine Worte, seine Taten können Selbstlosigkeit und universelle Liebe ausstrahlen, ein Geben sein. Sein Körper gehört aber der materiellen Welt an und verwirklicht die materiellen Gesetze. Jedes Gesetz an seinem eigenen Ort und zu seiner richtigen Zeit ist göttlich und das Umgekehrte satanisch. Ohne den Widerstand der Materie wäre Schöpfung unmöglich. In der nicht geoffenbarten Gottheit liegen alle schöpferischen Kräfte noch in der Einheit, in einem vollkommenen Gleichgewichts- und Ruhezustand, nur als Potenz, nur als Kraftmöglichkeiten. Die Schöpfung beginnt damit, daß sich aus der Einheit eine Kraft herauslöst und sich dem Schöpfer gegenüber als Widerstand aufrichtet. Das ist der ,erstgeborene Sohn' Gottes, der Geist des Widerstandes, den der Vater aussendet, um Äonen hindurch Ihm gegenüber den anderen — negativen — Pol zu bilden, um die Frequenzen der Schöpfung zu ertragen und also zu widerstehen, damit die Schöpfung überhaupt möglich werde. Dieser Widerstandsgeist, der den Gegenpol des sich offenbarenden Aspektes Gottes bildet, ist die Ursache, daß dank seiner zusammenziehenden, verhärtenden und abkühlenden Wirkung Verdichtung — Materie — entsteht. Dieser Geist wirkt als der Materie innewohnendes Gesetz der Abkühlung, Zusammenziehung, Erstarrung. 
Nimm einen Stein in deine Hand: die Kraft, die dieses Ding zu einem Stein macht und als Materie zusammenhält, ist das alles abkühlende, zusammenziehende, verhärtende Gesetz des Widerstandes. Solange dies Gesetz sich in der Materie als Materie offenbart, wirkt das Gesetz an seinem Platze, folglich göttlich. Aus der toten Materie wird aber belebte Materie, wenn der göttliche Geist — das Selbst — sich in die Materie kleidet und Fleisch wird. Das Selbst, das Leben, durchdringt die tote Materie, und aus dem Gesetz der Materie ersteht ein lebendiger Geist: das Spiegelbild des göttlichen Selbst. Dieses Spiegelbild, das nur dadurch lebendiger Geist werden konnte, daß Gott als das Selbst der Lebewesen sein eigenes Leben der Materie einflößte, ist Satan. Satan ist also das durch den göttlichen Geist lebendig gewordene Gesetz der Materie. Satan liegt tot in der Materie, als ihr Gesetz, bis der göttliche Geist ihn mit seinem eigenen Leben lebendig macht. 

Wenn das Bewußtsein sich mit dem Gesetz der Materie identifiziert und wenn das Denken, Worte und Taten nicht dem göttlichen Gesetz, sondern dem Gesetz der Materie dient, dann belebt der Mensch Satan: dadurch wird der Mensch selbst satanisch. Ohne den Menschen kann Satan nicht existieren, denn ohne das Selbst des Menschen ist Satan nur eine unbewußte Kraft, ein notwendiges Naturgesetz der Materie. Satan kann nur in dem Bewußtsein jenes Menschen lebendig werden, der das Gesetz der Materie, das Gesetz des Fleisches, im Geist offenbart, der sein Bewußtsein mit seiner Person, mit seiner niedrigen Natur, mit den seinem Fleische innewohnenden Trieben, mit dem Arterhaltungs- und Selbsterhaltungstrieb, identifiziert und die zusammenziehende, verhärtende Kraft der Materie als geistige Eigenschaften, wie Habgier, Neid, Eitelkeit, seelische Härte und Selbstsucht, offenbart. Satan an sich ist noch keinem Lebewesen begegnet, denn ohne den Menschen existiert auch Satan nicht. Ohne den Menschen ist Satan nur das Gesetz der Materie. Nur in einem Menschen kann man Satan lebendig begegnen, nur in einem menschlichen Antlitz kann man Satan als den Ausdruck dieses Antlitzes erkennen. Wenn das Selbst sich aus solch einem Menschen beim Tode des Körpers herauslöst, bleibt Satan wieder als das Gesetz der Materie im Leichnam zurück. Er wurde durch die belebende Kraft des Selbst im Bewußtsein lebendig, wurde Satan. Das Bewußtsein des Menschen aber, der sich mit dem Gesetz der Materie identifizierte und so selbst satanisch wurde, stirbt mit Satan und wird nach dem Tode unbewußt. Satan zieht ihn, seinen Sklaven, in die tote Materie, in die Finsternis, in die Bewußtlosigkeit, zu sich. 
Dagegen bleibt das Bewußtsein des Menschen, der sich mit dem Gesetz des göttlichen Geistes identifizierte und diesem diente, beim Abstreifen des Körpers wach, und — befreit von den Ketten, von der Isolation der Materie — schmilzt es in das ewige Licht, in Gott, ein. Die zwei ineinander liegenden Tetraeder zeigen die zwei Pole der Schöpfung im vollkommenen Gleichgewichtszustand. Die ganze Schöpfung — die Welt der Unruhe, der Bewegung — beruht auf diesem göttlichen Gleichgewicht. Es wirkt durch alle Formen als ihr innerstes Gesetz. So auch in den Kristallisationen der Materie. Wie du selbst erfahren hast, ist um das göttliche Tetraeder die Urform der Materie — der Würfel — aufgebaut. Die das Tetraeder bildenden Dreiecke sind mit den verbindenden inneren Flächen der Ecken des Würfels identisch. Auch der Mensch hat eine Berührungsfläche in seinem Inneren mit dem göttlichen Selbst. Eben deshalb kann er sein eigenes göttliches Wesen nur in seinem eigenen Innern finden, nie aber indem er seine Aufmerksamkeit nach außen richtet. Wenn der Mensch sich nach außen richtet, wird er, dem göttlichen Gesetz gemäß, in weitere seelische Kristallgitter hineingezwungen, bis er nach vielen Qualen und Schmerzen das Göttliche findet. Untersuchen wir, welche Kristallformen sich auf dem Würfel aufbauen. Nimm sechs hausdachförmige, geometrische Formen, deren Grundfläche genau dem Quadrat eines Würfels entspricht, und stelle diese sechs Formen auf den Quadraten dieses Würfels so auf, daß die Hausdachformen immer mit ihren verschiedenen Seiten aneinander liegen.
Dann bekommst du einen geometrischen Körper, den wir Pentagondodekaeder nennen und der aus zwölf gleichseitigen Fünfecken gebildet ist. Das Pentagondodekaeder trägt weitere Gesetze des langen Weges des Bewußtseins in sich. Wir wollen jetzt aber das Resultat betrachten, das sich in der letzten Kristallform dieser Reihe manifestiert: das ist das aus zwanzig gleichseitigen Dreiecken gebildete Ikosaeder. Aus dem Tetraeder lassen sich also weitere drei — mit dem Tetraeder selbst zusammen vier — aus gleichen Flächen gebildete, regelmäßige Kristallformen entwickeln: das Tetraeder, der Würfel, das Pentagondodekaeder und das Ikosaeder.
Regelmäßige Kristallformen zu bilden ist nur aus Dreiecken, Vierecken und Fünfecken möglich. Aus Dreiecken das Tetraeder, das Oktaeder und das Ikosaeder, aus Vierecken nur den Würfel, aus Fünfecken nur das Pentagondodekaeder. Das Oktaeder ausgenommen, kennst du alle diese geometrischen Körper. Das Oktaeder kannst du konstruieren, indem du drei gleich lange Linien je in eine der drei Dimensionen — also eine Linie in die Länge, eine in die Breite und eine in die Höhe — in einem Winkel von 45° führst, so daß die Mitte der drei Linien identisch ist. Wenn du die Endpunkte der drei Linien verbindest, bekommst du die acht Dreiecke, die das Oktaeder bilden. 
Das Oktaeder besteht also aus zwei mit ihren Grundflächen aufeinanderliegenden Pyramiden.
Jetzt paß aber gut auf: Wenn wir durch den Raum, in jeder Ebene der drei Dimensionen, in gleichem Abstand Schnittflächen legen, dann entstehen unzählige Oktaeder. Aber diese Oktaeder füllen den Raum dennoch nicht aus, sondern es bleiben zwischen den Oktaedern überall — genau wie im Innern des Würfels — Tetraeder, die außerhalb der Dreidimensionsflächen stehen! Du kannst den Raum in unendlich große oder unendlich kleine Oktaeder aufteilen, die Tetraeder außerhalb der Dreidimensionsebenen sind immer da. Der dreidimensionale Raum ruht also in jedem seiner Punkte auf dem göttlichen Tetraeder, das die absolute Harmonie und das absolute Gleichgewicht bedeutet. Genau so beruht die ganze offenbare Schöpfung in jedem ihrer Punkte auf der über aller Offenbarung stehenden, in sich ruhenden, nicht geoffenbarten Gottheit. Gott ist allgegenwärtig!
Kehren wir aber zurück zu den ineinander- und aufein anderliegenden geometrischen Körpern: Tetraeder, Würfel, Pentagondodekaeder und Ikosaeder. Ich will deine Aufmerksamkeit noch auf weitere Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge richten. Wenn wir die Quersumme der Verhältniszahlen, die zwischen den Flächenzahlen der ineinander verborgenen Kristallform — des Tetraeders, Würfels, Pentagondodekaeders und Ikosaeders — bestehen, also 2, 3, 6, 10 miteinander multiplizieren, so bekommen wir die Zahl 360, die Zahl der Grade des Kreises. Und wenn wir die Verhältniszahlen addieren, ergibt sich die Zahl 21, die Zahl der möglichen Verbindungen zwischen den sieben Faktoren der Schlüsselzahl der dreidimensionalen Welt, der Zahl sieben!»
Ptahhotep hört auf zu sprechen, und ich stehe stumm und wie betäubt vor Ihm. «Geh jetzt, mein Kind», sagt Ptahhotep, «es war genug für heute. Das nächste Mal sprechen wir noch über die vier Seiten der Pyramide. Weitere Wahrheiten sind in ihnen enthalten. Wenn du vollkommene Selbsterkenntnis erlangen willst, sind sie für dich von großer Wichtigkeit.» Ich verbeuge mich und gehe.

Samstag, 16. Juli 2016

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Leseprobe aus dem Buch Sexuelle Kraft und Yoga von Elisabeth Haich (241 S. PDF-Datei, das unter den Text verlinkt ist.)

FALSCHE UND RICHTIGE AUFFASSUNG ÜBER DIE SEXUELLE KRAFT 

In der Johannesoffenbarung (5, Vers 6) lesen wir, wie Logos, als ein Lamm mit sieben Hörnern und sieben Augen dargestellt, die Aufgabe auf sich nimmt, sich in die Materie hineinzukleiden( sie zu beleben, zu vergeistigen, die Materie zu Gott zurückzuführen: «... und mitten unter den Ältesten stand ein Lamm, wie erwürget wäre [der Geist fühlt sich in der Materie, im Körper wie erwürget]; und hat sieben Hörner und sieben Augen, welches sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande.« Und: »Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt!« (Joh. i, 29.) »Die Sünde dieser Welt tragen« bedeutet für den Geist, die Eigenschaften der Materie auf sich zu nehmen. Die Eigenschaften der Materie sind für den Körper, der Materie ist, keine Sünde. Dieselben Eigenschaften sind aber für den Geist Sünde. Die Eigenschaften, die Gesetze der Materie, sind genau denen des Geistes entgegengesetzt. Paulus sagt in seinem Brief an die Galater (5. Kap. Vers 17 und 18): »Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist und der Geist wider das Fleisch. Dieselben sind widereinander, daß ihr nicht tut, was ihr wollt. Regieret euch 66 aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetz« [des Fleisches, der Materie]. - Die Gesetze der Materie sind Zusammenziehung, Abkühlung, Versteifung, Verhärtung, Verdichtung. Die Gesetze des Geistes sind Feuer, Wärme, Hitze, Ausdehnung, Ausstrahlung. Für den Geist ist also Sünde, wenn er die Eigenschaften der Materie offenbart. Und ebenso ist es Sünde, wenn die Materie die Eigenschaften des Geistes offenbart. Das Lamm GOTTES ist Geist, und wenn es sich in die Materie kleidet, muß es sich den Gesetzen der Materie unterwerfen und die Eigenschaften der Materie, die für das Lamm Sünde bedeuten, auf sich tragen. Nur so kann Logos die Materie vergeistigen und sie zu GOTT zurückführen. Das schöpferische Prinzip - Logos -, das Lamm GOTTES, sagt von sich selbst an einer anderen Stelle der Bibel: »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich.« (Joh. 14, 6.) So ist das Leben - das ich selbst bin, nach den eigenen Worten des Logos - selbst der Weg, durch den wir zum Vater gelangen. Dazu hat sich das Leben zuerst in die Materie gekleidet, aus ihr eine geeignete Hülle, einen Körper geformt und in diesen Körper Organe hineingebaut, die geeignet sind, immer weitere Körper zu zeugen. Durch diese fließt der göttliche Strom des Lebens ohne Unterbrechung weiter, immer neue und neue Hüllen formend, die immer fähiger werden, die Schwingungen des Geistes als Widerstand zu tragen und zu offenbaren. Und während die materielle, lebendige, aber noch unbewußte Hülle, die Person, ihr Schattenleben lebt, wird sie aus ihrem Unbewußten vom Leben, das in seiner materialisierten Form die sexuelle Kraft ist, bearbeitet, ja gequält, um in ihr das Bewußtsein zu erwecken. Gottesdarstellung in Altmexiko: Unten eine Schlange — die sexuelle Kraft — darauf die Gestalt eines Menschen, die die körperversorgenden, emotionellen, mentalen und intuitiven Offenbarungen symbolisiert, und ganz oben das körperlose, reingeistige und strahlende Selbstbewußtsein: GOTT. 

Die erste, kleinste Tarotkarte stellt die noch »toten« Menschen dar, die im Geiste noch unbewußt sind und nur ein rein körperliches Dasein führen. Sie sind vorerst noch getrennte Geschlechtswesen — »Mann« und »Weib« — und denken auch nur in den Grenzen der Geschlechter. Diese sind die kleinen Marionetten, die kleinen »Personen«, die auf der Handfläche des großen, geschlechtslosen Ich herumtanzen, wie es ihre Rolle auf Erden wünscht. In dem eigenen, noch unbewußten Teil seines materiellen Wesens treibt sein eigenes höheres Selbst - das Logos ist - den primitiven Menschen ohne Unterlaß als sexuelle Kraft dazu an, in sich selbst, im materiellen Körper bewußt zu werden und das, was in seinem tiefsten Wesen er selbst ist - GOTT -, kennenzulernen, das heißt Selbsterkenntnis zu erlangen. Solange der Mensch unbewußt ist, erlebt er GOTT in sich als den sexuellen Drang, wenn er bewußt geworden ist, als sein eigenes Selbst, als sein eigenes wahres Wesen, als Ich bin! - GOTT ist dem Menschen der absolute Selbstbewußtseinszustand. Das Leben, das ewige Sein, GOTT, hilft in dieser Weise sich selbst, in der Materie, im Körper immer bewußter zu werden, bis das größte Wunder vollbracht ist: in ein und demselben göttlichen Selbstbewußtsein sind die Gegensätze, die geistigen und materiellen Gesetze zusammengefaßt, die Materie ist durchgeistigt, und in diesem durchgeistigten Körper ist das in die Materie bei der Geburt hineingestorbene schöpferische Prinzip - Logos, das Opferlamm - endlich, nach Äonen dauernder Entwicklung, auferstanden und wieder es selbst, GOTT, geworden. Das Lamm und die Braut, Logos und das Bewußtsein des körperlichen Wesens, sind eins geworden. Die himmlischmystische Hochzeit ist vollbracht! Das Mißverstehen der heiligen Schriften und falsche religiöse Erziehung haben den westlichen Menschen dahin gebracht, daß er die zu diesem Zweck unbedingt notwendige Weiterführung des Lebens, das Zeugen immer neuer Generationen und den damit verbundenen körperlichen Genuß und das Glücksgefühl, als Teufelswerk betrachtet und den Begriff der »Erbsünde« sich einprägen ließ, ja daß er die dazu geschaffenen, unbedingt notwendigen körperlichen Organe bis zum heutigen Tag als sündhaft-obszöne Dinge ansieht. Wie wunderbar rein und göttlich ist dagegen die Auffassung antiker und lebender asiatischer Völker, die das männliche Geschlechtsorgan, den Lingam, heilig halten und als die äußere materielle Form des Göttlichen anbeten, dient es doch dazu, das Allerhöchste: das Leben, das ewige Sein, GOTT, durch die Materie, durch den Körper zu offenbaren und weiterzuführen. 

Maßlose Naivität gehört dazu, in der Anbetung des Lingam durch die Orientalen eine Anbetung des körperlich-männlichen Organs zu vermuten! Glaubt man im Westen immer noch, daß die antiken Völker und die Orientalen, die die allerhöchste Kultur erreicht haben, so dumm waren und sind, einen bestimmten Körperteil anzubeten? Die Orientalen beteten und beten niemals die Materie, nie Körper an, sondern die durch die materielle Form sich manifestierende Gottheit! Ihre ganze Religionsphilosophie, ihre absolute Geringschätzung des Körperlichen, zeigen klar diese erhabene Mentalität. Ebenso ist es eine völlig unrichtige Auffassung der westlichen Menschen, in den erhabenen Darstellungen des Zeugungsaktes, welche die herrlichen Sonnengott-Tempel in Konarak, Bubaneschwar und andere Tempel in Indien zieren, pornographischen Selbstzweck zu sehen. Die erleuchteten Inder, die diese atemberaubenden, prachtvollen Kunstwerke geschaffen haben, betrachteten den Zeugungsakt nicht als eine obszöne Handlung, sondern als die Nachahmung des Urzustands Gottes, als das Ebenbild des Lebens, in dem die zwei Pole ineinander ruhen und ein neues Leben, eine neue Verkörperung ermöglicht wird. Sie betrachteten den Zeugungsakt als die Gottheit selbst, die sich durch die Materie in zwei Hälften, in zwei Geschlechter, geteilt und, durch die Geschlechter wieder in einer Einheit vereinigt, manifestiert, um das Leben auf der Erde in der Materie weiterzuführen, damit das große Ziel erreicht und ermöglicht werde, die Materie zu vergeistigen, in der Materie göttliches Selbstbewußtsein zu erlangen, die Auferstehung des menschlichen Bewußtseins in GOTT zu erleben! 

Es ist unverständlich, wie die weiße Rasse dazu gekommen ist, den Zeugungsakt, der uns und unseren Kindern das Leben gibt, als eine obszöne Handlung zu betrachten, über die man nicht sprechen darf. Wenn das etwas wäre, worüber man sich schämen müßte, warum tun es dann die Menschen, die so denken, dennoch? Und warum hat dann Gott, nach dieser Denkungsart, die Welt so geschaffen, daß diese verwerfliche Handlung unbedingt notwendig ist, um lebendige Wesen zeugen zu können? Was für ein riesiger Unterschied ist zwischen der Auffassung der Orientalen, die den Lingam als die Verkörperung der göttlichen Kräfte des Lebens betrachten und in ihm das Göttliche anbeten, um Kinder zu bekommen, und der westlichen Auffassung, nach der man den klassischen, vollendeten Darstellungen der griechischen und römischen Götter das Geschlechtsorgan abgebrochen und die beschädigten Stellen mit einem Wein- oder Feigenblatt bedeckt hat. (Es ist gerade so, als ob man die Aufmerksamkeit noch stärker hätte hinlenken wollen.) Die Menschen, die so handeln, verraten, daß sie selbst sexuell pathologisch sind. Anstatt den sexuellen Zeugungsakt als eine erhabene Erfüllung des Dranges nach Einheit - nach Liebe - und als lebenspendende, Gott nachahmende, Glücksgefühl schenkende Handlung zu betrachten, machen sie daraus einen tierischen Selbstzweck, der nur dazu gut ist, geile und krankhafte Wollust zu erleben, die gar nichts mit Liebe und wahrem Glück zu tun hat. Wenn diese Menschen nicht so denken würden, hätten sie keinen Grund dazu, die Geschlechtsorgane als obszöne Dinge zu verstecken. Sie machen durch ihre niedrigstehende Mentalität aus den Geschlechtsorganen obszöne Dinge. Diese Menschen ziehen das Göttliche in ihre eigene Unreinheit hinab. Schuld daran ist aber nicht die göttliche, lebenspendende Kraft und sexuelle Handlung, sondern die Einstellung derjenigen, die daraus wirklich etwas machen, worüber sie sich schämen müssen. Kein Wunder, daß die Zeit kommen mußte, in der das Pendel aus der Prüderie in die andere Richtung ausschlug. Die Folge davon ist, daß es heute viele pathologische Menschen gibt, die einerseits der Sexualität übermäßiges Gewicht beimessen, indem sie für jede seelische Störung einen sexuellen Grund nachzuweisen suchen, anderseits bagatellisieren sie die sexuelle Kraft damit, daß sie überall, wo es eine Möglichkeit dazu gibt, hemmungslosen sexuellen Verkehr provozieren. Als ob die geschlechtliche Vereinigung eine Zigarette wäre, die man raucht und wegwirft, womit die Angelegenheit vergessen wäre! Diese Menschen wissen nicht, daß die sexuelle Kraft eine Offenbarung des Wesens des Menschen selbst ist und er keinen geschlechtliches Verkehr ausüben kann, ohne sich selbst - ob bewußt oder unbewußt - mithineinzugeben. Die Partnerin oder der Partner ist kein Gegenstand, den man gebraucht und wegwirft, sondern ein lebendes Wesen, das auch eine menschliche Seele besitzt, sogar die Prostituierten sind es! - Diese verirrten Menschen versuchen die Sehnsucht nach Glück und nach seelischem Gleichgewicht mit rein körperlichem, sexuellem Verkehr zu befriedigen. 

Die Menschen sehnen sich nach Liebe, nicht aber nach rein körperlicher Befriedigung. Es ist ein gefährlicher Irrtum, Liebe in Sexualität, ohne geistige oder seelische Beziehungen, zu suchen und Liebe durch Sexualität ersetzen zu wollen. Selbstverständlich glauben zum Beispiel Frauen, die von ihren leblosen, uninteressanten und uninteressierten »toten« Männern nie die kleinste Äußerung der Liebe zu spüren bekommen, daß das Liebe ist, wenn der Mann in der kurzen Zeit der Erregung sich für die Frau interessiert und unter der Wirkung der sexuellen Kraft Spuren von Zärtlichkeit offenbart, und wollen deshalb mit dem Mann sooft wie möglich sexuellen Verkehr provozieren. Dies geschieht nicht, weil sie selbst in erster Linie sexuellen Verkehr wünschten, sondern weil sie sich nach »ein bißchen Liebe« sehnen. Gelingt es dann mit dem Ehemann nicht, so versuchen sie, wenn sich eine Gelegenheit ergibt - und sie findet sich immer! -, von einem anderen Mann Liebe zu bekommen und die Sexualität auszuleben. Meistens, ohne daß sie das wirklich aus einer sexuellkörperlichen Unbefriedigtheit tun würden. Der Körper wünscht viel seltener sexuelle Befriedigung, als man glaubt! Die Männer sehnen sich danach, daß die Frau zu ihnen aufschaut, sie als höchste Offenbarung Gottes, als Mann bewundert. Wenn er diese Anerkennung zu Hause nicht findet, trifft er gewiß eine andere Frau, die ihm Bewunderung zollt, und dann sieht es so aus, als ob er eine sexuelle Verbindung gesucht hätte. Der Mann wie die Frau suchen bei der Liebhaberin oder beim Liebhaber »Liebe«, und der Irrtum besteht darin, daß sie sie von diesen »anderen« zu bekommen glauben, weil sie diese während einer geheimen Begegnung immer nur in Erwartung eines sexuellen Verkehrs, also in einem erregten Zustand treffen. Und die Sexualität ahmt die Liebe nach. Sie zwingt einen, zärtlich zu sein, den anderen zu umarmen, ihn an sich zu drücken und sich gegenseitig mit den Offenbarungen der Sexualität zu betäuben, als ob man wahre Liebe gäbe. Was folgt nach solchen Erlebnissen? Gegenseitige Enttäuschungen, bitterer Nachgeschmack, gegenseitige Beschuldigungen oder öde Einsamkeit bleiben zurück und bei Frauen meistens noch das verzweifelte Gefühl des Ausgenütztseins und der Verunreinigung. Keines von beiden hat wahre Liebe gegeben, sondern nur vom anderen erwartet, also hat auch keines Liebe bekommen! Liebe kann man nie mit leerer, rein körperlicher Sexualität ersetzen! Und die Menschheit sehnt sich, lechzt nach Liebe! Diese vielen armen, jungen Menschen, die kaum den Kinderschuhen entwachsen sind und die vielleicht auch in ihrer Kindheit von ihren Eltern kaum Liebe bekommen haben, da die »zivilisierte« Lebensweise nicht mehr auf Liebe eingerichtet ist, laufen nach sexuellen Abenteuern, suchen sexuelle Ausschweifungen, weil sie Liebe suchen! Die vielen seelisch erkrankten Menschen, ob jung oder erwachsen, kann man nur mit Liebe heilen und nicht damit, daß man ihnen den sexuellen Verkehr bagatellisiert, sie von ihren diesbezüglichen Hemmungen befreien will und sie überredet, ein zügelloses, hemmungs- und wahlloses sexuelles Leben zu führen. Wie viele von diesen jungen und auch älteren Menschen suchen Rat nach solcher unverantwortlicher seelischer Behandlung, um ihre verlorene körperliche und seelische Sauberkeit wieder zu erlangen. Und wenn man ihnen nur ein wenig Liebe und Verständnis entgegenbringt, gehen sie geheilt in das Leben zurück, um nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft zu werden. Und noch keinen einzigen haben wir getroffen, der von der Sauberkeit, die ihm empfohlen wurde, »Verdrängung« oder »Trauma« bekommen hätte. Unter »Sauberkeit« wird natürlich nicht nur ein enthaltsames, sondern auch ein gesundes, auf Liebe basiertes Liebesleben verstanden. 

Versuchen wir also das Pendel in die Mitte zu bringen, und versuchen wir, nach dem durch »Verdrängung« und »Trauma« eingetretenen Ausschlag auf die Seite der übertriebenen, wahllosen sexuellen »Hemmungslosigkeit« und falschen Vorstellungen von sexueller »Freiheit«, zu einer normalen Auffassung von der Sexualität zu kommen. Wir sollen dem Beispiel großer Eingeweihter folgen, welche die sexuelle Kraft nicht als Teufelswerk betrachten, sondern das Geheimnis dieser Kraft kennen und wissen, daß einzig und allein sie uns Menschen hilft, das Endziel - GOTT - zu erreichen. Hier zeigt sich wieder die unendliche Weisheit in der Einrichtung der ganzen Schöpfung. Wie uns allein unsere Unwissenheit das Wissen bringt*, so ist es einzig und allein die sexuelle Kraft, die uns die Erlösung von ihr selbst, von der sexuellen Kraft bringt! Die sexuelle Kraft befreit uns von den von ihr selbst verursachten, sich immer wiederholenden sexuellen Wünschen und führt uns aus der Sterblichkeit, aus dem Tode, zur Erlösung, zur Auferstehung, zum LEBEN. Die mittelalterlichen Alchimisten, die Rosenkreuzer, haben diesen Entwicklungsprozeß sehr geistreich dargestellt: der weise Mensch stellt den Stein der Weisen so her, daß er seinen Lebensbaum in einen mit Lebenswasser gefüllten Waschtrog stellt, * Siehe: Elisabeth Haich, Yoga im heutigen Lebenskampf. - unter dem der Drache, die sexuelle Kraft, mit seinem Feuer ununterbrochen heizt, um ihn zum Blühen zu bringen. Verachten wir also die Sexualität nicht und betrachten wir sie nicht als die teuflische Kraft, die den Menschen zum Tier macht, aber machen wir aus ihr auch keine teuflische Kraft, die den Menschen zum Tier macht. Betrachten wir die sexuelle Kraft als den Schlüssel, der uns die Tür zwischen Geist und materieller Welt, von oben nach unten, aber auch von unten nach oben öffnen kann. Betrachten wir sie also als göttliche Triebkraft, die uns zur Erschaffung weiterer Generationen befähigt, das Leben von oben nach unten im Körper weiterzuführen, anderseits aber auch als dieselbe mächtige Kraft, die den Menschen von unten nach oben aus seinem Tierwesen in einen geistigen Menschen verwandelt und den Tod besiegen hilft. Wir müssen dankbar sein, daß die sexuelle Kraft uns auf beiden Wegen, bei richtigem Gebrauch, so viel Glück gibt. 

Auf dem Wege von oben nach unten kurzes und vergängliches, auf dem Wege von unten nach oben ewiges Glück. Gebrauchen wir Ihr Feuer, um unseren Lebensbaum in die Höhe wachsen zu lassen und zum Blühen zu bringen. Bedenken wir: Der primitive Mensch steht noch auf der niedrigsten Stufe des Bewußtseins. In seiner tierischen Selbstsucht lebt er in sich vollkommen isoliert und eingemauert, sein Herz ist noch tot, und er hat noch keine Ahnung, was Liebe heißt. Die sexuelle Kraft, dieses elementare Feuer, ist einzig und allein fähig, sein totes Herz zum ersten Mal zu durchglühen. Und wenn er während der kurzen Zeit der Erregung auch nur eine Vorahnung der Liebe erlebt und äußert, so ist dies doch schon der erste Schimmer der göttlichen Liebe. Durch die Sexualität lernt er das erste Mal das Glück des Gebens kennen. Und obwohl seine erste dämmernde Liebe noch nichts anderes ist als eine tierische Begierde, eine leidenschaftliche Begierde, ist dennoch sein erregter Zustand, wenn auch noch ganz unbewußt und auf kurze Zeit, schon ein Drang nach Einheit, nach Liebe! Wenn er auch diesen Drang nach Liebe vorerst nur im Körper erlebt und daher auch die Befriedigung nur im Körper suchen kann, ist es doch schon die erste Widerspiegelung der geistigen Einheit im großen Selbst, die er unbewußt sucht und nach langem Suchen, nach langer, vielleicht Äonen dauernder Entwicklung finden wird, weil es in seiner Bestimmung liegt, sie zu finden. Die sexuelle Kraft verursacht uns innere Unruhe, die uns nie stehenbleiben läßt und uns immer weiterjagt und zwingt, nach vielen Umwegen den inneren Pfad zu finden. In einem unerwarteten Augenblick wird unser Selbstbewußtsein, inmitten der tierischen Triebe, und in der »Nacht«, in der Finsternis des Unbewußtseins geboren, wie das göttliche Kind in einem Stall inmitten von Tieren in der »Nacht«, in der Finsternis geboren worden ist. Und der Mensch macht sich auf und entschließt sich auf dem großen Weg, vom ersten Bewußtwerden im Selbst bis zum paradiesischen Allbewußtsein, zum Ziel zu wandern. 

In dem Maße, wie er auf diesem langen Weg in sich allmählich bewußt wird, entfaltet sich in ihm die Fähigkeit, über die schöpferische Energie in jeder ihrer Erscheinungsformen zu herrschen und sie nach seinem Willen zu gebrauchen. Wenn er einmal die höchste Stufe, die Quelle der schöpferischen Kraft erreicht hat, wird er fähig sein, die niedrigeren Energieformen der göttlichschöpferischen Kraft in ihre höheren Formen umzuwandeln und mit den höheren, geistigen Energieformen die niedrigeren Formen zu beherrschen und zu lenken und alle diese Energien durch die entsprechenden Nervenzentren zu manifestieren. Lernen wir diese göttliche Kraft kennen, und versuchen wir durch ihre Hilfe auf der Jakobsleiter höher zu klimmen und gleichzeitig damit ihr selbst - der sexuellen Kraft - zu helfen, sich in ihre höheren Schwingungen, in geistige Kraft umzuwandeln. Wo unser Bewußtsein ist, dort wirkt die schöpferische Kraft.

Elisabeth Haich: Sexuelle Kraft und Yoga (241 S. PDF-Datei)

Dienstag, 7. Juni 2016

Buchempfehlung | Einweihung - Elisabeth Haich (PDF)


Auszüge aus dem Buch von Elisabeth Haich, das ihre eigene Autobiografie ist das sie aber in Romanform verfaßt hat, es ist in der Tat eine Einweihung in die Mysterien des Lebens und des Weltalls... Ich habe es unter dem Blog verlinkt. Allerdings fehlen die Seiten 232, 233, 332 und 333!:

DER BAUM DER ERKENNTNIS DES GUTEN UND BÖSEN

Wie ich so weit bin, daß ich das Schweigen ziemlich beherrsche, stehe ich eines Abends wieder vor Ptahhotep (der Hoheprister-Sohn Gottes, mein Onkel) und Er fragt: «Was hast du während deiner Kämpfe mit dem Schweigen erfahren? Hast du nur über das Schweigen Herr zu sein gelernt?» «Nein, Vater, das war einfach unmöglich. Während ich mit dem Schweigen kämpfte, mußte ich gleichzeitig auch mit dem Reden kämpfen. In dem Grade, wie ich Herr über das Schweigen wurde, bin ich auch Herr über das Reden geworden. Denn schweigen bedeutet nicht reden — und reden bedeutet nicht schweigen. Ich konnte diese zwei Dinge nicht voneinander trennen. Ich habe entdeckt, daß, gleich der Münze, die zwei Seiten hat und doch eine Einheit ist, auch das Zwillingspaar Schweigen und Reden die zwei Seiten einer einzigen Einheit sind.» «Richtig», sagt Ptahhotep, dann steht er auf und führt mich zu einer der großen weißen Steinquadern, aus welchen die Wände des Raumes bestehen. Er zeigt auf die glatte weiße Fläche des Steins und fragt: «Was siehst du auf dieser weißen Fläche?» «Nichts», antworte ich. «Und was könnte ich darauf zeichnen?» «Alles.» «Nun», sagt Ptahhotep, «dieses Nichts enthält also in sich das All. In diesem Zustand bilden beide eine vollkommene Einheit. Aus der Einheit kann also etwas nur erkennbar werden, wenn dieses Etwas sich von der Einheit trennt, sich absondert und aus ihr heraushebt. Schau, ich zeichne jetzt auf diese Fläche mit grüner Farbe ein Kleeblatt. Dies Kleeblatt befand sich auch früher da, auf dieser Steinplatte, du hast es aber nicht erkennen können, da die positive Form des Blattes und die negative Natur des Hintergrundes noch ineinander ruhten. Sie waren vollkommen identisch. Die Form des Kleeblattes war vom All, das in diesem Nichts enthalten ist, noch nicht getrennt. Dadurch, daß das Kleeblatt in einer grünen Farbe erschien, trennte es sich vom All und wurde erkennbar. Bedenke jetzt etwas sehr Wichtiges: Wenn dies Blatt auf dieser weißen Fläche in grüner Farbe erscheint, so bedeutet dies, daß es seine Form in der ergänzenden Farbe, also in diesem Falle rot, im All als sein unsichtbares, negatives Bild zurückgelassen hat. Wisse: Was immer du siehst, es ist nur darum erkennbar, weil es sich von seiner Ergänzungshälfte getrennt hat und diese im Unsichtbaren, Ungeoffenbarten zurückgeblieben ist! Erkenntnis erlangst du nur durch Vergleichen der voneinander getrennten zwei Seiten — der positiven und der negativen. Solange diese zwei Seiten als Einheit verschmolzen ineinander ruhen, kannst du nichts wahrnehmen, nichts erkennen. Beobachte die sichtbare Welt! Sie ist nur darum erkennbar, weil sie sich von der Einheit, wo das Nichts und das All noch ineinander ruhen, also von der absoluten Einheit, die wir Gott nennen, getrennt hat. Nur dadurch, daß das Positive vom Negativen getrennt erscheint und wir die beiden miteinander vergleichen können, ist die Schöpfung erkennbar. Ohne daß sich die Einheit in zwei Hälften spaltet — in eine geoffenbarte und in deren Spiegelbild, die nicht-geoffenbarte —, wodurch beide durch Vergleich erkennbar werden, gibt es keine Erkenntnis! Jetzt folge mir.» Ptahhotep führt mich in einen anderen Raum, wo er auf einen großen Tisch vor der weißen Wand eine kleine Figur stellt. Dann stellt er hinter die Figur, rechts und links, je ein Lämpchen, so daß die Figur nach rechts und links einen Schatten wirft. Dann nimmt Ptahhotep eine durchsichtige rote Scheibe und hält sie vor das rechte Lämpchen. Zu meiner größten Überraschung erscheint jetzt an der Wand rechts ein roter Schatten, links aber ein grellgrüner! «Wie kommt das, Vater meiner Seele?» frage ich erstaunt. «Denk nach, und du wirst die Erklärung selber finden», sagt Ptahhotep. Ich bleibe eine Weile stumm und konzentriere mich, bis ich die Lösung erlebe. Dann erkläre ich: «Die Figur hält von dem rot gewordenen Licht die rote Farbe zurück und läßt nur die Ergänzungsfarbe an der Wand erscheinen. Daher der grüne Schatten auf der anderen Seite. Dagegen hält die Figur das ganze Licht der anderen Lampe zurück, und so scheint der andere Schatten auf dieser Seite der Wand rot geworden zu sein.» «Sehr richtig», sagt Ptahhotep, «du siehst, die zwei Farben können ohne einander nicht existieren, ebensowenig wie das Schweigen ohne das Reden. Was immer du in der Welt der Erkenntnis offenbar machst, das ergänzende Gegenteil bleibt im Ungeoffenbarten. Wenn du redest, bleibt im Ungeoffenbarten die negative Seite des Redens: das Schweigen. Und wenn du schweigst, bleibt die positive Seite des Schweigens im Ungeoffenbarten: das Reden. Wenn ein Berg entsteht, muß als sein negatives Bild ein Tal entstehen. Wie wäre ein Berg ohne Tal und ein Tal ohne Berg möglich? Es kann sich nie etwas offenbaren, erkennbar machen, ohne daß der Gegensatz — das ergänzende Gegenteil — gleichzeitig im Ungeoffenbarten gegenwärtig wäre! Wenn sich etwas Positives offenbart, bleibt das Negative im Ungeoffenbarten, und umgekehrt, wenn sich das Negative offenbart, bleibt das Positive ungeoffenbart. Wo der eine erscheint, muß sein ergänzender Teil auch dabei sein, wenn auch nur in einem ungeoffenbarten Zustand. Ihre Zusammengehörigkeit bindet sie ewig aneinander. Die Trennung ist also nur scheinbar, weil die zwei Ergänzungshälften, wenn sie auch getrennt und aus der All-Einheit gefallen sind, sich voneinander dennoch nicht entfernen und einander nie verlassen können. Die untrennbare, göttliche Einheit offenbart sich also immer und überall, denn auch in dieser scheinbaren Trennung wirkt sie weiter als die überall gegenwärtige Anziehungskraft zwischen Positivem und Negativem. Sie streben in ihren ursprünglichen Zustand zurück, in die göttliche Einheit. Wenn auch etwas in der sichtbaren Welt erscheint, von der göttlichen Einheit kann es sich nicht endgültig abspalten; irgend einmal, früher oder später, wird es, sich mit seiner Ergänzungshälfte wiedervereinigend, in die göttliche Einheit zurückfinden. Die Kraft aber, die, allem Existierenden innewohnend, alles in die Einheit zurückzwingt, nennen wir Gott. Die Schöpfung — die erkennbare Welt — ist gleich einem Baum: rechts trägt er positiv-gute und links negativ-böse Früchte. Aber beide Seiten stammen aus demselben Stamm, aus derselben Einheit. Nur durch diese Spaltung entstanden aus der Einheit — die weder gut noch böse, sondern göttlich ist — das Gute und das Böse. Nur durch die Spaltung wurde Erkenntnis möglich. Folglich muß die erkennbare Welt aus Gutem und Bösem bestehen, sonst wäre sie nicht erkennbar und überhaupt nicht möglich. Die ganze Schöpfung ist der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen! Der Schöpfer — Gott — ist aber keine aus der Einheit herausgefallene und von ihr getrennte, folglich erkennbare Hälfte der Einheit, sondern Gott ist die Einheit selbst. Er steht über allem Geschaffenen, aus der Einheit Herausgefallenen und ruht in sich in vollkommener Einheit. Er ist das Nichts, dem das All entsteigt und sich offenbart, aber in Ihm sind Nichts und All ungetrennte, göttliche Einheit! Schöpfung bedeutet immer nur die eine aus der Einheit herausgefallene, durch das Vergleichen erkennbar gewordene Hälfte der Ganzheit, deren Ergänzungshälfte im Ungeoffenbarten geblieben ist. Darum kannst du Gott — den Schöpfer — in der Welt der Schöpfung nie finden, nie erkennen, weil Gott keine ergänzende Hälfte hat, mit der man Ihn vergleichen könnte. Es gibt überhaupt keine Möglichkeit, Ihn mit etwas zu vergleichen, folglich gibt es auch keine Möglichkeit, Ihn zu erkennen — Gott kannst du nur sein! Höre, mein Kind: Es gibt nur ein ewiges Sein — nur einen Gott. In allem, was lebt, lebt dieses eine, einzige Sein — lebt dieser eine, einzige Gott. Gott ist die unteilbare Einheit, Er ist überall gegenwärtig, Er erfüllt das ganze Universum. Das ganze Weltall lebt, weil Gott es mit seinem eigenen, ewigen Sein belebt! Gott ist also wie ein Baum aus Leben — ein Lebensbaum —, der sein eigenes Wesen der geschaffenen, erkennbaren, von ihrer Ergänzungshälfte abgespaltenen Welt — also dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen — hingibt und ihn belebt. Der Erkenntnisbaum — die geschaffene Welt — lebt überhaupt nur dadurch, daß der Baum des Lebens — Gott — sein eigenes Leben in seine Adern einflößt, in ihm lebt! Die materielle Welt ist gleich einem Todesbaum: der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen und der ihm innewohnende Gott ist der Lebensbaum, der in allem, was geschaffen ist, lebt. Gott ist nur einer. Dieser eine, einzige Gott ist das Selbst, das innerste Wesen aller Lebewesen. Gott ist überall gegenwärtig, und da sich an demselben Orte zwei Dinge nicht gleichzeitig befinden können und nichts Gott an irgendeiner Stelle des Weltalls verdrängen kann, kann auch überall und in allen Erscheinungen nur ein und derselbe Gott als das Selbst gegenwärtig sein. Gott ist unteilbare Einheit. Alle Lebewesen, alle Pflanzen, Tiere, der Mensch selbst, sind Früchte am Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen, darum lebendig, weil der Lebensstrom des Lebensbaumes durch ihre Adern strömt, weil der Lebensbaum in ihnen lebt. Auch in mir, meine kleine Tochter! — Dein Körper ist auch eine Frucht am Todesbaum, am Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen und hat kein eigenes Leben. Auch in dir lebt der Lebensbaum, weil dein Selbst auch ein Zweiglein vom großen Lebensbaume Gottes ist, und du lebst nur darum, weil Gott als dein Selbst in dir lebt und deinen Körper, deine Person lebendig erhält. Dadurch, daß du in einen Körper hineingeboren bist, bist du ein erkennbares Wesen geworden. Du hast dein Bewußtsein vom Nichts-All — von Gott, von deinem wahren Selbst — getrennt. Du bist aus dem göttlichen, paradiesischen Urzustand, wo alle Offenbarungsmöglichkeiten, also alle Pflanzen, alle Tiere und der Mensch selbst, noch in einer All-Einheit sind, in die Vielheit, in die Differenzierung, hinausgefallen. Du bist eine Offenbarung, ein Geschaffenes geworden. Folglich ist alles, was du hier auf der irdischen Ebene bist, nur die erkennbare, aus Gutem und Bösem gemischte Offenbarungshälfte der Einheit. Und da dein Bewußtsein in deinen Körper versetzt ist, bist du in diesem Körper erwacht, das heißt, dein Bewußtsein wurde mit dem Körper identisch. Von etwas ,essen' bedeutet ,identisch werden'. Denn was du issest, daraus wirst du bestehen, das wirst du sein. Dadurch, daß sich dein Bewußtsein mit dem Körper identifizierte, hast du — symbolisch ausgedrückt — von den Früchten des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen gegessen und bist zugleich dem Reich des Todes verfallen. Höre aber: Dein Körper ist die Folge und das Resultat der Trennung, er ist nur die sichtbare Hälfte deines wahren Selbst. Die andere Hälfte ist im ungeoffenbarten, unbewußten Teil deines Wesens geblieben. Wenn du diese zwei Ergänzungshälften miteinander vereinigst, kannst du in die göttliche Einheit zurückfinden! Es ist ganz unmöglich, die Einheit körperlich zu erleben: deine unsichtbare und unbewußte Hälfte auch sichtbar, körperlich zu machen und beide miteinander zu vereinigen. Denn ein Bewußtsein kann nicht zwei Körper beleben; wenn du das Wesen deiner Ergänzungshälfte in deinem Körper erleben wolltest, würde das den Tod bedeuten. Wenn er eben dadurch sichtbar geworden ist, daß er sich von seiner Ergänzungshälfte getrennt hat, so müßte die Wiedervereinigung die Vernichtung des Körpers nach sich ziehen. Du kannst aber die göttliche Einheit mit deiner Ergänzungshälfte dennoch im Körper erleben: in einem Bewußtseinszustand! Du kannst dein Bewußtsein ausdehnen, erweitern, bis du dein Unbewußtes vollkommen bewußt machst, deine ungeoffenbarte und unsichtbare Hälfte bewußt erlebst und so die göttliche Einheit in deinem Bewußtsein verwirklichst. Du kannst dein Bewußtsein, während dein Körper in der sichtbar geschaffenen Welt weilt, wieder mit deinem wahren Selbst, aus welchem du herausgefallen bist, zur vollkommenen Einheit verschmelzen und schon im körperlichen Dasein die Seligkeit — Gott erleben — Gott sein. Dies Streben nach Wiedervereinigung liegt in allem, was geschaffen wurde. Jedes Lebewesen sucht seine andere Offenbarungshälfte, um sich mit ihr wieder zu vereinigen. Die positiven Erscheinungen — die männlichen — suchen die negativ-weiblichen und umgekehrt. Dies Streben der positiven und negativen Kraft bildet sogar die tiefste Struktur der Materie, besser gesagt: es gäbe überhaupt keine Materie ohne dieses Streben. Denn dies Streben nach der Einheit — nach dem Zustand: Gott zu sein — macht die Anziehungskraft zwischen den positiven und negativen Kräften aus, und die ganze Welt ist auf diesem Streben nach dem göttlichen Urzustand aufgebaut. Die Quelle aller Kräfte in der geoffenbarten Welt ist eben dieses Streben. Die Natur benützt es, und in den Körper projeziert, entsteht daraus die sexuelle Kraft. Solange aber ein Lebewesen seine andere Hälfte außerhalb sucht, in der geschaffenen, erkennbaren Welt, wird es die Einheit nie finden, weil seine ergänzende Hälfte eben nicht draußen, im Geoffenbarten, von ihm getrennt, sondern ungetrennt von ihm im eigenen Ungeoffenbarten, im Unbewußten, ist. Kein Lebewesen könnte da sein, wenn es eine andere Hälfte nicht im Ungeoffenbarten hätte. Schau, meine Tochter, dich selbst an: Der Gegensatz all dessen, was du in deinem bewußten Teil bist und offenbar machst, ist in deinem unbewußten Teil enthalten, der aber dennoch auch zu dir gehört, der auch du bist. Du findest deinen ergänzenden Teil nicht außerhalb — auch du nicht in einem Manne aus Fleisch und Blut —, sondern nur im unbewußten Teil deines eigenen Selbst. Wenn du diese zwei Hälften deines Selbst im Bewußtsein vereinigst, hast du wieder in das Nichts-All zurückgefunden, bist wieder mit Gott identisch geworden! Und da in dieser Vereinigung, die sich in deinem Bewußtsein abspielt, die ewige Sehnsucht deines geoffenbarten Wesens aufhört, da es seine Ergänzung gefunden hat und mit ihr zu einer Einheit verschmolzen ist, hört auch der sexuelle Wunsch deines Körpers ein für allemal auf. Du wirst in dir vollendet, du erlebst schon im körperlichen Dasein den göttlichen Zustand: die Unsterblichkeit, die Seligkeit — es ist vollbracht! Und da in jedem Lebewesen dasselbe eine, einzige Sein lebt, wirst du gleichzeitig mit dem wahren Selbst jedes Lebewesens identisch, wenn du in deinem wahren Selbst erwachst. Du wirst die Einheit mit Gott, aber gleichzeitig auch die Einheit mit dem ganzen Weltall erlangen. Du wirst dein Bewußtsein aus deinem Körper, aus deinem persönlichen Wesen hinausheben und das kosmische All-Bewußtsein erleben. Du wirst dich in jedem Lebewesen, im ganzen Weltall — in Gott — als "Ich" fühlen. Das bedeutet: Du issest wieder von den Früchten des Lebensbaumes! Dann bist du aus der Welt der Wirkungen in die Welt der Ursachen, aus dem Vergänglichen in das Unvergängliche, aus dem Geschaffenen in das Schöpferische gelangt und aus dem Reiche des Todes im Reich des Lebens, im ewigen Sein, auferstanden. Und das ist Einweihung!» Ptahhotep hört auf zu sprechen. Aber ich sehe diese göttliche Einheit verwirklicht in der unergründlichen Tiefe seiner himmlischen Augen. Unendliches Glück, Ruhe und Frieden strömt aus diesen Augen in meine Seele über. Ich sehe in seinem Blick die Erfüllung der Wahrheit. Dann segnet Er mich, und ich gehe.

(...)

Den Bewußtseinsgrad der nächsthöheren Schwingungsoktave nennt die menschliche Sprache: Prophet. Er offenbart alle vorhergehenden Stufen, aber er ist auch noch auf der nächsten Ebene bewußt: auf der Ebene der göttlichen Weisheit und der universellen Liebe. Nie darf man aber diese universelle Liebe, die der sechsten Stufe entspricht und eine vollkommen geistige Kraft ist, mit der ,Liebe' des dritten, tierischen Grades, die die Offenbarung der tierischen Triebe ist, verwechseln. Jene ,Liebe' ist eine um drei Grade tiefer transformierte Schwingung, deren Quelle der Arterhaltungstrieb ist. Solche ,Liebe' ist Besitzgier und will immer nur den Körper. Sie zwingt einen Menschen, dem geliebten anderen Wesen nahe zu kommen, es zu umarmen, zu küssen, es an sich zu drücken, mit einem Worte: es zu besitzen. Wer dieser Liebe untenan ist, lebt in seinem Bewußtsein noch im Zustand der Spaltung und sucht seine körperliche Ergänzungshälfte, um Befriedigung zu finden. Diese Liebe will immer nehmen, etwas haben, besitzen. Die Liebe im sechsten Offenbarungsgrad, die Liebe der Propheten, stammt nicht aus der Spaltung, sondern aus dem Urzustand der göttlichen Einheit! Deshalb ist diese Liebe universell, immer gebend, nie. nehmend, braucht keine Ergänzung mehr, keine körperliche Offenbarung, sondern sie strahlt aus dem Bewußtsein der göttlichen All-Einheit. Die Menschen, die auf dieser Stufe bewußt sind, wollen niemanden besitzen, sie fühlen sich eins mit dem All: sie sind All-ein.

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Wenn das Bewußtsein sich mit dem Gesetz der Materie identifiziert und wenn das Denken, Worte und Taten nicht dem göttlichen Gesetz, sondern dem Gesetz der Materie dient, dann belebt der Mensch Satan: dadurch wird der Mensch selbst satanisch. Ohne den Menschen kann Satan nicht existieren, denn ohne das Selbst des Menschen ist Satan nur eine unbewußte Kraft, ein notwendiges Naturgesetz der Materie. Satan kann nur in dem Bewußtsein jenes Menschen lebendig werden, der das Gesetz der Materie, das Gesetz des Fleisches, im Geist offenbart, der sein Bewußtsein mit seiner Person, mit seiner niedrigen Natur, mit den seinem Fleische innewohnenden Trieben, mit dem Arterhaltungs- und Selbsterhaltungstrieb, identifiziert und die zusammenziehende, verhärtende Kraft der Materie als geistige Eigenschaften, wie Habgier, Neid, Eitelkeit, seelische Härte und Selbstsucht, offenbart. Satan an sich ist noch keinem Lebewesen begegnet, denn ohne den Menschen existiert auch Satan nicht. Ohne den Menschen ist Satan nur das Gesetz der Materie. Nur in einem Menschen kann man Satan lebendig begegnen, nur in einem menschlichen Antlitz kann man Satan als den Ausdruck dieses Antlitzes erkennen. Wenn das Selbst sich aus solch einem Menschen beim Tode des Körpers herauslöst, bleibt Satan wieder als das Gesetz der Materie im Leichnam zurück. Er wurde durch die belebende Kraft des Selbst im Bewußtsein lebendig, wurde Satan. Das Bewußtsein des Menschen aber, der sich mit dem Gesetz der Materie identifizierte und so selbst satanisch wurde, stirbt mit Satan und wird nach dem Tode unbewußt. Satan zieht ihn, seinen Sklaven, in die tote Materie, in die Finsternis, in die Bewußtlosigkeit, zu sich. Dagegen bleibt das Bewußtsein des Menschen, der sich mit dem Gesetz des göttlichen Geistes identifizierte und diesem diente, beim Abstreifen des Körpers wach, und — befreit von den Ketten, von der Isolation der Materie — schmilzt es in das ewige Licht, in Gott, ein.

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DIE ZWÖLF ZWILLINGSEIGENSCHAFTEN

Am anderen Abend stehe ich wieder vor Ptahhotep. «Die Zeit ist da», sagt Er, «daß du die zwölf Zwillingseigenschaften als nächste Übungen vornimmst. Bei der Einweihung wirst du darin geprüft werden. Höre also gut zu, und präge dir ein, was ich dir jetzt sage: So wie ,Schweigen' und ,Reden' die zwei sich ergänzenden Offenbarungsformen derselben Kraft sind, so gibt es zwölf Eigenschaftspaare, die du zu beherrschen lernen mußt. Von nun an wirst du nur vormittags im Tempel sein, dann gehst du in den Palast zurück und mußt jede Gelegenheit benützen, so viel als möglich unter Menschen zu sein, denn es ist viel leichter, dieser Eigenschaften im Tempel Herr zu sein als in der Welt. Hier begegnest du lauter dir ähnlichen, nach der göttlichen Einheit strebenden Neophyten sowie den schon in der göttlichen Einheit lebenden Priestern und Priesterinnen. In der Welt bist du aber den verschiedensten Versuchungen ausgesetzt. Du begegnest dort vielen, die körperbesessen sind und auch dich beeinflussen wollen. Die Gefahr zu fallen ist viel größer. Wenn du alle Eigenschaften im Weltgetriebe meistern kannst, dann wirst du die Einweihungsprüfungen auch bestehen. Die zwölf Zwillingseigenschaften sind:
Schweigen — Reden 
Empfänglichkeit — Unbeeinflußbarkeit 
Gehorchen — Herrschen 
Demut — Selbstvertrauen 
Blitzesschnelle — Besonnenheit 
Alles annehmen — Unterscheiden können 
Vorsicht — Mut 
Nichts besitzen — Über alles verfügen 
An nichts gebunden sein — Treue 
Sich zeigen — Unbemerktbleiben 
Todesverachtung — Lebensschätzung 
Gleichgültigkeit — Liebe

Die Erde durchläuft jetzt eine lange Periode, in der allmählich körperbesessene und selbstsüchtige Menschen die Regierung übernehmen werden. Du weißt aber schon, daß dort, wo sich negative Kräfte offenbaren, auch positive Kräfte zugegen sein müssen, jedoch im Ungeoffenbarten. Während dieser dunkeln Periode der Erde müssen die Söhne Gottes, die die göttlichen Gesetze der Selbstlosigkeit offenbaren, allmählich die irdische Ebene verlassen und sich auf die geistige Ebene, in das Ungeoffenbarte, zurückziehen. Sie werden aber im Unbewußten der Menschen weiterwirken, da sie eben das Unbewußte der Menschheit sein werden und sich in der Seele der reif werdenden Menschen als Sehnsucht nach Befreiung und Erlösung offenbaren. Auf Erden werden der Machtwahn der einzelnen und die sich steigernde Unzufriedenheit der versklavten Menschenmassen Jahrtausende hindurch in immer bitterer werdenden Kämpfen zusammenstoßen. Die Jahrtausende ständiger Kämpfe und die Herrschaft von Habgier, Eitelkeit, Neid, Rachsucht, Haß und anderen tierischen Eigenschaften würden alles Schöne, Gute und Wahre ausrotten, wenn nicht die göttliche Vorsehung dafür Sorge tragen würde, daß eine Einheit von geistig verbundenen Menschen — unter der Führung der von der geistigen Ebene wirkenden Söhne Gottes — die Fortdauer und Weiterpflanzung des Wissens vor dem Vergessenwerden retten würde. Die Erde — wie ein jeder Planet — steht unter der Führung einer hohen geistigen Kraft, und diese Kraft offenbart sich durch die Söhne Gottes in einer den Menschen angepaßten Weise. Diese Kraft wird durch eine Schar geistig eingeweihter Menschen geoffenbart, die auf dem Wege der Entwicklung den Söhnen Gottes gleichwertig geworden sind. Sie arbeiten alle zusammen an dem großen Werk: die Erde der Finsternis, der Herrschaft der materiellen und höllischen Kräfte — der Isolation — zu entreißen und zu erlösen. Jeder Eingeweihte nimmt an dieser Arbeit teil, und da du auch eingeweiht sein wirst — auch du. Um ein verwendbarer Mitarbeiter am großen Werk zu werden, muß man erst die ganze Skala der Eigenschaftspaare beherrschen. Also mußt auch du die Prüfungen in diesen Eigenschaften bestehen. Ihre Beherrschung bedeutet, daß du die Eigenschaften zur rechten Zeit und am richtigen Orte gebrauchst. Dieselbe Eigenschaft, die am richtigen Orte und zur richtigen Zeit göttlich ist, wird, am falschen Orte und zur unrichtigen Zeit gebraucht, satanisch. Denn Gott schafft nur Gutes, Schönes und Wahres. Es gibt keine schlechten Eigenschaften und keine schlechten Kräfte, es gibt nur schlecht angewendete Eigenschaften und schlecht angewendete Kräfte! Was das richtige Schweigen und Reden ist, hast du selber schon erfahren. ,Schweigen' ist eine göttliche Eigenschaft, sie bringt Segen, wenn man sie dort und dann gebraucht, wo und wann man schweigen muß. Wenn man aber dort und dann schweigt, wo und wann man reden sollte, wenn man zum Beispiel einen Menschen mit einem Wort vor einer großen Gefahr retten könnte und schweigt, so ist aus dem göttlichen ,Schweigen' ein satanisches ,Verschweigen' geworden. Wenn das ,Reden' am falschen Orte und zur unrichtigen Zeit erfolgt, so wird aus der göttlichen Fähigkeit des ,Redens' ein satanisches ,Schwatzen'. Die eine Hälfte der nächsten Zwillingsfähigkeiten, die ,Empfänglichkeit', ist göttlich, wenn man allem, was hochstehend ist — also dem Schönen, Guten und Wahren gegenüber —, empfänglich und offen ist, Gott auf sich einwirken läßt und Ihn in sich empfängt. Sie wird aber verhängnisvoll und satanisch, wenn daraus eine charakter- und willenlose ,Beeinflußbarkeit' wird. Ihre andere Hälfte, die ,Unbeeinflußbarkeit', bedeutet die Fähigkeit, allen niedrigen Einflüssen und Wirkungen unerschütterlichen Widerstand zu leisten. Leistet man aber auch den höheren Kräften Widerstand, wird aus der göttlichen ,Unbeeinflußbarkeit' satanische Isoliertheit'. Absolutes Gehorchen dem göttlichen Willen gegenüber ist die Pflicht eines jeden Mitarbeiters am großen Werke. Der Wille Gottes kann sich unmittelbar durch dich selbst und auch durch andere Menschen offenbaren. Gottes Willen erkennst du, wenn du alles, was von dir verlangt wird, gründlich prüfst, ob es auch mit deiner innersten Überzeugung übereinstimmt. Gott spricht zu uns durch unsere tiefste Überzeugung, da müssen wir unbedingten Gehorsam leisten. Gegen unsere eigene Überzeugung jemandem nur aus Feigheit, Angst, eventuell aus ,Artig-sein-Wollen' oder sogar materieller Vorteile wegen, also aus niedrigen, persönlichen Gründen, zu gehorchen bedeutet ,Servilität' und ist satanisch. ,Herrschen': unwissenden und schwachen Wesen soll von der eigenen Willenskraft abgegeben werden. Universelle Liebe soll, alle Kräfte des Volkes zusammenfassend, es zum allgemeinen Wohle führen, ohne das Selbstbestimmungsrecht der Menschen zu verletzen. Wer lieblos und aus selbstsüchtigen Gründen den eigenen Willen anderen aufzwingen will und ihr Selbstbestimmungsrecht verletzt, macht aus der göttlichen Eigenschaft des ,Herrschens' die satanische ,Tyrannei'. ,Demut' sollen wir dem Göttlichen, dem uns belebenden höheren Selbst, gegenüber erleben. Du mußt dir dessen bewußt sein, daß alle schönen, guten und wahren Eigenschaften IHM gehören, daß seine Person ein Offenbarungswerkzeug, ein Projektionsapparat des Göttlichen, aber an sich nur eine leere Hülle ist. Du sollst die in dem All sich offenbarende Gottheit — das ewige Sein — in dir erkennen und dich Ihm demütig ergeben. Nie aber sollst du dich irdischen oder unterirdischen Mächten unterwerfen und vor irdischen Formen auf die Knie fallen. In diesem Falle würde aus der göttlichen ,Demut' ein satanisches, feiges ,Sich-Demütigen', wodurch du die dich mit Ihrem eigenen ewigen Sein belebende Gottheit verletzen würdest.
Wenn du ein guter Diener am großen Werke der Erlösung der Erde sein willst, darfst du nie vergessen, daß du nicht aus eigener Kraft lebst und arbeitest. Jede Kraft stammt aus Gott, und alle Kräfte, die du offenbarst, strömen dir aus deinem höheren Selbst — aus Gott — zu. Sei dir dessen bewußt, daß deine Person an sich ein Scheinwesen ist. Dein wahres Wesen — die einzige, ewige Realität in dir — ist Gott! Selbstvertrauen bedeutet also Vertrauen in den deinem Herzen innewohnenden Gott, nicht aber in dein Scheinwesen, in deine Person. Das göttliche "Selbstvertrauen" ist zu jeder schöpferischen Tätigkeit unerläßlich und bedeutet eine innere Verbindung mit Gott. Wenn aber eine Person sich einbildet, daß ihre Qualitäten und Kräfte ihr gehören und nicht Gott, so wird aus dem göttlichen Selbtsvertrauen satanisches "Sich-Überheben" Als Mitarbeiter am großen Werk mußt du dich auch blitzschnell entscheiden können. Du mußt lernen, ohne Zögern, augenblicklich, aus verschiedenen Möglichkeiten die beste zu wählen. Es können Situationen eintreten, in denen nur ein Augenblick Verspätung die Versäumnis einer einmaligen, unwiderbringlichen Gelegenheit bedeutet. Wenn du vollkommen konzentriert, mit über jedem Zeitbegriff stehender Geistesgegenwart, augenblicklich handeln kannst, so offenbarst du Gottes Willen, und in diesem Falle ist die blitzschnelle Entscheidung göttlich. Wenn man aber ohne Geistesgegenwart und Überlegung blitzschnell handelt und so die Konzentration verliert, dann wird aus der göttlichen ,Blitzesschnelle' satanische ,Übereilung'. So mußt du also lernen, dir göttliche ,Besonnenheit' anzueignen. Du mußt, bevor du handelst, dein Temperament zügeln und mit viel Geduld die Entscheidung in dir reifen lassen. Oft mußt du dir, um den Willen Gottes zu erkennen, Zeit lassen, bis du die richtige Entscheidung gefunden hast. Das bedeutet, mit ,Besonnenheit' arbeiten. Wenn man aber die Besonnenheit unendlich ausdehnt und nie zur Entscheidung gelangt, so wird aus der göttlichen ,Besonnenheit' eine satanische, zweifelnde ,Unentschlossenheit'. Als ein nützlicher Mitarbeiter am großen Werke mußt du lernen, alles anzunehmen, was dir das Schicksal bringt. Nicht die äußeren Umstände geben dir deinen Wert, sondern nur der Grad, in dem du Gott offenbarst. Deine inneren Werte können weltliche Erniedrigungen oder Demütigungen nicht verkleinern oder vernichten. Aber Verherrlichungen oder Lobgesänge können sie auch nicht vergrößern. So darf dich die Art, wie dich die unwissenden Menschen behandeln, nicht berühren. Du bleibst, was du bist, ob man dich herabsetzt oder ob man dich verherrlicht. Lerne mit allen Verhältnissen zufrieden zu sein und sie vollkommen unbewegt hinzunehmen. Wenn deine Arbeit im großen Werke von dir verlangt, daß du in großer Armut lebst oder aber daß du auf einem hohen Posten stehst und über ein großes Vermögen verfügst, so mußt du das eine wie das andere als Mittel zum großen Zweck betrachten. Keines darf deine innere Einstellung ändern. So gebraucht, wird das ,Alles-Annehmen' göttlich. Du mußt aber immer erwägen — wenn dich auch in deinem Inneren nichts berührt —, wann du dich als Vertreter der höheren Führung gegen Demütigungen oder Beleidigungen verteidigen mußt — und wann du dich vor Verherrlichungen bescheiden zurückzuziehen hast. Das ,Alles-Annehmen' darf nie in apathische Teilnahmslosigkeit' oder feige ,Charakterlosigkeit' entarten. Wähle immer das Allerbeste, und gib dich nicht mit Minderwertigem zufrieden. Du mußt das ,Schöne' vom ,Häßlichen', das ,Gute' vom ,Schlechten' oder ,Bösen', das ,Wahre' vom ,Falschen' — das Göttliche vom Satanischen — unterscheiden können. Ohne vollkommenes Unterscheidungsvermögen ist man im großen Werke unbrauchbar. Wenn du aber von Nutzen sein willst, mußt du auch aus voller Kraft ,kämpfen' können. Mit dem Schwert der Wahrheit sollst du gegen den Schatten des Irrtums kämpfen, um dem Göttlichen auf Erden zum Sieg zu verhelfen. Nie darf aber aus der edlen und mutigen Kampfbereitschaft' sinnlose ,Zanksucht' werden. Du darfst nicht vergessen, wenn du auch oft mutig kämpfen mußt, daß du mit geistigen Waffen kämpfen sollst, um der Erde ,Frieden' zu bringen. Du sollst kämpfen, um das Zerrissene in eine Einheit zu verwandeln und um zwischen Kämpfende Frieden zu bringen. Nie soll aber aus deiner Friedensliebe ein feiges oder bequemes ,Nicht-kämpfen-Wollen' werden. Wenn du ein verwendbarer Mitarbeiter am großen Werke der Erlösung der Erde sein willst, mußt du auch ,Vorsicht' lernen, aber gleichzeitig entscheiden können, zu welcher Zeit und an welchem Orte du diese göttliche Eigenschaft gebrauchen sollst. Durch ,Vorsicht' kannst du dich und viele andere vor großen Gefahren, vor Schaden und sinnlosen Opfern retten. Aber aus Angst und Mangel an Selbstvertrauen sich nicht getrauen, etwas zu tun, macht aus der göttlichen Eigenschaft der ,Vorsicht' satanische ,Feigheit'. Du mußt unerschütterlichen ,Mut' besitzen. Du darfst dich vor keiner Gefahr fürchten. Du mußt allen Schwierigkeiten mutig entgegengehen und jeden Angriff gegen das Göttliche mit Mut bekämpfen, wenn es das große Ziel erfordert. Nie darf aber der göttliche ,Mut' in gottversuchende ,Waghalsigkeit' entarten. Als Mitarbeiter am großen Werke mußt du dich auch zum ,NichtsBesitzen' bekennen. Ob deine Aufgabe von dir vollkommene Armut verlangt oder dich in den größten Reichtum versetzt: sei dir dessen bewußt, daß dir nie und nirgends etwas gehört, sondern alles Gottes Eigentum ist, aus dem du deiner Aufgabe entsprechend etwas nur zum Gebrauch bekommst. Wie es einem Wasserkanal gleichgültig ist, ob mehr oder weniger Wasser durch ihn fließt, da das Wasser nicht ihm gehört, so sollst auch du alles, was dir das Schicksal gibt, als etwas betrachten, das von Gott kommt und das du weitergeben mußt. Wovon du leben wirst, darüber brauchst du dir keine Sorge zu machen. Du bekommst genau so viel, wie du brauchst. Und wenn du noch so reich wärest, du müßtest deine Einstellung des ,Nicht-Besitzens' als Bewußtseinshaltung immer wahren. Nie darf aber diese göttlich-positive Einstellung in ein ,Sich-um-nichts-Kümmern' und auch nicht in ,Verachtung-der-Materie' entarten. Du darfst von deinen Mitmenschen nie erwarten, daß sie dich ohne Arbeit erhalten! Auch die Materie ist eine Offenbarung Gottes, du mußt also die Materie als etwas Göttliches wertschätzen, du mußt auch über sie herrschen und verfügen. Du mußt die Kunst besitzen, immer so viel Materielles herbeizuschaffen, als du zu deiner irdischen Aufgabe benötigst. . . Sei dir dessen voll bewußt: Solange du auf der irdischen Ebene weilst, mußt du mit, nicht aber ohne die Materie und auch nicht gegen die Materie handeln. Es ist nötig, daß du die Materie zusammenfassen und halten kannst, sie richtig gebrauchst und meisterst, sonst bist du den irdischen Mächten vollkommen ausgeliefert und kannst, ihnen unterworfen, deine irdische Aufgabe nicht unabhängig und frei ausführen. Gib aber acht, daß die göttliche Eigenschaft, über die Materie herrschen zu können, nie zur satanischen, selbstsüchtigen ,Besitzgier' ausarte. Als Mitarbeiter am großen Werk darfst du an keinen Menschen gebunden sein. Erkenne in allen Menschen, was in ihnen göttlich, was irdisch und was höllisch ist. Liebe nicht die Person, sondern liebe in ihr das Göttliche, dulde das Irdische und weiche dem Höllischen aus. Wenn deine Aufgabe es verlangt, mußt du ohne Zögern den geliebtesten Menschen verlassen können, weil du immer vor Augen haben mußt, daß, was in ihm der Liebe würdig, Gott ist und nicht die Person. Die Person ist nur ein Offenbarungswerkzeug Gottes. Du kannst dieselben Offenbarungen auch in anderen Personen finden und lieben. Liebe Gott in jedem Menschen, dann wirst du an keine Person gebunden sein. Nie darf aber dieses ,Nichtgebunden-Sein' sich in allgemeine ,Lieblosigkeit' gegenüber deinen Mitmenschen verkehren. Menschen aber, in denen du Offenbarungen Gottes erkannt hast, sollst du im Leben und im Tod treu bleiben. Du liebst deine Meister und deine Mitarbeiter im großen Werk, weil du in ihnen Gott erkannt hast. Du bist Gott in ihnen treu, weil du ihre Person nur als Werkzeug Gottes liebst. So wird diese Verehrung und Treue gegen deine Meister und Mitarbeiter nie zur persönlichen Anbetung, zum "Personenkult".


Wenn du ein nützliches Werkzeug im großen Werk sein willst, so mußt du die Kunst besitzen, deine eigene Person, wie ein gehorsames Instrument, auch von der Öffentlichkeit zu gebrauchen. Du mußt deine Begabungen und Fähigkeiten vor Menschenmengen durch deine geistigen Kräfte beleben, zum Höhepunkt und zum Strahlen steigern, so, daß du deinen Geist durch deine Person, durch die Haltung deines Körpers, durch die Bewegungen deiner Hände, durch die Ausstrahlung deiner Augen, deines Blickes und durch deine Redekunst im höchsten Grade offenbarst und die Menschen unter deinen Einfluß bringst, sie auf eine höhere geistige Stufe mitreißest. Du mußt also deinen Geist durch deine Persönlichkeit vor der Öffentlichkeit ohne Scham, ohne Hemmungen zeigen können. Nie darf aber die Kunst des ,Sichzeigens' den Teufel der Eitelkeit in dir wecken und in eine Selbstgefälligkeit, in ein mit deinen Gottesbegabungen Auffallen- und Prahlenwollen entarten. Wenn Menschenmengen dich begeistert feiern und bejubeln, so mußt du ununterbrochen im Bewußtsein tragen, daß die Menschen nicht von deiner Person, — die nur eine leere Hülle ist, — sondern von Gott begeistert sind, DER sich durch deine irdische Hülle geoffenbart hat. Wenn du dich im Gebrauch der Kunst des "Sichzeigens" nicht dem Teufel der Eitelkeit auslieferst, dann wird dich nicht im geringsten stören, wenn du — in der Erfüllung anderer Aufgaben — unter den Menschen wiederum vollkommen unbemerkt und unbedeutend bleiben mußt. Du darfst in diesem Falle deine Fähigkeiten nicht zeigen, sondern unter den Menschen, wie einer von vielen, ohne auffallen und herausragen zu wollen, unbemerkt verschwinden. Nie darf aber dieses bescheidene ,Unbemerktbleiben' in eine persönliche Selbstunterschätzung und Selbstvernichtung entarten. Deine Menschenwürde mußt du immer in deinem Herzen tragen. Wenn du ein brauchbarer Mitarbeiter am großen Werke sein willst, mußt du die Prüfung der vollkommenen Todesverachtung bestehen. Du mußt die unerschütterliche Überzeugung haben, daß es überhaupt keinen Tod gibt. Wenn dein Körper verbraucht ist, so streift dein Selbst ihn ab. Das Selbst ist aber ein Zweig des Lebensbaums, das Leben selbst, und das Leben ist unvergänglich. Wenn du in deinem Bewußtsein mit dem Leben identisch geworden bist, wirst du auch vor dem Tode — wenn deine Aufgabe dich in Lebensgefahr bringt — nicht zurückschrecken, sondern mit unerschütterlicher Todesverachtung der größten Gefahr entgegenschauen. Laß aber die Todesverachtung' nie in eine Geringschätzung des Lebens, also in ,Lebensverachtung', ausarten. Du mußt das Leben über alles schätzen. Das Leben ist Gott selbst. In allem, was lebt, offenbart sich das ewige Sein. Du darfst dich nie sinnlos der Gefahr aussetzen. Schätze das Leben auch in deinem Körper, lebe mit Freude. Nie soll aber die Freude am Leben Selbstzweck werden und in ,Sinnlichkeit' ausarten. Und zuallerletzt mußt du die allerschwerste Prüfung bestehen: die der ,Liebe' und der ,grausamen Liebe': der "Gleichgültigkeit". Dieses letzte Eigenschaftspaar bildet schon auf der irdischen Ebene eine untrennbare Einheit. Wann immer du die eine Hälfte offenbar machst, so offenbart sich unwillkürlich auch die andere. Du mußt deine persönliche Einstellung, deine persönlichen Neigungen und Gefühle vollkommen aufgeben: so lieben können, wie Gott selbst liebt, alles lieben, ohne Unterschied lieben! Mit allem in der Einheit des ewigen Seins verbunden lieben. So wie die Sonne mit vollkommener Gleichgültigkeit auf das Schöne und das Häßliche, auf das Gute und das Böse, auf das Wahre und das Falsche scheint — sie liebt —, so mußt du das Schöne und das Häßliche, das Gute und das Böse, das Wahre und das Falsche ohne Unterschied, mit vollkommener Gleichgültigkeit lieben. Die allerhöchste, göttliche Liebe ist die vollkommen gleichgültige Liebe! Es muß dir vollkommen gleichgültig sein, ob etwas oder jemand schön oder häßlich, gut oder böse, wahr oder falsch ist, du mußt alle mit der gleichen Liebe lieben. Du mußt lernen, daß das Schöne ohne das Häßliche auch nicht da wäre. Du mußt lernen, daß das Gute ohne das Böse auch nicht da wäre. Du mußt lernen, daß das Wahre ohne das Falsche auch nicht da wäre. Und so mußt du alle gleich lieben. Du mußt erkennen, daß das Schöne und das Häßliche, das Gute und das Böse, das Wahre und das Falsche nur einander ergänzende Spiegelbilder des Unaussprechlichen sind, das wir — nur um ein Wort zu haben — ,Gott' nennen. Wenn für jedes Lebewesen vollkommen gleiche, gleichgültige Liebe aus dir strahlt, wird sich dieser Liebe in keinem Falle mehr persönliche Neigung beimischen. Du wirst alles vom Standpunkt des großen Ganzen betrachten, und wenn der Standpunkt des Allgemeinen gegen den Standpunkt der einzelnen Personen verstößt, wirst du ohne Zögern den Standpunkt des Ganzen vertreten und die Interessen der einzelnen rücksichtslos übergehen. Diese Rücksichtslosigkeit muß aber immer in der universellen, göttlichen Liebe wurzeln und darf nie aus einer persönlichen ,Abneigung' stammen. Du mußt aber deine unpersönlich gewordene, gleichgültig-grausame Liebe deinen Mitmenschen gegenüber auch in solchen Fällen offenbaren, in denen ihre Seele eventuell nur um den Preis ihres irdischen Wohles zu retten ist, auch dann, wenn sie dir persönlich am nächsten stehen. Du mußt eventuell auch gleichgültig zuschauen können, wie deine Geliebtesten in die größten Gefahren hineingeraten und darfst sie, wenn sie auf gewöhnliche Mittel nicht reagieren, weder mit geistiger Gewalt, mit Hypnose, noch mit magischen Mitteln zurückhalten, wenn ihr Seelenheil es so verlangt. Lieber soll ein Mensch materiell oder körperlich zugrunde gehen, sogar sterben, als daß seine Seele verlorengeht. Du mußt unbedingt die Rettung seiner Seele unterstützen. Ebenso wie Gott sich in keine Angelegenheiten der Menschen mischt, sondern ihnen ihren freien Willen läßt, so mußt auch du deinen Mitmenschen ihren freien Willen lassen und sie niemals mit Gewalt zu etwas zwingen. Deine Hilfsbereitschaft soll alles vom Standpunkt des seelischen Heils und nicht vom irdischen und körperlichen Wohl aus betrachten. Nie darf aber diese göttlich-grausame Liebe in »Lieblosigkeit' entarten, und nie darfst du einem Menschen aus persönlicher Abneigung nicht helfen wollen, wenn du ihn mit irdischen Mitteln retten kannst. Das sind die allerschwersten Prüfungen, weil du deine persönlichen Gefühle aufgeben und ausschalten mußt. Nur wenn du die vorhergehenden elf Eigenschaftspaare vollkommen beherrschest, kannst du die Stimme Gottes so klar vernehmen, daß du mit Sicherheit fühlst, was du auch in den schwersten Fällen aus wahrer Liebe tun — und was du nicht tun sollst! Dann aber wirst du nicht mehr fehlen können, denn du wirst die Liebe selbst sein! Und die Liebe kann alles nur aus Liebe tun. Du brauchst nichts anderes zu tun, als dein Selbst auszustrahlen, zu sein, und das ganze All wird aus deiner Wärme, aus deinem Licht und aus deiner Kraft schöpfen können. Dann bist du selbst göttlich geworden, dein Bewußtsein wurde mit Gott selbst identisch! Du bist aus der Welt des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen, also aus dem Reich des Todesbaumes, wo alles in Trennung und Spaltung erscheint, ins Reich des Lebensbaumes, ins Reich der göttlichen Einheit, zurückgekehrt. Du issest wieder von den Früchten des Lebensbaumes, und von diesen Früchten gibst du auch den nach dir Kommenden zu essen, damit alle in die Einheit des unsterblichen, ewigen Lebens, in das ewige Sein — in Gott — heimkehren.» O Du Gottesvertreter! Nie werde ich deine Worte vergessen. Sie haben sich so tief in meine Seele eingeprägt, daß ich mit dem Sinn dieser Worte identisch geworden bin. Sie sind mir ins Blut, ins Knochenmark übergegangen, und nach dieser Belehrung bin ich nicht mehr dieselbe, die ich vorher war. Meine Aufgabe aber ist: all dies zu verwirklichen.

Elisabeth Haich - Einweihung, PDF 425 S.

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